Tabuthema Tod? Bestatter Gregor Diekers über den Umgang mit Bestattung, Vorsorge und letzten Wünschen

In der Welt der Wirtschaft planen wir Quartale, Geschäftsjahre und Fünf-Jahres-Strategien. Risiken werden analysiert, Verantwortlichkeiten definiert und Ziele klar formuliert. Doch bei der Planung des eigenen Lebensendes herrscht oft Schweigen. Der Tod bleibt eines der letzten großen Tabus in unserer Gesellschaft. Die Folgen dieser Stille sind oft gravierend: überforderte Angehörige, finanzielle Unsicherheit und familiäre Konflikte. Wir von business-on.de haben mit Gregor Diekers, Bestatter aus Neuss, gesprochen. Als Inhaber von Bestattungen Sieben-Diekers erlebt er täglich, was passiert, wenn Planung fehlt – und wie ein offenes Gespräch zur größten Entlastung für alle Beteiligten werden kann.
business-on.de: Herr Diekers, herzlich willkommen. Sie haben täglich mit dem Tod zu tun. Warum ist das Sprechen darüber im Jahr 2025 immer noch so ein Tabu, obwohl es das Unausweichlichste im Leben ist?
Gregor Diekers: Vielen Dank. Ich glaube, dieses Tabu hat tiefe Wurzeln. Zum einen verdrängen wir unsere eigene Endlichkeit, weil es unangenehm ist. Gerade in einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der es immer um das nächste Ziel und weiteres Wachstum geht, passt der Gedanke an ein Ende nicht ins Konzept. Zum anderen fehlt uns oft die Sprache dafür. Wir haben verlernt, natürlich über Sterben und Tod zu sprechen, wie es in früheren Generationen vielleicht üblicher war. Man hat Angst, den Angehörigen zur Last zu fallen oder morbide zu wirken. Das Paradoxe ist: Genau dieses Schweigen wird am Ende zur größten Last.
business-on.de: Können Sie das konkretisieren? Was sind die direkten Folgen, die Sie in Ihrer Praxis erleben, wenn eben nicht gesprochen wurde?
Gregor Diekers: Die Folgen sind ein Bündel aus emotionalem, organisatorischem und finanziellem Chaos – und das in einer Zeit tiefster Trauer. Stellen Sie sich vor, Sie verlieren einen geliebten Menschen und müssen im Schockzustand innerhalb weniger Stunden weitreichende Entscheidungen treffen. Soll es eine Erd- oder eine Feuerbestattung werden? Gab es Wünsche bezüglich der Trauerfeier? Wer informiert die Verwandten? Gleichzeitig beginnt der administrative Albtraum: Behördengänge, das Suchen nach Dokumenten, das Kündigen von Verträgen. Oft kommt es dann zu Konflikten unter den Hinterbliebenen, weil jeder meint, den Willen des Verstorbenen am besten zu kennen. Und nicht zuletzt die Kosten: Eine Bestattung kostet schnell mehrere tausend Euro. Wenn dafür keine finanzielle Vorsorge getroffen wurde, stellt das viele Familien vor erhebliche Probleme. All dieser zusätzliche Stress wäre durch ein offenes Gespräch zu Lebzeiten vermeidbar gewesen.
business-on.de: Hier fällt immer wieder der Begriff „Bestattungsvorsorge“. Viele denken dabei an eine Versicherung. Was genau umfasst eine gute Vorsorge wirklich?
Gregor Diekers: Die finanzielle Absicherung, etwa durch eine Sterbegeldversicherung oder ein Treuhandkonto, ist nur eine von drei wichtigen Säulen. Sie ist wichtig, um die Angehörigen vor den Kosten zu schützen, aber sie regelt nicht die Inhalte. Die zweite, ebenso wichtige Säule ist die organisatorische Vorsorge. Hier legen Sie in einem Vorsorgevertrag mit einem Bestatter Ihres Vertrauens alle Details fest: die gewünschte Bestattungsart, den Ablauf der Trauerfeier, die Auswahl von Sarg oder Urne, die Musik, den Trauerredner. Das entlastet die Familie enorm, weil die wesentlichen Entscheidungen bereits getroffen sind. Die dritte Säule ist die persönlichste: das Festhalten der eigenen Wünsche und Werte, die über die Bestattung hinausgehen.
business-on.de: Sie sprechen die persönlichen Wünsche an. Oft denken die Leute an ein Testament. Welche Rolle spielen Dokumente wie eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht?
Gregor Diekers: Das ist ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird. Ein Testament regelt ausschließlich die Verteilung des Vermögens nach dem Tod. Es hat keinerlei Wirkung zu Lebzeiten. Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht hingegen sind die wichtigsten Instrumente der Selbstbestimmung für den Fall, dass ich selbst nicht mehr entscheiden kann – also bei schwerer Krankheit oder nach einem Unfall. Mit der Vorsorgevollmacht bestimme ich eine Vertrauensperson, die für mich handeln darf. In der Patientenverfügung lege ich fest, welche medizinischen Behandlungen ich wünsche und welche ich ablehne. Diese Dokumente zu haben, ist vielleicht die größte Liebestat, die man seinen Angehörigen erweisen kann. Man nimmt ihnen die unerträgliche Last ab, über Leben und Tod entscheiden zu müssen, ohne den wahren Willen zu kennen.
business-on.de: Viele Menschen, gerade vielbeschäftigte Unternehmer, schieben das Thema vor sich her, weil es sich so komplex anfühlt. Was ist der allererste, einfachste Schritt, um die Mauer des Schweigens zu durchbrechen?
Gregor Diekers: Der erste Schritt muss nicht perfekt sein, er muss nur getan werden. Er kann ganz klein sein: Setzen Sie sich zehn Minuten hin und schreiben Sie drei Wünsche auf. Nur für sich. Zum Beispiel: „Ich möchte eine Feuerbestattung.“ oder „Auf meiner Trauerfeier soll mein Lieblingslied gespielt werden.“ Der zweite Schritt könnte sein, diese drei Wünsche einer einzigen Vertrauensperson mitzuteilen. Oder Sie laden sich die Formulare für eine Vorsorgevollmacht von der Webseite des Justizministeriums herunter. Es geht darum, vom passiven Verdrängen ins aktive Handeln zu kommen. Ein unverbindliches Gespräch bei einem Bestatter kann ebenfalls eine erste, niederschwellige Annäherung sein, um sich einfach mal zu informieren.
business-on.de: Zum Abschluss: Wenn Sie einen Appell an unsere Leser richten könnten, von denen viele als Unternehmer Verantwortung für Familie und Mitarbeiter tragen – welche Botschaft wäre das?
Gregor Diekers: Sehen Sie Ihre persönliche Vorsorge als den letzten und wichtigsten Teil Ihres Businessplans. Sie planen Ihre Finanzen, Ihre Projekte, Ihre Nachfolge im Unternehmen. Es ist nur konsequent und Ausdruck höchster Verantwortung, auch den eigenen Abschied zu planen. Es geht nicht darum, den Tod herbeizureden, sondern darum, dem Leben bis zum Schluss Klarheit, Struktur und Selbstbestimmung zu geben. Eine gute Vorsorge ist das letzte große Geschenk, das Sie Ihrer Familie und Ihrem Unternehmen machen können – das Geschenk der Sicherheit und des Friedens in einer schweren Zeit.
business-on.de: Herr Diekers, wir danken Ihnen für dieses offene und wichtige Gespräch.
FinanzenWer eine vermietete Immobilie besitzt, kann statt der pauschalen Abschreibung über 50 Jahre auch eine kürzere Restnutzungsdauer per Gutachten nachweisen und so jährlich deutlich mehr von der Steuer absetzen. Im Gespräch erklärt das Sachverständigen-Team von Nutzungsdauer24, warum viele Eigentümer tausende Euro verschenken und worauf es bei einem belastbaren Gutachten ankommt. Worum geht es bei der Restnutzungsdauer überhaupt? business-on.de: Wenn du als Vermieter mit dem Steuerberater sprichst, taucht früher oder später der Begriff „Restnutzungsdauer" auf. Könnt ihr kurz erklären, was sich dahinter verbirgt?
BusinessRabattaktionen gehören inzwischen zum festen Instrumentarium vieler Onlineshops. Sie können neue Kunden gewinnen, Kaufentscheidungen beschleunigen und den Absatz ausgewählter Produkte erhöhen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass häufige Preisnachlässe die Marge belasten und Kunden daran gewöhnen, nur noch mit einem Gutschein zu bestellen. Erfolgreiches Gutscheinmarketing besteht deshalb nicht darin, möglichst hohe Rabatte zu verteilen. Entscheidend ist eine Strategie, bei der Zielgruppe, Zeitpunkt, Mindestbestellwert und wirtschaftliches Ziel aufeinander abgestimmt werden. Warum Kunden vor dem Kauf nach Gutscheincodes suchen
BusinessWenige Berliner Unternehmen verbinden die jüngere deutsche Geschichte so unmittelbar mit einem hochspezialisierten, international gefragten Geschäftsfeld wie die ZEG Berlin GmbH Zentrum für Epidemiologie und Gesundheitsforschung. Aus einem Forschungsinstitut der DDR-Akademie der Wissenschaften ist binnen drei Jahrzehnten ein Beratungs- und Forschungsunternehmen geworden, das Pharma- und Medizintechnikunternehmen in ganz Europa bei sicherheitsrelevanten Studien begleitet. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, findet auf der Unternehmensseite zeg-berlin.de Einblicke in Expertise, Leistungsspektrum und aktuelle Publikationen. Für Unternehmerinnen und Unternehmer aus anderen Branchen lohnt der Blick auf ZEG Berlin auch deshalb, weil das Beispiel zeigt, wie sich aus einer historischen Umbruchsituation heraus ein tragfähiges, hochspezialisiertes B2B-Geschäftsmodell entwickeln lässt. Wurzeln im geteilten Berlin: von der Akademie der Wissenschaften zur eigenständigen GmbH Die Geschichte von ZEG Berlin beginnt nicht 1990, sondern schon in den 1960er-Jahren am epidemiologischen Studienzentrum der Humboldt-Universität Berlin an der Charité. Dort arbeiteten die Epidemiologen Professor Siegfried Boethig und Professor Lothar A. J. Heinemann an bevölkerungsbezogenen Querschnittsstudien, zunächst mit Schwerpunkt Herz-Kreislauf-Gesundheit. Boethig leitete zudem zeitweise die Cardiovascular Disease Unit der Weltgesundheitsorganisation in Genf. In dieser Zeit wirkten die Berliner Epidemiologen an internationalen Projekten wie der WHO-MONICA-Studie zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dem WHO-OC-Projekt zu oralen Kontrazeptiva und dem globalen INTERSALT-Projekt zum Zusammenhang zwischen Kochsalzaufnahme und Blutdruck mit. Ergänzend liefen an dem Institut die Präventionsprogramme CANON und CINDI, die auf die Vorbeugung nicht übertragbarer Erkrankungen zielten.
