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Ethik

Definition Ethik - System zum Denken und Handeln

Hinter dem Begriff der Ethik versteckt sich ein System zum Denken und Handeln. Dabei wird in der Ethik genau definiert, was zum Guten und zum Bösen zählt und welche Handlungsweisen im Alltag besser nicht angewandt werden sollen. Im Grunde ist die Ethik auch ein Baustein der Philosophie und vermittelt menschliche Normen und Werte für die allgemeine Moral. Es gibt unterschiedliche ethische Systeme, die den Teilgebieten der Ethik unterschiedliche Wichtungen geben.

Inhaltsverzeichnis zum Thema Ethik :

  1. Herkunft und Unterscheidungen
  2. Die Rolle der Moral
  3. Wirtschaftsethik
  4. Verschiedene Ebenen des wirtschaftsethischen Paradigmas
  5. Zentrale Fragestellungen der Wirtschaftsethik
  6. Themenwelten der Wirtschaftsethik
  7. Wirtschaftsethische Problemstellung und Lösungsansätze
  8. Entwicklung der Lösungsansätze
  9. Die Verbindung von Moral und Wettbewerb
  10. Konsequenzen der Wirtschaftsethik für den Wettbewerb
  11. Teilbereiche der Ethik
  12. Weitere Bereiche angewandter Ethik:
  13. Die Durchsetzungsproblematik
  14. Was ist Ethik?
  15. Was ist der Unterschied zwischen Ethik und Moral?
  16. Welchen Stellenwert hat Ethik in der Wirtschaft?
  17. Womit beschäftigt sich die Ethik?
  18. Was ist das Ziel der Ethik?
  19. Womit beschäftigt sich die Wirtschaftsethik?
  20. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ethik und Philosophie?

Herkunft und Unterscheidungen

Das Wort Ethik stammt vom griechischen Wort "ethos" ab und bedeutet so viel wie Sitte oder Brauch. Erstmals eingeführt wurde dieses System unter Aristoteles, der damit die philosophische Disziplin des Menschen bezeichnen wollte. Auch bei Sokrates und anderen großen Philosophen spielten Ethik und Logik eine wichtige Rolle und legten somit den Grundstein für heutiges Denken und Handeln. Ziel war es immer, allgemeingültige Werte und Normen für das Zusammenleben von Menschen zu schaffen. Insgesamt lassen sich vier verschiedene ethische Systeme ableiten:

  • Utilitarismus – alles Nützliche ist gut
  • Hedonismus – alles ist gut, was Genuss bereitet
  • Eudämonismus – alles was glücklich macht, ist gut
  • Prinzipienethik – Gut ist hierbei genau definiert

Die Rolle der Moral

Ein wichtiger Gegenstand der Ethik ist die Moral. Dabei spiegeln moralische Normen das wieder, was in einem sozialen Kontext als gut oder böse bezeichnet wird. Hierbei ist das soziale Umfeld in Bezug auf Familie, Gemeinde oder Staat zu nennen. Dabei gibt es fünf Perspektiven der Ethik auf diese Moral.

  1. Inhalt: Beim Inhalt der Moral geht es darum, welche Regeln hierbei beachtet werden müssen und welche nicht.
  2. Begründung: Alle enthaltenen Regeln müssen in Bezug auf die Allgemeinverbindlichkeit begründet werden und mit guten Thesen gestützt werden.
  3. Legitimation: Die Legitimation der moralischen Regeln erfolgt meist automatisch durch die Zustimmung der Betroffenen.
  4. Motivation: Nach Begründung und Legitimation besitzt jeder Betroffene eine eigene Motivation und seine Gründe, warum er dieses Handeln einschlägt.
  5. Entstehung und Entwicklung: In der wissenschaftlichen und ethischen Moralforschung spielen auch Entstehung und Entwicklung der Moralwerte eine wichtige Rolle. Dabei gibt es verschiedene Ansichten, nach denen die Moral beispielsweise in der gesellschaftlichen und kulturellen Evolution entstanden ist. Andere Ansätze beschäftigen sich damit, dass die Moral aus individuellen Kalkülen stammt.

Wirtschaftsethik

Unter dem Terminus Wirtschaftsethik subsumiert man Formen wirtschaftlichen Handels, die auf den Prinzipien der Solidarität, Humanität und Verantwortung aufbauen. Die Notwendigkeit eines stringenten Wirtschaftsethos ergibt sich aus den Konsequenzen ökonomischen Handelns auf Gesellschaft, Individuen und Natur. Hoher Gewinn soll nicht zulasten der sozialen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit erzielt werden.

Verschiedene Ebenen des wirtschaftsethischen Paradigmas

Ziel der Wirtschaftsethik ist nicht die Erarbeitung von Handlungsmaximen. Es soll vielmehr darum gehen, bestehende Prozesse zu reflektieren, kritisch zu hinterfragen und auf dieser Grundlage Orientierungshilfen zu entwickeln. Dies branchen- und länderübergreifend zu gewährleisten, folgt die Wirtschaftsethik einem interdisziplinären Ansatz, der sich aus Philosophie, Ökonomie, Sozialwissenschaften und anderen Bereichen speist.

Darüber hinaus gliedern sich Fragestellungen der Wirtschaftsethik in einen praktischen und einen theoretischen Teil. Während Ersterer die Beurteilung tatsächlichen praktischen Verhaltens betrachtet, geht es bei Letzterem um die ethische Evaluation ökonomischer Theorien.

Zentrale Fragestellungen der Wirtschaftsethik

Grundlage einer jeden wirtschaftlichen Tätigkeit ist die Rationalität. Ziele sollen mit möglichst geringem Kosten- und Zeitaufwand erreicht werden. Dieser reine Zweckrationalismus klammert menschliche Wertebenen wie Gemeinschaft, individuelle Entfaltung, Wertschätzung, Frieden und Religion zunächst aus. Ein Zielkonflikt zwischen Individuum und Ökonomie entsteht. Diesen zu erörtern, ist zentrales Anliegen der Wirtschaftsethik. Es geht um die Klärung der Frage, wie Rationalität und individuelle Werteentwicklung harmonisch in Einklang gebracht werden können.

Themenwelten der Wirtschaftsethik

Das inhaltliche Spektrum der Wirtschaftsethik umfasst Themen wie Armut, Menschenrechtsverletzungen, Hunger, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Migration und Umweltzerstörung. Einen für viele Gewerbetreibende relevanten Niederschlag finden diese Themen im Bereich der Unternehmensethik. Hier geht es darum, welche moralischen Einstellungen Unternehmen gegenüber ihren Stakeholdern vertreten sollten. Beispiele für kritisch betrachtete Verhaltensweisen finden sich im Tagesgeschäft von Investmentgesellschaften. Zur kurzfristigen Ankurbelung von Gewinn erwerben sie Firmen, um sie dann zu überdurchschnittlich hohen Preisen weiterzuverkaufen. Ähnliches gilt für Kapitalanlagegesellschaften, deren Werte keinen kohärenten Bezug zur Realwirtschaft mehr haben.

Wirtschaftsethische Problemstellung und Lösungsansätze

Das grundlegende Problem des wirtschaftsethischen Paradigmas besteht darin, dass der Wunsch des Angestellten nach freier, komfortabler Entfaltung dem Effizienz - und Gewinnstreben der Wirtschaft tendenziell zuwider läuft. Was dem Angestellten Freiräume und Komfort gewährt, ist auf Unternehmerseite mit Mehrkosten und Gewinneinbußen verbunden. Ein stringenter Lösungsansatz muss die Bedürfnisse beider Parteien in Form eines Kompromisses harmonisieren.

Entwicklung der Lösungsansätze

Zu Beginn sahen viele Autoren den Ausgangspunkt einer Lösung im Wollen der beteiligten Individuen. Um die Bedürfnisse von Unternehmen und Angestellten in Einklang zu bringen, müsse man zunächst einmal bestimmen, worin Missverhältnisse begründet liegen. Die Literatur nennt hier in erster Linie den Egoismus und die Profitgier der Unternehmen. Diese zu überwinden, sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Etablierung eines ethisch vertretbaren Wirtschaftskonzepts.

Mit der Entwicklung der modernen Ökonomie hat man sich von einer solch binären Betrachtungsweise entfernt. Philosoph Joseph Smith löste die Handlungsmotive von den wirtschaftlichen Resultaten ab. So sei es nicht das Wohlwollen, aus dem heraus der Unternehmer seine Waren anbietet, sondern sein eigenes wirtschaftliches Interesse. Folglich ergibt sich der materielle Wohlstand der Einzelnen auch nicht aus dem moralischen Wohlwollen des Unternehmers.

Die Verbindung von Moral und Wettbewerb

Es schließt sich die Frage nach der gleichzeitigen Realisierbarkeit von Moral und Wettbewerb an. Hier spricht die Literatur von einer Realisierung auf zwei Ebenen. So gibt es einerseits eine Rahmenordnung und andererseits Handlungen, die vor dem Hintergrund dieser Ordnung vollzogen werden. Man könnte auch von Spielregeln und konkreten Spielzügen sprechen. Auf Ebene der Spielregeln bestünde dann der Wettbewerb, auf Ebene der Spielzüge die Moral des Einzelnen. Die moralischen Grundsätze sind dabei restriktiver Natur.

Gestaltet wird der Wettbewerb durch die Ordnungspolitik. Das bedeutet, dass es sich bei der Wirtschaftsethik um ein Ordnungs- bzw. Institutionsparadigma handelt.

Konsequenzen der Wirtschaftsethik für den Wettbewerb

Ein geregelter Wettbewerb ist nur dann möglich, wenn ein politischer Konsens über seine Rahmenordnung besteht (Wettbewerbshüter, Justiz). Darüber hinaus ist Wettbewerb immer sozial . Die Bedürfnisse der Konsumenten zwingen den Anbieter dazu, sich bei der Warenerzeugung an ihnen zu orientieren und auf möglichst effiziente Weise zu produzieren. Die Einbindung der Moral in diesen Zusammenhang dient der Gewährleistung der Wettbewerbsneutralität.

Untragbare Zustände für die Angestellten sind in diesem Zusammenhang kein individueller Missstand. Es handelt sich vielmehr um ein strukturelles Problem, das durch Reformen der Gesamtordnung behoben werden muss.

Teilbereiche der Ethik

Neben der Wirtschaftsethik gibt es noch zahlreiche weitere Bereiche angewandter Ethik. Zu den wichtigsten gehören dabei die folgenden Themenfelder:

Themenfelder der Ethik
Politische Ethik • Analyse und Reflexion der moralischen Aspekte von Politik
• Ethik orientiert sich nicht an Absolutem, sondern an der tatsächlichen politischen Lebenswirklichkeit
Militärethik
• moralische Fragen zur militärischen Gewaltanwendung
Wissenschaftsethik • Welche Forschung ist wissenschaftlich erlaubt?
• Welche Wissensbereiche sollten unerforscht bleiben?
• Unterscheidung in fachbezogene Ethik und ethisches wissenschaftliches Verhalten im Allgemeinen
Medizinische Ethik• Wohlergehen des Menschen
• Abwenden von Schaden
• Grundrecht zur Selbstbestimmung
• Gleichheit aller Behandelten
Sozialethik • gesellschaftliche Voraussetzungen für ein ethisch angemessenes Leben
• immer auf sittliche Praxis bezogen
Umweltethik • verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur
• nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen
• respektvoller Umgang mit Tieren
Geoethik• ökologische und globale Folgen menschlichen Handelns
• respektvoller Umgang mit dem Planeten

Weitere Bereiche angewandter Ethik:

  • Rechtsethik
  • Unternehmensethik
  • Verwaltungsethik
  • Bioethik
  • Medienethik
  • Agrarethik

Die Durchsetzungsproblematik

Ein Verständnis für ethische Grundsätze und Handlungsweisen führt nicht automatisch dazu, dass man tatsächlich ethisch handelt. Dieses Problem tritt vor allem dann auf, wenn es um die Integration von Handlungsmaximen in die tatsächliche Lebenswirklichkeit geht. So mag es zunächst einmal jedem naheliegend erscheinen, dass Menschen in der dritten Welt Hunger leiden und unterstützt werden müssen. Tatsächlich erklären sich aber nur die wenigsten dazu bereit, einen nennenswerten Teil ihres Einkommens für die notleidende Bevölkerung zu spenden.

Aus diesem Grund bedarf es einer zusätzlichen Motivation oder eines Zwangs. Erst dadurch wird der Handlungsimpuls freigesetzt, der für die Umsetzung ethischer Prinzipien notwendig ist. Dies wäre z. B. der Fall, wenn der Hungernotstand nicht nur in einem entfernten Land, sondern auch in der eigenen Heimat besteht.

Fragen und Antworten zu Ehtik

Was ist Ethik?

Ethik ist ein Handlungsgrundsatz und eine philosophische Strömung, die sich mit dem richtigen und guten Handeln beschäftigt. Im wirtschaftlichen Kontext steht Ethik für ein System, das über aller Gewinnorientierung und Effizienzsteigerung nicht das Wohlbefinden des einzelnen Arbeiters vernachlässigt. Mithin handelt es sich um einen Ansatz, der Effizienz und persönliche Entfaltung miteinander verbindet.

Was ist der Unterschied zwischen Ethik und Moral?

Die Moral ist die Gesamtheit aller Verhaltensregeln, die von einer Gruppe verinnerlicht wurden. Sie ist ein Maßstab dafür, welche Handlungen in einem bestimmten gesellschaftlichen Kontext angemessen sind und welche nicht. Die Ethik kann in diesem Zusammenhang als die Theorie der Moral betrachtet werden. Sie liefert einen wissenschaftlichen Zugang und eine Reflexionsmöglichkeit zum Konzept Moral. Als Wissenschaft ist die Ethik Teilbereich der Philosophie.

Welchen Stellenwert hat Ethik in der Wirtschaft?

Wirtschaft und Industrie unterliegen einem Zwang zur Effizienzsteigerung. Auf Dauer kann ein Unternehmen nur überleben, wenn es preisgünstig produziert und mit möglichst viel Gewinn verkauft. Dem einzelnen Arbeiter läuft dieses Interesse tendenziell zuwider. Das ist z. B. dann der Fall, wenn das Unternehmen ihn schlecht bezahlt oder zu lang und zu hart arbeiten lässt. Wirtschaftsethische Fragestellungen beschäftigen sich mit Möglichkeiten, Kompromisse zwischen dem Gewinnstreben des Unternehmers und dem individuellen Wohlbefinden des Arbeitnehmers zu finden.

Womit beschäftigt sich die Ethik?

Die philosophische Disziplin Ethik beschäftigt sich mit der Begründung menschlichen Handelns und deren Bewertung. Im Kern geht es dabei um die Frage, wann eine Handlung für Mitmenschen und Umwelt gut oder schlecht ist.

Was ist das Ziel der Ethik?

Die Ethik ist eine praktische Wissenschaft. Selbst ihr deskriptiv ausgerichteter Zweig folgt letztlich dem Zweck, ein sittliches Miteinander der Menschen zu ermöglichen. Ihre verschiedenen Strömungen sind in diesem Zusammenhang vor allem als Handlungsleitlinien zu verstehen.

Womit beschäftigt sich die Wirtschaftsethik?

In der Wirtschaftsethik geht es darum, wirtschaftliches Handeln mit den Grundsätzen der Solidarität, der Verantwortung und der Humanität in Einklang zu bringen. Ihr Ziel besteht mithin in der Schaffung eines Kompromisses zwischen den wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmers und den individuellen Bedürfnissen des Arbeiters.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ethik und Philosophie?

Die Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie. Sie beschäftigt sich mit dem guten und richtigen Handeln. Ihrer Ausprägung nach kann sie normativ oder deskriptiv sein. Die Philosophie selbst ist der strukturelle Überbau, dessen Ziel darin besteht, die gesamte menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen.

(Florian Weis)


 


 

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