Wirtschaftslexikon·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
7. November 2013

Der Zoll – ein Instrument der Außenhandelspolitik

Dienten Zölle früher vor allem als Einnahmequelle für Länder und Städte, so erfüllen sie heute größtenteils einen Schutzzweck für inländische Wirtschaftszweige vor ausländischen Konkurrenten (Antidumpingzoll). Sie werden von Kritikern aber auch als Behinderung des internationalen Warenhandels betrachtet. Der Zoll ist nicht mit der Einfuhrumsatzsteuer zu verwechseln.

Der Zoll damals und heute – von der Antike bis in die Neuzeit

Den Zoll gibt es in der Geschichte der Welt schon recht lange. Bereits im alten Ägypten und in anderen antiken Hochkulturen erhoben Staaten Finanzzölle, um ihren Finanzbedarf abzudecken. Unser Wort „Zoll“ kommt dementsprechend z. B. noch aus dem Lateinischen von „teloneum“ (Abgabe) bzw. aus dem altgriechischen „telos“ (Grenze). Man kürzte das Wort zu „tol“ und schließlich im Rahmen der Lautverschiebung zu „tsol“ ab.

Im Mittelalter wurden an den Grenzen verschiedener Länder, Städte und Fürstentümer häufig Geleitzölle verlangt, also eine Schutzgebühr für den Handelsverkehr. Darüber hinaus bezahlte man an unzähligen Wegen und Brücken einen Passierzoll oder für den Eintritt zu Häfen oder Märkten. Der Zoll war im Grunde eine Art Maut oder Benutzungsgebühr bis viele Länder zusätzliche Stadt- und Landeszölle erhoben. Im 17. und 18. Jahrhundert, der Zeit des Merkantilismus wurden Zölle als Schutzzölle sehr wichtig. Man wollte mit Einfuhrzöllen die eigene Wirtschaft vor billiger Konkurrenz (zur Definition Konkurrenz) aus dem Ausland schützen. In Deutschland wurden die innerstaatlichen Grenzzölle jedoch bald zu einem Wirtschaftshemmnis, welches 1834 durch den Deutschen Zollverein eingedämmt wurde. Fortan gab es gemeinsame Außenzölle und Zölle wurden danach als Instrument einer planmäßigen Handelspolitik (zur Handelspolitik Definition) eingesetzt.

Vereinheitlichung der weltweiten Zollbestimmungen

Als der Welthandel im 20. Jahrhundert zunahm, wurde 1947 schließlich ein Allgemeines Zoll– und Handelsabkommen (GATT) beschlossen, um einheitliche Zollregelungen für den grenzüberschreitenden Warenverkehr zu schaffen. Das GATT wurde 1995 durch die World Trade Organization WTO abgelöst. Ebenfalls wichtig ist die World Customs Organization WCO, welche sich bemüht das Zollrecht weltweit anzugleichen, Formalitäten und Zollpraxis zu vereinheitlichen und Schmuggel zu unterbinden. Innerhalb der Europäischen Union, im Europäischen Binnenmarkt, gibt es seit 1993 keine Zollkontrollen mehr.

Arten von Zöllen – Import, Export und Transitzölle

Heute unterscheidet man bei Zöllen vor allem drei Arten: Einfuhrzölle, Durchfuhrzölle und Ausfuhrzölle. Oft ist mit „Zoll“ eigentlich nur der Einfuhrzoll gemeint, denn er wird am häufigsten erhoben. Dies liegt daran, dass Staaten damit Devisen gewinnen und heimische Unternehmen vor Konkurrenz aus dem Ausland schützen können. Einfuhrzölle werden durch die Zollbehörden des jeweiligen Staates an Zollstellen erhoben. Diese befinden sich an Flughäfen, Häfen, Grenzübergängen und andere zentralen Handels- und Verkehrsknotenpunkten.

Durchfuhrzölle sind nach GATT prinzipiell nicht erlaubt, Warenverkehr auf der Durchreise wird aber speziell mit einem TIR-Zeichen gekennzeichnet.

Ausfuhrzölle sind in modernen Industrieländern selten, da sie den Export verteuern. Entwicklungsländer erheben dagegen öfter Ausfuhrzölle, um den Export von im Inland dringend benötigten Waren zu verhindern. Häufig sind dies Lebensmittel, die zur Ernährung der Bevölkerung auf dem heimischen Markt verkauft werden sollen. Zudem gewinnt der Staat durch Ausfuhrzölle auch Einnahmen.

Die Festlegung der Zollhöhe

Die Höhe des Zolls kann auf zwei verschiedenen Arten bestimmt werden. Man spricht hier entweder vom Gewichtszoll oder vom Wertzoll. Der Gewichtszoll wird auch spezifischer Zoll genannt und richtet sich nach der Menge von Waren, nach der Anzahl oder einer bestimmten Beschaffenheit. So kann z. B. ein Zoll von 50 Cent auf eine Packung Druckerpapier erhoben werden, 1 Euro auf gebleichtes Druckerpapier und 75 Cent auf ungebleichtes Druckerpapier. Neben der Stückzahl kann auch die Menge in Litern oder die Länge oder das Gewicht eines Produktes Ausschlag geben. Diese Form der Zollerhebung ist aber veraltet und wird heute nur noch von der Schweiz konsequent verwendet. Die Europäische Union verwendet den spezifischen Zoll heute vor allem bei landwirtschaftlichen Produkten.

Wesentlich häufiger anzutreffen ist der Wertzoll. Er ist in der EU die Standardmethode die Zollhöhe festzulegen. Der Wertzoll bezieht sich auf den sogenannten Zollwert einer Ware. Dieser wird mit Hilfe des Zollsatzes berechnet und befindet sich in ständigem Wechsel. Denn der Wert einer importierten Ware wird damit stetig an den Wert der Ware innerhalb der Zollunion angeglichen. Als Wertzoll wird dann zumeist eine bestimmter Prozentsatz des Warenwertes erhoben, sofern dieser eine bestimmte Höhe erreicht. Übersteigt der Gesamtwert einer Sendung z. B. die 150 Euro nicht, wird innerhalb der EU kein Zoll erhoben. Allerdings fällt eine Einfuhrumsatzsteuer ab einem Wert von 22 Euro an.

Florian Weis

Teilen:
Weitere Artikel
Interview mit Nenad Tomic: Wie N.D Service Wohnanlagen und Gewerbeobjekte in Neufahrn bei Freising pflegt
Expertentalk
Interview mit Nenad Tomic: Wie N.D Service Wohnanlagen und Gewerbeobjekte in Neufahrn bei Freising pflegt

Wohnanlagen und Gewerbeobjekte sind anspruchsvolle Immobilien: Treppenhäuser sollen sauber bleiben, Grünflächen gepflegt aussehen und technische Anlagen zuverlässig laufen. Für Hausverwaltungen und Eigentümer heißt das im Alltag oft, mehrere Dienstleister gleichzeitig zu koordinieren. Wie sich diese Aufgaben sinnvoll bündeln lassen und worauf es bei der Auswahl eines Dienstleisters ankommt, erklärt Nenad Tomic, Inhaber von N.D Service aus Neufahrn bei Freising, im Gespräch. Seine Kernthese: Wer Reinigung, Grünpflege und die Betreuung der Haustechnik aus einer Hand vergibt, reduziert den Abstimmungsaufwand und weiß im Zweifel immer, wer für das Gesamtbild der Immobilie verantwortlich ist. Im Gespräch mit Nenad Tomic von N.D Service N.D Service ist ein Hausmeister- und Reinigungsdienstleister mit Sitz in der Thomastraße 19 in Neufahrn bei Freising, unweit der Kreisstadt Freising und des Flughafens München. Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben Wohnanlagen und gewerbliche Objekte in der Region und bündelt dabei Leistungen, die sonst häufig auf mehrere Firmen verteilt sind: von der Gebäudereinigung über die Treppenhaus- und Fensterreinigung bis hin zur Pflege von Grün- und Außenanlagen und der Betreuung haustechnischer Anlagen. Immobilieneigentümer und Hausverwaltungen, die einen Hausmeisterservice in Freising und Umgebung suchen, finden in dem Betrieb einen Ansprechpartner für die laufende Pflege ihrer Objekte. Im Interview beschreibt Inhaber Nenad Tomic, wie die einzelnen Leistungsbausteine zusammenhängen und was Auftraggeber bei der Vergabe beachten sollten.

5 Min. LesezeitLesen
Interview: Wie eine Wärmepumpen-Modernisierung in Bad Salzuflen in der Praxis abläuft
Expertentalk
Interview: Wie eine Wärmepumpen-Modernisierung in Bad Salzuflen in der Praxis abläuft

Wer heute über eine neue Heizung nachdenkt, kommt an der Wärmepumpe kaum vorbei. Steigende Energiekosten, staatliche Förderprogramme und der Wunsch nach klimafreundlichem Wohnen machen die Technik für Eigentümer von Bestandsgebäuden und Neubauten gleichermaßen interessant. Doch wie läuft der Umstieg von der alten Öl- oder Gasheizung in der Praxis tatsächlich ab und worauf sollten Hausbesitzer achten? Die kurze Antwort: in klar geordneten Schritten von der Gebäudeanalyse über Planung und Förderantrag bis zur Montage, die erfahrungsgemäß nur wenige Tage dauert. Antworten aus dem Handwerksalltag liefert Okan Bal, Inhaber eines Heizungs- und Sanitärbetriebs in Bad Salzuflen, der seit über 15 Jahren Wärmepumpen plant und installiert und bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld eingetragen ist. Im Gespräch erklärt er, wie eine Modernisierung Schritt für Schritt gelingt, welche Förderung möglich ist und warum Sanitär und Heizung oft zusammengehören. Wer steht hinter Bal Heizung & Sanitär? business-on.de: Herr Bal, stellen Sie sich und Ihren Betrieb kurz vor. Wer steht hinter Bal Heizung & Sanitär, und welche Leistungen bieten Sie an?

6 Min. LesezeitLesen
SPEKTRUM Malerwerkstätten: Ein sächsischer Malerbetrieb zwischen Handwerk und Fachkräftesuche
Arbeitsleben
SPEKTRUM Malerwerkstätten: Ein sächsischer Malerbetrieb zwischen Handwerk und Fachkräftesuche

Das Malerhandwerk hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. War früher vor allem der klassische Anstrich gefragt, reicht das Spektrum heute von der energetischen Fassadensanierung über die Restaurierung historischer Gebäude bis hin zur Werbetechnik. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Eigentümer erwarten langlebige Ergebnisse und öffentliche Auftraggeber strukturierte Abläufe; bei vielen Sanierungen spielen zudem energetische Fragen eine zentrale Rolle. Parallel dazu sucht die Branche händeringend qualifizierte Fachkräfte. Wie sich diese doppelte Herausforderung meistern lässt, zeigt ein Beispiel aus Sachsen: Die SPEKTRUM Malerwerkstätten GmbH, ein Malerbetrieb aus Chemnitz mit Niederlassung in Dresden, verbindet ein breites Leistungsangebot mit konsequenter Nachwuchsarbeit und steht damit beispielhaft für ein Handwerk im Wandel. Ein Malerbetrieb mit breitem Leistungsspektrum Der Betrieb ist für Kunden in Dresden und Umgebung tätig und beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 60 qualifizierte Mitarbeitende. Betreut werden Privatkunden ebenso wie Unternehmen und öffentliche Auftraggeber. Sechs Leistungsfelder bilden das Angebot: Maler- und Tapezierarbeiten, Fassadenarbeiten, Bodenbeläge, Fallschutzbeschichtungen, Objektrestaurierung und Werbebeschriftung. Damit deckt das Unternehmen ein Spektrum ab, das deutlich über das Angebot eines klassischen Malerbetriebs hinausgeht. Wer für ein Bauvorhaben einen Maler mit Erfahrung in Dresden sucht, findet hier einen Ansprechpartner für all diese Gewerke von der einzelnen Renovierung bis zur umfassenden Sanierung.

6 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite