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business-on.de Redaktion
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3. März 2022

Neue Wege aus dem Fachkräftemangel: Trendwende in Ostdeutschland?

Laut der Bundesagentur für Arbeit herrscht fast überall in Deutschland Fachkräftemangel. Gerade außerhalb der großen Ballungszentren wie Berlin, Hamburg und Frankfurt macht er sich bemerkbar. Gleichwohl gibt es auch in den vermeintlichen „Problemzonen“ mit besonders angespanntem Arbeitsmarkt, wie etwa in den östlichen Bundesländern, Unternehmen, die mit neuen Strategien erfolgreich qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und binden – etwa in Sachsen-Anhalt.

Sachsen-Anhalt: Ein Bundesland mit schwierigen Ausgangsbedingungen

Das mit ca. 2,2 Millionen Einwohnern eher kleine Bundesland ist nicht gerade für seine leistungsstarke Wirtschaft bekannt. Gerade einmal knapp 2% des deutschen Bruttoinlandsprodukts werden in Sachsen-Anhalt erwirtschaftet. Zwar hat das Land mit den Universitätsstädten Halle und Magdeburg interessante Standorte zu bieten, im Vergleich zu den großen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München fehlt es jedoch an internationaler Strahlkraft, die die Unternehmen vor Ort für sich nutzen könnten. Hinzu kommt, dass nach Angaben des anhaltinischen Landesministeriums für Arbeit, Soziales und Integration jeder fünfte Betrieb im Land eine Altersstruktur aufweist, in der die älteren Jahrgänge dominieren. Eine zunehmende Verschärfung des Wettbewerbs um junge Arbeitnehmer scheint vorprogrammiert.

Erfahrungen aus der Betriebspraxis: Dynamisches Unternehmenswachstum führt zu persönlicher Weiterentwicklung

Angesichts der schwierigen Ausgangslage hat die Suche nach effektiven Strategien zur Fachkräftegewinnung im Land und überregional längst begonnen. Dass diese gelingen kann, beweist der hallesche Sensorspezialist SONOTEC. Kurz nach dem Ende der DDR, Anfang der 1990er Jahre gegründet, hat der Familienbetrieb heute rund 190 Mitarbeiter und wächst weiter, auch weil man es geschafft hat, hochqualifizierte Fachkräfte aus der Region zu gewinnen. So wie Felix Klose. Der 35-jährige Elektrotechniker aus Halle hatte vor mehreren Jahren seine Ausbildung bei SONOTEC abgeschlossen und ist heute Gruppenleiter in der Elektronikfertigung des Unternehmens. „Von der Ausbildung an konnte ich mich hier selbstständig weiterentwickeln,“ sagt er. Für ihn war es keineswegs selbstverständlich, einen Ausbilder und Arbeitgeber in seinem Heimatort Halle zu finden. „Viele müssen pendeln, nach Magdeburg zum Beispiel, manche sogar bis nach Berlin“, berichtet er aus seinem Freundeskreis. Sicher kommt seiner Karriere zu Gute, dass SONOTEC trotz der Corona-Krise im vergangenen Jahr um etwa 8% gewachsen ist. Denn die Geschäftsführung rund um die Familie Münch bemühe sich, die Mitarbeiter aktiv in den Entwicklungsprozess einzubinden, so Klose. So wie er legt auch etwa ein Viertel der deutschen Studierenden Wert auf die persönlichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz – das Ergebnis einer aktuellen GWA-Nachwuchsstudie.

Felix Klose (35), Elektrotechniker aus Halle ist heute Gruppenleiter in der Elektronikfertigung bei SONOTEC

Neue deutsche Mobilität: Chance für den ostdeutschen Arbeitsmarkt?

Doch auch überregional zeichnen sich positive Tendenzen für den Arbeitsmarkt in den neuen Bundesländern ab. Erstmals seit 26 Jahren verzeichnet das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mehr Umzüge von West- nach Ostdeutschland als umgekehrt.

Erwerbsbiografien wie die von Constantin Bartnitzek, den es aus Neckarsulm (Baden-Württemberg) zurück in die Heimat zur Familie zog, werden häufiger. Für ihn ist die Region Halle/Leipzig eine „mit viel Lebensqualität“. Abwechslung findet er auch im Beruf als Projektmanager, bei dem er Entwicklungsprojekte für nicht-invasive Sensoren zur Durchflussmessung und Luftblasendetektion steuert. „Wir sind in Branchen aktiv, die auch in der Krise gefragt sind, wie z.B. Biotechnologie, Medizintechnik oder Halbleiterindustrie“, Bartnitzek kommt schnell ins Schwärmen, wenn er von den diversen Einsatzbereichen der Ultraschallsensoren spricht.

Tatsächlich scheinen sich ostdeutsche Firmen zunehmend international zu vernetzen. Die FEP, ein Produzent von Fahrzeugelektrik aus Pirna, liefert mittlerweile Schaltelemente für Kraftfahrzeuge in 60 Länder. Die Magdeburger FAM-Gruppe, Hersteller von Förderanlagen und Baumaschinen, ist in über 80 Ländern tätig und beschäftigt 1500 Mitarbeiter weltweit. Und auch bei SONOTEC setzt man mit einer US-Vertriebstochter auf das internationale Geschäft.

Constantin Barnitzek, Projektmanager, zog es aus Baden-Württemberg zurück in die Heimat zu SONOTEC

Kleine Gesten, große Wirkung: Firmenkultur im Wandel

Neue Geschäftsfelder und internationales Prestige könnten insgesamt die Wirtschaftsregion Sachsen-Anhalt und die neuen Bundesländer attraktiver machen. Fernab dieser makroökonomischen Entwicklungen zählt für viele Arbeitnehmer immer noch das Binnenklima am Arbeitsplatz als Kernfaktor. „Menschlichkeit“, so nennt es Klose, wenn er von den kleinen Gesten unter den Mitarbeitern und seitens der Geschäftsführung spricht. „Ein Blumenstrauß zum Geburtstag, Impf- und Testangebote in der Pandemiezeit“ formen das Kollektiv für die anstehenden Zukunftsprojekte.

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