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30. März 2021

SPACs: Was steckt hinter dem Börsenmantel-Hype aus den USA?

Wie funktionieren SPACs in der Praxis?

Der SPAC selbst ist zum Zeitpunkt, als die Mantelgesellschaft gegründet wird, eine „leere“ Firma ohne jegliches operative Geschäft. Was diese Gesellschaft aber hat, ist eine bestimmte, zuvor bei institutionellen Anlegern eingesammelte Menge Kapital. Mit diesem Kapital begeben sich die Eigentümer des SPACs, was beispielsweise Hedge-Funds-Manager oder vergleichbare professionelle Kapitalmanager sein können, auf die Suche nach einem nicht-börsennotierten Unternehmen, das sie über die Verschmelzung mit dem SPAC an die Börse bringen möchten.

Während der Zeit, indem der SPAC nach potentiellen Übernahmezielen sucht und sich mit diesen in Verhandlungen befindet, wird die Mantelgesellschaft selbst an der Börse gehandelt. In der Regel bleiben den SPAC-Managern 24 Monate Zeit, um ein geeignetes Übernahmeziel ausfindig zu machen, Anteile an diesem zu erwerben und somit das nicht-gelistete Unternehmen mit dem SPAC zu verschmelzen und an die Börse zu bringen. Ließ sich während dieser Zeit keine Übernahme finalisieren, löst sich der SPAC auf und Anleger erhalten eine Rückvergütung zum Ausgabepreis. Das Kapital selbst liegt währenddessen auf einem niedrig verzinsten Treuhandkonto.

Besonderheiten von SPACs aus Sicht von Anlegern

Die börsennotierten Mantelgesellschaften bringen einige Eigenheiten aus Anlegersicht mit, die vor einer Investition bedacht gehören:

  • Anleger kennen keine potentiellen Übernahmeziele, erhalten aber vorab eine Information, in welcher Branche eine Übernahme stattfinden soll, beispielsweise „grüne Energie“, „Tech“ oder „Health-Tech“.
  • Initiatoren vergeben neben Anteilen (Commons/Aktien) noch weitere Optionen (Units/Warrants), die zu einem Bruchteil erworben werden können und nach erfolgreicher Fusionierung mit einem Übernahmeziel zum Bezug weiterer Anteile des nun neu firmierten Unternehmens eingesetzt werden.
  • SPACs besitzen einen fixen Ausgabepreis, der aus Anlegersicht wie eine Art Rückversicherung fungiert und zu dem, sollte keine Fusion stattfinden, Anleger ihr Kapital (teilweise) ersetzt bekommen.

Der Ausgabepreis verdient an dieser Stelle besondere Aufmerksamkeit, anhand eines Beispiels lässt er sich gut erklären. Hat ein SPAC Anteile zu jeweils 10 $ ausgegeben, ist dieser Preis auch die erstmalige Notierung am Kapitalmarkt. Aufgrund einer höheren Nachfrage könnte der SPAC fortan zu 14 $ gehandelt werden, bevor überhaupt eine Übernahme stattfand. Kauft ein Anleger den SPAC nun zu diesen 14 $, es wird in den nächsten zwei Jahren aber kein Ziel gefunden, so löst sich der SPAC auf und der Anleger bekommt 10 $ pro Anteil (Ausgabepreis) rückvergütet. In diesem Zusammenhang ist ein Totalverlust mit einem SPAC, zumindest wenn keine Übernahme stattfand, de facto ausgeschlossen.

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Warum existieren SPACs überhaupt?

Um zu verstehen, wie es im Jahr 2020 zu einem SPAC-Boom kam, ist unvermeidbar, die Vorteile für alle drei involvierten Parteien zu erkennen. Diese drei Parteien sind: Übernahme-Kandidaten (Start-Ups, Jungunternehmen, Einhörner), Anleger (institutionell und privat) sowie die SPAC-Initiatoren.

Vorteile für Unternehmen:

  • Indem sie sich von einem SPAC an die Börse bringen lassen, sparen sie sich den hohen Personal- und Kostenaufwand, der anderenfalls mit einem Börsengang verbunden ist.
  • Sie erhalten eine weitere Kapitalspritze.
  • Die SPAC-Initiatoren sind im Regelfall erfahrene Anleger und Manager, deren Expertise und Netzwerk in Jungunternehmen Mehrwerte generiert.

Vorteile für Anleger:

  • Anleger erhalten die Möglichkeit, in ein potentiell sehr starkes, aktuell noch privat notiertes Unternehmen frühzeitig zu investieren.
  • Bei einer Übernahme, die der Markt als sehr positiv bewertet, wird der SPAC hohe Kursgewinne einfahren.
  • Sie zählen zu den ersten Investoren in aufstrebende Unternehmen, da SPACs auf Wachstumsunternehmen fokussiert sind.

Vorteile für SPAC-Initiatoren:

  • SPACs besitzen im Regelfall eine Struktur, mit der die Initiatoren einen gewissen Anteil (oft 20 %) für ihre Arbeit erhalten.
  • Für die Initiatoren sind SPACs eine attraktive Möglichkeit, um sich mit Fremdkapital einen frühen Einstieg in ein Unternehmen zu sichern und da gegebenenfalls als aktivistischer Investor zu agieren.

SPACs „Made in Germany“ – wie sieht es hierzulande und in Europa aus?

Die USA hat in 2020 einen regelrechten SPAC-Boom erlebt, angetrieben unter anderem durch Chamath Palihapitiya, der mit seinem Hedgefund Social Capital 12 SPACs aufsetzte. Auch andere bekannte Milliardäre, unter anderem Bill Ackmann, haben eigene SPACs ausgeschrieben.

In Deutschland (und dem DACH-Raum) hielt man sich bisher zurück. Die zwei bekanntesten und einzigen Vehikel dieser Art sind der von Klaus Hommels aufgelegte Lakestar SPAC 1 sowie der von Zalando-Eigentümer Samwer gegründete „Rocket Internet Growth Opportunities Corp“-SPAC. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass es sich aber bei beiden nicht um den ersten deutschen SPAC handelt. Den gab es nämlich schon lange vor dem SPAC-Hype, im Jahr 2008, und wurde von Thomas Middelhoff und Roland Berger aufgelegt. Das übernommene Unternehmen, AEG Power Solutions, scheiterte später.

Ein weiterer Unterschied zwischen Deutschland und den USA zeigt sich hinsichtlich der Notierungen. Während SPACs in den USA häufig direkt mit Kursgewinnen von 10 oder 20 % in den Handel starten, hielten sich Anleger sowohl beim Rocket- als auch beim Lakestar-SPAC zurück. Ersterer notierte sogar mit Verlusten unter dem Ausgabepreis, der Lakestar-SPAC notiert hingegen mehr oder weniger innerhalb des Ausgabepreises. Der SPAC-Boom hat deutsche Anleger, oder zumindest DACH-SPACs, also nicht zwangsläufig erfasst.

Ist der SPAC-Boom wirklich lukrativ?

Nicht unbedingt, wie eine Erhebung der Financial Times aufzeigte. Demnach hat sich der Großteil der 2020-SPACs für Anleger nicht gelohnt. Teilweise notierten die übernommenen Unternehmen später unter dem Ausgabepreis des SPACs, es wurde also ein Verlust erzielt. Manchmal notierten sie rund um den Ausgabepreis, aber unter der markttypischen Rendite eines MSCI-World. Nur in seltenen Fällen wurde vom Ausgabepreis zum aktuellen Kurs des übernommenen Unternehmens eine Rendite erzielt. Bekannte Beispiele hierfür sind beispielsweise Simply Good Foods, Nikola, DraftKings oder Clarivate.

Ob der SPAC für Anleger ein gutes Geschäft beziehungsweise eine gute Investition war, hängt also primär von zwei Variablen ab: einerseits dem Kaufpreis in Relation zum Ausgabepreis und andererseits das übernommene Ziel. Das sollten Anleger zwangsläufig im Hinterkopf behalten, wenn sie in solch eine „Blackbox“ oder „Wundertüte“ investieren, bei der zu diesem Zeitpunkt nicht sicher ist, in welches Unternehmen überhaupt Geld gesteckt wird.

Direkt weiterlesen:

ZIM Förderung – Programm für mehr Innovation und Wachstum im Mittelstand

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