Die Liste der reichsten Deutschen sorgt regelmäßig für Aufmerksamkeit. Sie zeigt nicht nur gewaltige Zahlen in Milliardenhöhe, sondern auch, welche Unternehmen, Branchen und Regionen besonders erfolgreich sind. Aktuelle Auswertungen auf Basis der Forbes-Echtzeitdaten, wie sie etwa von großen Wirtschaftsmagazinen zusammengestellt werden, sehen 2026 den Schraubenunternehmer Reinhold Würth und die Würth-Gruppe vor Handelsgrößen wie Dieter Schwarz oder Logistikpionier Klaus-Michael Kühne.
Wer genauer hinschaut, erkennt: Hinter den Vermögensranglisten stehen sehr unterschiedliche Geschichten – vom Selfmade-Unternehmer über klassische Erbenfamilien bis zu Tech-Pionieren. Gleichzeitig verschiebt sich das Feld von Jahr zu Jahr: Börsenkurse, Beteiligungen, Nachfolgeregelungen und große Erbschaften verändern das Bild der Superreichen.
Wie entstehen Rankings zu den reichsten Deutschen?
Rankings wie „reichste Deutsche“ beruhen nicht auf offiziellen Steuerdaten, sondern auf Schätzungen. Wirtschaftsmagazine und Datenanbieter werten dafür vor allem Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen, veröffentlichte Unternehmenskennzahlen, Immobilienportfolios und bekannte Beteiligungen aus und ziehen Schulden ab, um das Nettovermögen zu ermitteln.
Zwei Quellen stechen besonders hervor:
- Forbes führt eine Echtzeit-Rangliste der Milliardäre weltweit und weist die Vermögen in Milliarden US-Dollar aus.
- Das Manager Magazin veröffentlicht jährlich die „Liste der reichsten Deutschen“ mit 500 Namen, bewertet in Milliarden Euro.
- Weitere Wirtschaftsmagazine und Spezialportale stellen eigene Auswertungen zusammen, etwa fokussiert auf bestimmte Regionen oder Branchen.
Die Listen sind damit immer nur ein Näherungswert. Gerade bei Familienvermögen und nicht börsennotierten Firmen basieren die Zahlen auf Schätzungen zu Umsatz, Ertragskraft und üblichen Bewertungsmultiplikatoren. Trotzdem ergeben sie ein recht stabiles Bild davon, welche Personen und Familien einen großen Teil der deutschen Vermögenswerte kontrollieren.
Wer führt 2026 die Rangliste an?
Im aktuellen Ranking auf Basis der Forbes-Echtzeitdaten, das von großen Wirtschaftsmedien ausgewertet wurde, führt 2026 der Unternehmer Reinhold Würth gemeinsam mit seiner Familie die Liste der reichsten Deutschen an. Sein Vermögen wird auf knapp 42 Milliarden US-Dollar geschätzt, im weltweiten Vergleich reicht das für einen Platz unter den ersten fünfzig Milliardären.
Würth steht stellvertretend für viele klassische Mittelstandsunternehmer in Baden-Württemberg: Er stieg als Jugendlicher in den väterlichen Schraubengroßhandel ein, übernahm das Unternehmen mit 19 Jahren und baute die Würth-Gruppe zu einem globalen Konzern mit mehreren zehntausend Beschäftigten aus. Umsatz und Unternehmenswert sind über Jahrzehnte stetig gewachsen – das private Vermögen folgte dieser Entwicklung.
Dahinter folgen im aktuellen Forbes-Ranking 2026:
- Dieter Schwarz, Eigentümer der Schwarz Gruppe mit den Handelsketten Lidl und Kaufland, mit gut 39 Milliarden US-Dollar Vermögen.
- Klaus-Michael Kühne, Mehrheitsaktionär von Kühne+Nagel und Großinvestor im Logistik- und Transportsektor, mit knapp 39 Milliarden US-Dollar.
Diese drei bilden die Spitzengruppe der reichsten Deutschen 2026. Interessant ist der Blick zurück: In der großen „Liste der reichsten Deutschen“ des Manager Magazins führte 2025 noch Dieter Schwarz die Rangliste an – dort in Milliarden Euro bewertet. Diese Differenz zeigt, wie sehr Methodik, Stichtag und Währungsbasis das Ranking beeinflussen.
Welche Unternehmerfamilien prägen die Liste der reichsten Deutschen?
Ein wichtiger Teil der Vermögen in Deutschland liegt nicht bei Einzelpersonen, sondern bei Unternehmerfamilien. Besonders sichtbar sind die Dynastien hinter den großen Handels- und Konsumgüterkonzernen.
An prominenter Stelle stehen die Familien Albrecht und Heister, die bis heute maßgeblich von den Erträgen des Aldi-Süd-Imperiums leben. Das Discount-Geschäft, einst von Karl und Theo Albrecht aufgebaut, bringt den Erben bis heute ein Vermögen in zweistelliger Milliardenhöhe ein. Zu dieser Familie gehören unter anderem Karl Albrecht junior, Beate Heister und weitere Geschwister wie Babette Albrecht.
Auch andere Familienclans prägen die Liste der reichsten Deutschen 2025 und 2026:
| Familie / Name | Unternehmen / Branche | Vermögen (Größenordnung) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Familien Karl Albrecht junior & Beate Heister | Aldi Süd, Einzelhandel | hohe zweistellige Mrd. Euro | klassisches Discount-Modell |
| Familie Merck / Merckle | Merck, Phoenix Pharma SE, Industrie | hohe zweistellige Mrd. Euro | Kombination aus Pharma und Industrie |
| Familie Reimann | JAB Holding, Konsumgüter | hohe zweistellige Mrd. Euro | Beteiligungen an internationalen Marken |
| Familie Henkel | Henkel, Konsumgüter | knapp unter 20 Mrd. Euro | Traditionskonzern mit Weltmarken |
Die Vermögen dieser Familien sind häufig über Stiftungen, Holdingstrukturen und Beteiligungsgesellschaften organisiert. Anteile werden über Generationen hinweg vererbt, auf mehrere Kinder und Geschwister verteilt und bleiben trotzdem in der Hand einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Eigentümern.
Selfmade-Unternehmer und Tech-Milliardäre: Wie viel Aufstieg aus eigener Kraft steckt dahinter?
Neben den großen Erbenfamilien finden sich in der Rangliste auch zahlreiche Selfmade-Unternehmer. Sie haben den Grundstein ihres Vermögens selbst gelegt und das Unternehmen oft über Jahrzehnte aufgebaut.
Typische Beispiele sind:
- Dieter Schwarz, Gründerfigur hinter der Schwarz Gruppe mit Lidl und Kaufland. Er führte das Unternehmen vom regionalen Lebensmittelhändler zu einem Handelskonzern mit Filialen in vielen Ländern Europas.
- Klaus-Michael Kühne, der das Speditionsunternehmen Kühne+Nagel in einen weltweit tätigen Logistikkonzern verwandelte und heute zusätzlich als Großaktionär im Transport- und Reedereigeschäft auftritt.
- Andreas von Bechtolsheim, technikaffiner Unternehmer und Mitgründer von Sun Microsystems, der früh in Google investierte und mit Arista Networks eines der wichtigsten Unternehmen für Hochleistungsnetzwerke aufgebaut hat.
- Friedhelm Loh, Inhaber der Friedhelm Loh Group mit Marken wie Rittal. Vom Starkstromelektriker entwickelte er ein Industrieunternehmen mit Milliardenumsatz, dessen Erfolg ihn in die Gruppe der Milliardäre brachte.
Hinzu kommen Tech-Unternehmer wie Hasso Plattner, Mitgründer von SAP. Sein Vermögen wird von Forbes seit Jahren im zweistelligen Milliardenbereich geführt, große Teile davon stecken in SAP-Aktien. Über das Hasso-Plattner-Institut und die Hasso Plattner Stiftung engagiert er sich zudem stark in Forschung und Bildung.
Trotz dieser Beispiele zeigt eine aktuelle Auswertung der globalen Superreichen: In Deutschland ist der Anteil der echten Selfmade-Milliardäre im internationalen Vergleich niedrig. Studien sehen nur rund ein Viertel der deutschen Milliardäre als überwiegend selbst erarbeitetes Vermögen, der Rest beruht vor allem auf Erbschaften.
Typische Merkmale dieser Selfmade-Unternehmer sind:
- Start im eigenen oder elterlichen Betrieb, in einem technischen Beruf oder mit einer Gründung im Technologiebereich
- starke Fokussierung auf eine Branche wie Einzelhandel, Logistik, Automobilzulieferung oder IT
- Vermögensaufbau vor allem über steigende Unternehmenswerte, Umsätze und Beteiligungen, weniger über kurzfristige Börsenspekulation
Branchen und Regionen: Wo das Vermögen der Superreichen konzentriert ist
Die reichsten Deutschen verteilen sich nicht zufällig über alle Branchen. Einige Sektoren dominieren die Ranglisten:
- Einzelhandel: Discounter wie Aldi und Lidl, aber auch andere Handelskonzerne, bilden die Basis für einen großen Teil der Milliardenvermögen. Die Schwarz Gruppe steht dabei exemplarisch für ein vertikal integriertes Handelsmodell mit enormem Umsatz.
- Automobil und Industrie: Großaktionäre von BMW wie Susanne Klatten und Stefan Quandt sowie Unternehmer wie Ludwig Merckle, der Beteiligungen unter anderem im Baustoff- und Pharmabereich bündelt, stehen für Vermögen aus dem industriellen Kern der deutschen Wirtschaft.
- Logistik: Klaus-Michael Kühne und Beteiligungen an Kühne+Nagel zeigen, welches Potenzial im globalen Warenverkehr steckt.
- Pharma und Healthcare: Familienvermögen rund um Merck und Unternehmen wie Phoenix Pharma SE stehen für hohe Margen und stabile Nachfrage im Gesundheitsmarkt.
- IT und Software: SAP, Arista Networks und andere Tech-Werte haben Unternehmer wie Hasso Plattner und Andreas von Bechtolsheim in die Spitzengruppe gehoben.
Regional sind viele dieser Vermögen im Süden Deutschlands konzentriert. Baden-Württemberg ist Heimat von Reinhold Würth, großen Teilen der Automobilwirtschaft und bedeutenden Maschinenbauern. In Hessen sitzt die Friedhelm Loh Group, Bayern und Nordrhein-Westfalen beherbergen weitere große Familienunternehmen, und in Rheinland-Pfalz haben Pharmakonzerne und Chemieunternehmen ihre Wurzeln.
Entwicklung seit dem Vorjahr: Mehr Milliardäre, neue Platzierungen
Die Entwicklung über die Jahre zeigt, wie dynamisch sich Vermögen verändern. Das Manager Magazin zählte 2025 in seiner „Liste der reichsten Deutschen“ 256 Milliardäre in Deutschland – so viele wie nie zuvor. 2013 lag die Zahl der Milliardäre noch bei 135, 2015 bei 159.
Mehrere Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei:
- Börse: Steigende Aktienkurse treiben die Vermögenswerte von Großaktionären nach oben. Ein gutes Beispiel ist der Technologiesektor, in dem auch internationale Namen wie Jeff Bezos oder Larry Page seit Jahren enorme Zuwächse verzeichnen – ein Trend, von dem auch deutsche Tech-Investoren profitieren.
- Bewertungen nicht börsennotierter Unternehmen: Höhere Multiplikatoren bei Übernahmen oder Finanzierungsrunden erhöhen den rechnerischen Wert von Familienunternehmen, auch wenn diese nicht an der Börse notiert sind.
- Erbschaften und Nachfolgen: Vermögensübertragungen innerhalb der Familien führen dazu, dass weitere Kinder oder Geschwister offiziell in den Rang der Milliardäre aufsteigen – ohne dass sich an den zugrunde liegenden Unternehmensanteilen viel ändert.
Zwischen 2025 und 2026 haben sich dadurch mehrere Platzierungen verschoben: Reinhold Würth und seine Familie konnten sich an die Spitze schieben, während Dieter Schwarz und Klaus-Michael Kühne in den aktuellen Forbes-Auswertungen die Plätze dahinter belegen. Gleichzeitig rücken Tech-Unternehmer und Beteiligungsgesellschaften stärker in den Fokus, wenn es um Vermögenszuwächse geht.
Was bedeutet der Reichtum der Milliardäre für Wirtschaft und Gesellschaft?
Die Konzentration sehr großer Vermögen auf einige Hundert Menschen ist umstritten. Auf der einen Seite stehen Fragen nach Steuergerechtigkeit, Erbschaftsregelungen und der politischen Einflussmöglichkeit besonders vermögender Persönlichkeiten. Auf der anderen Seite hängen an diesen Vermögen tausende Arbeitsplätze, hohe Investitionen und umfangreiche Stiftungsaktivitäten.
Viele der reichsten Deutschen engagieren sich über Stiftungen in Bildung, Forschung und Kultur – etwa über das Hasso-Plattner-Institut, Unternehmensstiftungen von Industrieunternehmern oder regionale Projekte in ihren Heimatländern. Andere investieren in neue Branchen, beteiligen sich an Start-ups oder treiben den Umbau von Automobil- und Industrieunternehmen voran.
Für die breite Bevölkerung bleibt der Zugang zu solchen Vermögensdimensionen zwar theoretisch möglich, praktisch aber selten. Umso wichtiger ist die Transparenz über Strukturen, Branchen und Mechanismen, die die Vermögenskonzentration prägen – und eine sachliche Debatte darüber, wie Rahmenbedingungen gestaltet werden sollen.
Fazit: Die reichsten Deutschen und was hinter ihrem Vermögen steckt
Hinter den reichsten Deutschen stehen Handelsriesen wie die Schwarz Gruppe, Logistikkonzerne wie Kühne+Nagel, Automobil- und Pharmakonzerne, Technologiefirmen sowie alteingesessene Familienunternehmen. Die aktuelle Rangliste für 2026 zeigt mit Reinhold Würth, Dieter Schwarz und Klaus-Michael Kühne an der Spitze, wie stark klassische Mittelstands- und Handelsmodelle das Bild prägen, ergänzt um Tech-Milliardäre und große Erbenfamilien.
Im Vergleich zum Vorjahr wächst die Zahl der Milliardäre weiter, angetrieben von Börsenbewertungen, Unternehmensverkäufen und Nachfolgeregelungen. Für Beobachter lohnt weniger der Blick auf einzelne Plätze als auf die dahinter stehenden Branchen, Unternehmensstrukturen und Beteiligungen. Sie entscheiden darüber, wie Vermögenswerte in Deutschland verteilt sind – und wie eng Wirtschaft, Gesellschaft und die Welt der Superreichen miteinander verknüpft bleiben.

























































































































