Neue Wege aus dem Fachkräftemangel: Trendwende in Ostdeutschland?

Laut der Bundesagentur für Arbeit herrscht fast überall in Deutschland Fachkräftemangel. Gerade außerhalb der großen Ballungszentren wie Berlin, Hamburg und Frankfurt macht er sich bemerkbar. Gleichwohl gibt es auch in den vermeintlichen „Problemzonen“ mit besonders angespanntem Arbeitsmarkt, wie etwa in den östlichen Bundesländern, Unternehmen, die mit neuen Strategien erfolgreich qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und binden – etwa in Sachsen-Anhalt.
Sachsen-Anhalt: Ein Bundesland mit schwierigen Ausgangsbedingungen
Das mit ca. 2,2 Millionen Einwohnern eher kleine Bundesland ist nicht gerade für seine leistungsstarke Wirtschaft bekannt. Gerade einmal knapp 2% des deutschen Bruttoinlandsprodukts werden in Sachsen-Anhalt erwirtschaftet. Zwar hat das Land mit den Universitätsstädten Halle und Magdeburg interessante Standorte zu bieten, im Vergleich zu den großen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München fehlt es jedoch an internationaler Strahlkraft, die die Unternehmen vor Ort für sich nutzen könnten. Hinzu kommt, dass nach Angaben des anhaltinischen Landesministeriums für Arbeit, Soziales und Integration jeder fünfte Betrieb im Land eine Altersstruktur aufweist, in der die älteren Jahrgänge dominieren. Eine zunehmende Verschärfung des Wettbewerbs um junge Arbeitnehmer scheint vorprogrammiert.
Erfahrungen aus der Betriebspraxis: Dynamisches Unternehmenswachstum führt zu persönlicher Weiterentwicklung
Angesichts der schwierigen Ausgangslage hat die Suche nach effektiven Strategien zur Fachkräftegewinnung im Land und überregional längst begonnen. Dass diese gelingen kann, beweist der hallesche Sensorspezialist SONOTEC. Kurz nach dem Ende der DDR, Anfang der 1990er Jahre gegründet, hat der Familienbetrieb heute rund 190 Mitarbeiter und wächst weiter, auch weil man es geschafft hat, hochqualifizierte Fachkräfte aus der Region zu gewinnen. So wie Felix Klose. Der 35-jährige Elektrotechniker aus Halle hatte vor mehreren Jahren seine Ausbildung bei SONOTEC abgeschlossen und ist heute Gruppenleiter in der Elektronikfertigung des Unternehmens. „Von der Ausbildung an konnte ich mich hier selbstständig weiterentwickeln,“ sagt er. Für ihn war es keineswegs selbstverständlich, einen Ausbilder und Arbeitgeber in seinem Heimatort Halle zu finden. „Viele müssen pendeln, nach Magdeburg zum Beispiel, manche sogar bis nach Berlin“, berichtet er aus seinem Freundeskreis. Sicher kommt seiner Karriere zu Gute, dass SONOTEC trotz der Corona-Krise im vergangenen Jahr um etwa 8% gewachsen ist. Denn die Geschäftsführung rund um die Familie Münch bemühe sich, die Mitarbeiter aktiv in den Entwicklungsprozess einzubinden, so Klose. So wie er legt auch etwa ein Viertel der deutschen Studierenden Wert auf die persönlichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz – das Ergebnis einer aktuellen GWA-Nachwuchsstudie.

Felix Klose (35), Elektrotechniker aus Halle ist heute Gruppenleiter in der Elektronikfertigung bei SONOTEC
Neue deutsche Mobilität: Chance für den ostdeutschen Arbeitsmarkt?
Doch auch überregional zeichnen sich positive Tendenzen für den Arbeitsmarkt in den neuen Bundesländern ab. Erstmals seit 26 Jahren verzeichnet das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mehr Umzüge von West- nach Ostdeutschland als umgekehrt.
Erwerbsbiografien wie die von Constantin Bartnitzek, den es aus Neckarsulm (Baden-Württemberg) zurück in die Heimat zur Familie zog, werden häufiger. Für ihn ist die Region Halle/Leipzig eine „mit viel Lebensqualität“. Abwechslung findet er auch im Beruf als Projektmanager, bei dem er Entwicklungsprojekte für nicht-invasive Sensoren zur Durchflussmessung und Luftblasendetektion steuert. „Wir sind in Branchen aktiv, die auch in der Krise gefragt sind, wie z.B. Biotechnologie, Medizintechnik oder Halbleiterindustrie“, Bartnitzek kommt schnell ins Schwärmen, wenn er von den diversen Einsatzbereichen der Ultraschallsensoren spricht.
Tatsächlich scheinen sich ostdeutsche Firmen zunehmend international zu vernetzen. Die FEP, ein Produzent von Fahrzeugelektrik aus Pirna, liefert mittlerweile Schaltelemente für Kraftfahrzeuge in 60 Länder. Die Magdeburger FAM-Gruppe, Hersteller von Förderanlagen und Baumaschinen, ist in über 80 Ländern tätig und beschäftigt 1500 Mitarbeiter weltweit. Und auch bei SONOTEC setzt man mit einer US-Vertriebstochter auf das internationale Geschäft.

Constantin Barnitzek, Projektmanager, zog es aus Baden-Württemberg zurück in die Heimat zu SONOTEC
Kleine Gesten, große Wirkung: Firmenkultur im Wandel
Neue Geschäftsfelder und internationales Prestige könnten insgesamt die Wirtschaftsregion Sachsen-Anhalt und die neuen Bundesländer attraktiver machen. Fernab dieser makroökonomischen Entwicklungen zählt für viele Arbeitnehmer immer noch das Binnenklima am Arbeitsplatz als Kernfaktor. „Menschlichkeit“, so nennt es Klose, wenn er von den kleinen Gesten unter den Mitarbeitern und seitens der Geschäftsführung spricht. „Ein Blumenstrauß zum Geburtstag, Impf- und Testangebote in der Pandemiezeit“ formen das Kollektiv für die anstehenden Zukunftsprojekte.
VerbraucherDer moderne Arbeitsalltag findet für viele Menschen fast nur noch im Sitzen statt. Stundenlanges Arbeiten am Bildschirm und eine starre Haltung prägen den Tag im Büro oder im Homeoffice. Diese mangelnde Bewegung bleibt selten ohne Folgen. Früher oder später reagiert der Körper mit Verspannungen oder Schmerzen. Für Unternehmen ist das eine ernste Herausforderung, denn kranke Mitarbeiter bedeuten immer auch wirtschaftliche Einbußen und Störungen im Betriebsablauf. Ein gut durchdachtes Gesundheitsmanagement im Betrieb ist deshalb kein Luxus, sondern eine sinnvolle Investition. Es hilft dabei, die Leistungsfähigkeit im Team langfristig zu erhalten und teure Ausfallzeiten spürbar zu senken.
ArbeitslebenDie Anforderungen an den modernen Arbeitsplatz haben sich gewandelt. Lange Zeit galt das Büro primär als funktionale Betriebsstätte ein Ort, an dem Schreibtische und Computer für die tägliche Aufgabenerledigung bereitstanden. Durch die Etablierung flexibler Arbeitsmodelle und des Homeoffice hat der physische Raum jedoch eine andere Bedeutung erhalten. Er ist heute mehr als eine reine Produktionsstätte. Das Büro entwickelt sich zu einem zentralen Begegnungsort, der Identifikation stiften und die Zusammenarbeit im Team fördern soll. In Zeiten des Fachkräftemangels stehen Unternehmen vor der Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig an sich zu binden. Hierbei spielt die physische Umgebung eine wichtige Rolle. Ein durchdacht gestaltetes Büro transportiert die Werte eines Betriebes und macht die eigene Kultur greifbar. Wer Arbeitswelten schafft, die Wohlbefinden und Wertschätzung vermitteln, legt ein solides Fundament für eine loyale Belegschaft. Qualität, die man spürt – Materialien als Ausdruck von Wertschätzung
HandelDie Welt der Dienstleistungen verändert sich spürbar. Lange Zeit ging es in der Wirtschaft vor allem um Schnelligkeit, standardisierte Prozesse und sinkende Kosten. Effizienz war für viele Betriebe das oberste Ziel. Doch dieser Fokus verschiebt sich. In einer Zeit, in der viele Angebote digitalisiert und dadurch austauschbar sind, suchen Menschen wieder nach persönlicher Nähe und maßgeschneiderten Lösungen. Reine Standardprogramme reichen oft nicht mehr aus. Gefragt sind Dienstleister, die aufmerksam zuhören und flexibel auf die persönlichen Bedürfnisse eingehen. Die emotionale Begleitung wird zu einem zentralen Faktor bei der Entscheidung für einen Anbieter.
