Sie sind hier: Startseite Recht & Steuern
Weitere Artikel
Abzocke

Aktuelle Masche der Betrüger: Abzocke mit dem Handelsregistereintrag

Nach der Unternehmensgründung ist in vielen Fällen der Eintrag im Handelsregister nötig. Bei Veränderungen im Unternehmen müssen diese ebenfalls im Handelsregister aufgenommen werden, zum Beispiel, wenn ein Prokurist an die Firma gebunden wurde. Nun gibt es allerdings eine neue Betrugsmasche, die immer häufiger angewendet wird: Die Leute, die einen Eintrag im Handelsregister haben vornehmen lassen oder die eine Veröffentlichung über ihre Unternehmenseröffnung herausgegeben haben, bekommen einen amtlich aussehenden Brief mit der Aufforderung, einen gewissen Betrag (in der Regel viele Hundert Euro) binnen sieben Tagen zu bezahlen. Was nun?

“Amtliche“ Scheinrechnungen

Erst einmal eines vorweg: Bei diesen Rechnungen handelt es sich zwar um Schreiben, die aussehen wie ein amtlicher Brief. Doch es sind lediglich Scheinrechnungen, also besteht auch keine Zahlungsverpflichtung seitens des Empfängers. Irreführend ist die Ähnlichkeit mit Schreiben des zuständigen Handelsregister s (Handelsregister Definition). In Wirklichkeit kauft sich der Empfänger bei Begleichen der Rechnung in eine Internet-Datenbank ein, die völlig nutzlos ist. Diese Schreiben können also getrost dem Papierkorb übergeben werden. Wer die Rechnungen bereits bezahlt hat, kann sich gegen die Zahlung zur Wehr setzen. Der Vertrag kann wegen arglistiger Täuschung angefochten werden. Genaue Auskünfte über die Vorgehensweise kann jeder Rechtsanwalt geben, aber auch der Deutsche Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität e. V. hilft Betroffenen weiter.

Bekannt ist diese Masche übrigens schon seit Langem unter dem Namen Adressbuchschwindel. Der Rechnungsempfänger kauft sich einen Eintrag in einem wertlosen Adressbuch – hat davon nichts und das Geld ist futsch.

Ein Beispiel

In der Firma XYZ GmbH wird ein neuer Prokurist (Definition Prokurist) vertraglich gebunden. Dieser muss namentlich im Handelsregister eingetragen werden, schließlich erhält er umfangreiche Befugnisse innerhalb des Unternehmens und gehört der Geschäftsleitung an. Die Eintragung ist im Handelsregister veröffentlicht worden und die Firma XYZ GmbH erhält nun zwei Rechnungen. Eine Rechnung lautet über „Veröffentlichung von Texten im Handelsregister“ und beläuft sich auf 392 Euro. Die zweite Rechnung spricht von „Eintragungen im Register für Gewerbe und Industrie“, wobei für die Eintragung keine Kosten anfallen. Im Kleingedruckten findet sich jedoch ein Hinweis auf die zu zahlenden Gebühren für die Bearbeitung des Formulars: 965 Euro. Angegeben wurde dazu die richtige Nummer aus dem Handelsregister, es wird ein Eintrag über eine vorgenommene Veränderung erwähnt und das Datum der Veröffentlichung wird genannt. Damit wirken die Schreiben sehr offiziell und vor allem seriös, weil schließlich die richtigen Daten verwendet wurden. Tatsächlich beinhalten die Schreiben jedoch Angebote zur Eintragung der angeschriebenen Firma in einer Datenbank. Diese ist aber völlig nutzlos. Außer Spesen nix gewesen? In diesem Fall ja, wenn Firma XYZ GmbH die Rechnungen bezahlt.

Die Rechnungen selbst sind so ausgestaltet, dass das eigentliche Angebot dahinter kaum erkennbar ist. Vielmehr wirken die Schreiben wie amtliche Rechnungen, die ihre Berechtigung haben. Wer genau hinsieht, erkennt die Unterschiede – doch wer schaut schon so genau in das Kleingedruckte?

Zielgruppen der Betrüger

Beim einstigen Adressbuchschwindel wandten sich die Betrüger an Privatpersonen. Jetzt sind die Gewerbetreibenden an der Reihe. Die Betrüger sind also um einiges dreister geworden, denn gerade in Firmen werden Rechnungen durch mehrere Stellen geprüft (Rechnungswesen, Buchhaltung, Controlling). Der Hintergrund ist der, dass es eben mehrere Stellen sind, die eine Rechnung durchläuft. Denn nicht immer sind diese gut miteinander vernetzt. Es wird gezielt ausgenutzt, dass Unternehmen in verschiedene Organisationsabteilungen gesplittet sind und dass die eine Stelle der anderen unterstellt, die „Rechnung“ bereits geprüft zu haben. Die Folge: Der Angebotscharakter des Schreibens wird übersehen („Das ist doch schon überprüft worden und hat sicher seine Richtigkeit!“) und die Zahlung wird angewiesen. Die Betrüger haben ihr Ziel also erreicht.

Die Zielgruppe sind daher vor allem größere Unternehmen. Ein-Mann-Betriebe, bei denen alles in einer Hand liegt, werden weniger häufig angeschrieben. Gern werden jedoch auch Existenzgründer als Zielpersonen ausgewählt, hier machen Betrüger keinen Unterschied zwischen den Betriebsgrößen. Es wird unterstellt, dass Existenzgründer noch nicht allzu häufig mit Behörden zu tun gehabt haben und dass sie folglich weniger skeptisch sind. Ein amtliches Schreiben flattert ins Haus? Das muss richtig sein und die Rechnung wird bezahlt. Es wird also auch hier darauf gesetzt, dass die Empfänger der gefälschten Schreiben noch unbedarft sind.


 


 

Abzocke Handelsregistereintrag
Rechnungen
Schreiben
Handelsregister
Beantragung
Empfänger
Eintrag
Täuschung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Abzocke Handelsregistereintrag" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: