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business-on.de Redaktion
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11. Juli 2017

Wenn Selbstständige für private Zwecke Finanzierungen suchen

Laut Deutscher Bundesbank haben Kreditinstitute in Deutschland allein in den ersten drei Monaten 2017 mehr als fünf Milliarden Euro für Konsumentenkredite ausgegeben. Wie viel dieser Summe entfiel auf Selbständige? Die Statistiken der Bundesbank schweigen im Hinblick auf diese Frage. Fakt ist aber, dass Selbständige es oft schwerer haben, bei Banken entsprechende Finanzierungen zu realisieren. Warum werden Selbständige eigentlich an der kurzen Leine gehalten?

Schuld sind die besonderen Rahmenbedingungen, unter denen Selbständige ihren Alltag gestalten. Dass es schwierig sein kann, Kreditvorhaben auf die Beine zu stellen, bedeutet nicht zwangsläufig, es wäre generell unmöglich. Im Gegenteil: Selbständige haben durchaus Gestaltungsspielraum im Hinblick auf ihre Finanzierungen. Wichtig ist, sich in den unterschiedlichen Situationen richtig zu entscheiden. Und es sind nicht unbedingt nur Banken, an welche sich Betroffene wenden können. Gerade im Rahmen einer Wohnraumfinanzierung kann es sich auszahlen, nach Förderungen zu suchen – die auch für Selbständige interessant sein können.

Worin liegen die Besonderheiten für Selbständige?

In Deutschland arbeiten mehr als vier Millionen Erwerbstätige auf eigene Rechnung. Diese Zahl des Statistischen Bundesamtes zeigt, wie groß die Zielgruppe ist, wenn es um Finanzierungen für Selbständige geht. Eigentlich – so der erste Gedanke – müssten Banken sich hier die Hände reiben. Schließlich zeigen gerade Unternehmer, die seit Jahren tätig sind, dass sie Ehrgeiz und Fleiß an den Tag legen können.

Trotzdem gibt es regelmäßig Presseberichte, deren Grundtenor gleich klingt: Wer auf eigene Rechnung arbeitet, ist beim Thema Banking und Finanzierung schnell Kunde zweiter Klasse. Was führt zu dieser Entwicklung?

Es sind mehrere Hürden, die einige Banken Selbständigen die kalte Schulter zeigen lassen. Der erste Punkt betrifft das Einkommen. 4.000 Euro oder 5.000 Euro im Monat sind Gehaltsgrößen, von denen viele Angestellte träumen. Selbständige müssen hiervon nicht nur Krankversicherung und Altersvorsorge stemmen. Das Geld muss auch reichen, um ein Polster abzusparen. Schließlich sorgen:

schnell zu einer Verschlechterung der Auftragslage – was gravierende Auswirkungen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit hat.

Beispiel: Bei 5.000 Euro an Einkünften macht sich eine 20-prozentige Umsatzminderung mit 1.000 Euro weniger in der Kasse bemerkbar. Hinzu kommt als weiteres Problem, dass Selbständige hinsichtlich der sozialen Absicherung deutlich schlechter dastehen.

Angestellte werden über:

  • Lohnfortzahlung
  • Krankengeld
  • ALG-Leistungen

sowie den Kündigungsschutz deutlich bessergestellt. Das vertraglich geregelte Gehalt gibt zudem Sicherheit – auch für die Bank. Denn über eine Abtretungserklärung kann sich Bank hier für den Fall der Fälle absichern. Bei Selbständigen fehlt diese Möglichkeit. Hier führt der Weg letztlich nur über das gerichtliche Mahnverfahren – was einen gewissen Aufwand darstellt.

Kredite für Selbständige: Die Möglichkeiten

In der Praxis ist es für Selbständige mitunter schwierig, Kredite erfolgreich zu beantragen. Aber: Dies bedeutet nicht, dass es generell unmöglich ist. Es bieten sich heute verschiedene Optionen an, mit denen sich Selbständigkeit und Finanzierung unter einen Hut bringen lassen.

  • Bankkredite sind nicht per se ausgeschlossen. Selbständige sollten – wenn die Hausbank direkt Ablehnung signalisiert – bei der Konkurrenz nachschauen. Oft sind es Direktbanken, welche Selbständige als Zielgruppe explizit wahrnehmen. Hier ist es möglich, ein Darlehen zu vertretbaren Konditionen in Anspruch zu nehmen. Anzuraten ist übrigens eine gewisse Vorbereitung. Hintergrund: Je nach Finanzierungszweck kommen diverse Strategien infrage. Wer hin und wieder Spielraum braucht, ist mit einem Rahmenkredit eventuell sehr gut beraten.
  • Sogenannte P2P Kredite sind im Zuge der Verbreitung des Internets entstanden. Hierbei handelt es sich um Finanzierungen, die (fast) ohne Beteiligung einer Bank auskommen. Als Kreditgeber treten dabei Privatpersonen auf. In diese Gruppe fallen damit – im weiteren Sinne – auch Kredite aus dem Familienkreis. Die Bezeichnung P2P hat sich aber eher für Finanzierungen eingebürgert, die über spezielle Plattformen zustande kommen.
  • Pfandkredite sind heute etwas aus der Mode gekommen. Für die Hinterlegung eines Pfandgegenstands gibt es vom Pfandleiher Geld. Je höherwertig ein Pfand, umso höher kann natürlich der Pfandkredit sein. An diesem Punkt sollte sich jeder bewusst sein, welche Folgen das Nichtauslösen des Pfandgegenstands hat.
  • Die Beleihung oder der Verkauf der eigenen Lebensversicherung sind eine Alternative, die kaum ein Selbstständiger auf dem Schirm hat. Gerade das Beleihen der eigenen Police hat laut Daten des Fachportals Lebensversicherung-verkaufen.net eine Reihe von Vorzügen: keine Bonitätsprüfung, da im Grunde auf das eigene Geld in Form der angesparten Einzahlungen zurückgegriffen wird. Niedrigere Zinsen als bei der Bank sind ein weiterer Vorteil. Laut aktuellem Vergleich des o.g. Portals gibt es Darlehen auf die eigene Police bereits ab 1,97 Prozent effektiven Jahreszins. Der dritte Vorteil: der Versicherungsschutz bleibt bestehen. Alles in allem also eine Alternative, über die sich nachzudenken lohnt.

Förderungen – Wenn es um Wohnraum geht

Eine Möglichkeit ist absichtlich noch nicht aufgetaucht. Die Rede ist von Förderungen. Letztere gibt es beispielsweise in Verbindung mit Wohnimmobilien. Letztere sind auch für viele Selbständige ein Wunschtraum. Aber selbst mit 50.000 Euro oder 100.000 Euro Eigenkapital geben sich Banken teils noch nicht zufrieden.

Um den Traum nicht platzen zu lassen, können Förderungen – wie sie etwa durch die KfW vergeben werden – eine mögliche Option sein. Ob diese Produkte in Frage kommen, lässt sich am Ende nur am Einzelfall klären. Einen großen Vorteil haben die Produkte allerdings: Durch die Zuschüsse, welche es in einigen Förderprogrammen gibt, müssen Förderberechtigte am Ende weniger zurückzahlen. Damit an diesem Punkt Fehler nicht zu langen Gesichtern führen, sollte in jedem Fall eine umfassende Fachberatung stattfinden.

Fazit: Es gibt Kredite für Selbständige

„Als Selbständiger findest Du eh keinen Kredit!“ Diese Haltung ist von Betroffenen und deren Bekanntenkreis oft zu hören. Selbst wenn Selbständige einen hohen monatlichen Verdienst nachweisen können, rennen sie nicht in jeder Bank offene Türen ein. Eigentlich auf den ersten Blick ein Widerspruch. Aber: Gerade Darlehen mit großen Kreditsummen setzen ein hohes Maß an Sicherheit beim Kreditnehmer voraus. Und hier gibt es bei Selbständigen oft eine Lücke zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiv prüfbaren Fakten. Sich komplett vom Gedanken an die Finanzierung verabschieden sollten Betroffene trotzdem nicht. Es ist durchaus möglich, einen gefassten Finanzierungswunsch umzusetzen. Hierfür werden Selbständige allerdings bereit sein müssen, auch mal neue Wege zu gehen – wie die Suche nach einem P2P Kredit. Zudem kann es sich lohnen, in gewissen Situationen nach einer Förderung zu suchen, etwa wenn es ums Eigenheim geht. Wer hier beharrlich bleibt und verschiedene Angebote checkt, findet am Ende einen passenden Kredit für Selbstständige.

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