Industrielle Regalsysteme – Risiken und Unfallverhütung im Lager

Bei der Unfallverhütung im Lager spielt der richtige Regalschutz eine entscheidende Rolle. Denn durch diesen kann folgendes verhindert werden:
- Dass Regale durch das Manövrieren von Gabelstaplern, Hubwagen und anderen Handhabungsgeräte beschädigt werden.
- Dass Lasten in Durchgangs- und Arbeitsbereichen herunterfallen.
- Dass Ware von einer Ebene abrutschen.
Im Jahr 2019 kam es im Bereich Verkehr und Lagerei zu 72528 Unfällen. Zudem wurden in der Unfallstatistik für das gleiche Jahr 87541 Unfälle beim Transport von Hand verzeichnet. Die Zahlen der Unfälle im Jahresbericht der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) stehen unter dem maßgeblichen Einfluss der Corona-Pandemie und lassen die Auswirkungen der Sondersituation deutlich zu erkennen.
Regalschutz – dies sind die gängigsten Möglichkeiten
Palettenregale, Regalsysteme, Maschinen und Fördersystemen stellen große Gefahrenquellen dar. Diese sind nur zu vermeiden, wenn entsprechende Unfallverhütungsvorschriften befolgt und Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Mittlerweile bestehen in Deutschland viele Paragrafen in Hinsicht auf die Sicherheitsvorkehrungen und Arbeitsschutzgesetze, die von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu befolgen sind.
Sobald die Sprache auf wirksame Sicherheitsmaßnahmen kommt, dann steht der Mensch selbst an erster Stelle. Denn er ist es, bei dem im Falle eines Unfalls mit immensen Verletzungen zu rechnen ist. Genau in diesem Punkt greift das Arbeitsschutzgesetz sehr genau. Jeder Unternehmer ist verpflichtet, eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen unter den Arbeitsschutzgesichtspunkten vorzunehmen und eine Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes anzustreben.
Der „Mensch als Transportmittel“ fällt dabei in der ersten Betrachtung des Risikopotenzials auf. Besonders in Hinsicht auf die körperlichen Aktivitäten der Lagerarbeiter, kommt es zu starken Belastungen des Körpers, wie dem Armen, dem Rumpf und der Wirbelsäule. Daher gilt es gemäß der Lastenhandhabungsverordnung entsprechende Maßnahmen zu treffen. Auch Hilfsmittel müssen eingesetzt werden. Daher gilt es unter anderem folgende Aspekte zu berücksichtigen:
- Kraftaufwand & Körperhaltung
- Hebe-/Arbeitshöhe
- Arbeitstempo und Transportstrecke
- Arbeitsablauf und Erholungszeiten
- Lastgewicht- und Größe & Handhabbarkeit
- Körperliche Eignung und berufliche Qualifikation
- Bekleidung & Schuhwerk
Aktive Erhöhung der Sicherheit ist gleichbedeutend mit der Erhöhung der passiven Sicherheit.
Das Herabfallen von Ladung und Unfälle im Lagerverkehr gelten als die größten Risiken in den Industrielagern. Die Ursachen dafür sind sehr verschieden.
Zu nennen sind im Fall von herabfallenden Ladungen auf Gänge oder Arbeitszonen bei Metallregalen sind:
- Der Entwurf der Anlage oder des Metallregals ist problematisch
- Die Veränderung der Charakteristika des Originalzustands des Paletten-/Industrieregals
- Probleme bei der Ladeeinheit
- Kollisionen oder Stöße mit der Anlage bzw. dem Regalsystem
Anwendbare Sicherheitsmaßnahmen bei Industrieregalen
Um Kollisionen zwischen Gabelstapler und Regalen zu vermeiden, gilt es, das Lager genau zu planen und dabei auf alle wichtigen Details zu achten. Nicht nur die richtigen Abmessungen von Gängen und Arbeitsbereichen sind wichtig, sondern auch die entsprechende Beschilderung der Böden und Räume. Die geltenden EN-Normen 15635, 58011 und 15512 regeln die Sicherheit bei der Gestaltung von Lagersystemen. Die nachfolgend aufgeführten Fakten rund um den Regalschutz entsprechen genau diesen Normen.
Schutz vor Beschädigungen durch Handhabungsgeräte
Durch die Anbringung solcher Schutzvorkehrungen werden Stöße abgedämpft und zugleich bleibt die Stabilität der lasttragenden Strukturen erhalten.
- Rammschutz auf der Unterseite der Palettenregale. Installiert wird dieser auf den Stützrahmen und an den Stellen, wo die Wahrscheinlichkeit einer Kollision am größten ist, bspw. im Versandbereich.
- Schutz von Tragrahmen und Streben. Dieser wird am Boden verankert. In einer Höhe von 40 Zentimeter bedecken diese die Streben des Regals, womit bodenbündige Zusammenstöße vermieden werden. Bei diesen handelt es sich zugleich um die Kollisionen die am meisten vorkommen.
Für das Handling von Lasten gibt es zusätzliche Sicherungsmaßnahmen
Das Ein- und Auslagern von Waren und Paletten aus Regalen birgt große Risiken. Aus diesem Grund sollten hier folgende Regalschutzelemente im Vordergrund stehen.
- Absturzsicherung & Schutz der Durchgänge – dafür kommen modulare Schutzzäune zum Einsatz. Die Installation erfolgt auf der Rückseite der Regale, an die bspw. ein Arbeitsplatz grenzt. So wird ein Herunterfallen der Ware verhindert. Nicht vergessen werden sollte dabei der untere Teil der Quertunnel.
- Profile, um die Paletten zu positionieren. Diese funktionieren als Puffer, sobald eine Palette platziert wird, in dem dieser dem Druck der Palette entgegenwirkt. Dabei ist nicht die Palette der Kontaktpunkt, sondern die darauf befindliche Ware.
Das Herabfallen von Lasten durch Strukturverstärkungssysteme verhindern
Elemente, von denen die strukturelle Belastung verstärkt und zusätzliche Stabilität geboten wird, sind eine weitere Art von Regalschutz. Dennoch dürfen die maximal zulässigen Belastungsgrenzen nicht überschritten werden.
- Senkrechte Verstärkungsstege für Paletten – Diese verhindern da Herunterfallen von Paletten und Waren, bspw. wenn die Palette beschädigt (Morsch, brüchig) ist oder es zu einer parallelen Platzierung der Bodenbretter zu den Trägern kommt.
- Schrägverankerung: Durch das System bestehend aus Metallprofilen wird die Längsstabilität des Regals erhöht. Befestigt wird ein solches System horizontal oder vertikal am Rahmen. Spanner an den Metallbalken ermöglichen es für die erforderliche Stabilität zu sorgen.
Letztendlich gilt es, eine Wartung der Regalsysteme regelmäßig durchzuführen, um so die Sicherheit im Lager zu 100 Prozent garantieren zu können. Hilfreich dafür ist ein Wartungsplan, der es ermöglicht, den allgemeinen Zustand des Regalsystems zu überprüfen, inklusive des Regalschutzes. Sind eventuelle Schäden festgestellt worden, dann gilt es den Reparaturbedarf zu ermitteln.
- Titelbild: Image by icondigital from Pixabay
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