Karriere·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
15. September 2023

Karrierechancen für IT-Experten

1. Bereich Consulting

Selbst, wenn wir uns nur auf das Thema unternehmerische IT fokussieren, dann ist diese heute von einigen schwerwiegenden Faktoren geprägt:

  1. Enormes Datenaufkommen
  2. Teils sehr viele mögliche Produkte für eine Anwendung
  3. Potenzielle Lock-in-Effekte
  4. Mitunter sehr umfassende Skalierbarkeit
  5. Bedeutende Auswirkungen auf das operative Geschäft

Allein über diese Faktoren ließen sich ganze Bücher verfassen. Diese Tatsache kollidiert mit einer weiteren Realität der heutigen Zeit: Fachkräftemangel und Kostendruck.

  • Auf der einen Seite finden sehr viele Unternehmen schlicht keine IT-Profis, die sie einstellen können, weil der allgemeine Bedarf des Marktes größer ist als die Zahl der zur Verfügung stehenden und ständig nachrückenden Fachkräfte.
  • Auf der anderen Seite gestattet es das finanzielle Niveau in vielen Betrieben nicht, festangestellte Fachkräfte für jeden nur denkbaren Aspekt ihrer IT zu besitzen. Häufig läuft es darauf hinaus, alle diesbezüglichen Arbeiten durch eine Fachkraft oder ein kleines Team erledigen zu lassen – in der Praxis oftmals mehr schlecht als recht.

Angesichts dessen hat der Bereich Consulting in jüngster Zeit sehr stark an Fahrt aufgenommen. In diesem Fall arbeiten IT-Profis also für beratende, dienstleistende Unternehmen, die ihrerseits anderen Firmen schwerpunktmäßig IT-Leistungen offerieren.

Grob unterteilen lässt sich diese Arbeit in dauerhafte und einmalige Arbeiten. Hierbei ist derzeit vor allem der Beruf der Führungskräfte-beratenden Profis äußerst gefragt. Primär handelt es sich dabei um eine IT-spezifische Variante des Management Consultings. Innerhalb davon fokussieren sich Fachkräfte auf unterschiedliche Schwerpunkte – etwa Begleitung bei digitaler Transformation, Entwicklung von Digitalstrategien, aber ebenso digitalgestützte (Geschäfts-)Prozessoptimierung.

Der Bedarf hierfür ist gigantisch, denn der digitale Standard in Deutschlands unternehmerischer Breite ist noch längst nicht überall optimal – unter anderem, weil es vielen Führungskräften am nötigen Spezialwissen neben ihren eigentlichen unternehmerischen Kernkompetenzen mangelt.

Business man, presentation and graph screen in office for training, meeting or workshop. Men and women at table to listen to speaker, coach or manager talking about strategy, sales growth or pitch.

2. Bereich Data

Wo Digitalisierung genutzt wird, da gibt es automatisch ein hohes Datenaufkommen. Wo es ein hohes Datenaufkommen gibt, da können daraus vielfältige und stets sehr wertvolle Informationen extrahiert werden. Aber auch das: Wo es ein hohes Datenaufkommen gibt, da lässt sich heute vielfach nur noch durch ausgesprochene Spezialisten ein transparentes Niveau erschaffen – unter anderem, weil die Benutzung komplexer Werkzeuge alternativlos ist.

All diese Faktoren ließen dem Daten-Bereich der IT zuletzt eine sehr große Bedeutung zuteilwerden. Ähnlich, wie im Segment des Consultings handelt es sich hierbei ebenfalls um ein Thema, das verschiedenste Ausprägungen kennt. Eine kleine Liste potenzieller beruflicher Schwerpunkte:

  • Business Analytics: Analyse von digitalen und unternehmerischen Daten mit dem Zweck wirtschaftlicher Optimierung.
  • Data Analytics: Analyse von bereits aufbereiteten Daten für verschiedenste Zwecke.
  • Data Engineering: Planen und Umsetzen von Datenarchitekturen.
  • Data Management: Erstellen und Betreiben von Systemen zur Speicherung und Verarbeitung von Daten.
  • Data Science: Rohdatenerfassung und Aufbereitung für weitere Verwendungen (durch andere Daten-Experten).

In der Praxis existieren noch mehr Berufe bzw. Schwerpunkte, die sich mit dem Thema Daten befassen. Nötig ist jedoch jeder davon. Denn speziell der Bereich Big Data stellt sehr hohe Ansprüche, um vollumfänglich genutzt werden zu können. Gleichsam ist die Verwendung der Daten für wichtige unternehmerische Einsichten und dadurch beispielsweise strategiebestimmende Informationen unerlässlich – definitiv nicht nur in Firmen der digitalen Sphäre.

3. Bereich Security

Ähnlich, wie Digitalisierung und Datenaufkommen unmittelbar verknüpft sind, verhält es sich mit Digitalisierung und Kriminalität: Je tiefgreifender und breiter die Digitalisierung erfolgt, desto

  1. zahlreicher werden die potenziellen Angriffsvektoren;
  2. mehr Unternehmen werden für Cyberkriminelle interessant;
  3. vielfältiger und komplexer werden die Werkzeuge für Angriff und Verteidigung;
  4. schwieriger wird es für IT-Laien, einen stets aktuellen Überblick bzw. ein zeitgenössisches Bedrohungsbewusstsein zu behalten;
  5. aufwendiger wird es, wenigstens ein grundständiges Sicherheitsniveau aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Die Folgen hiervon lassen sich überdeutlich erkennen: 84 Prozent aller deutschen Unternehmen wurden in jüngster Vergangenheit durch Cyberkriminalität in allen Facetten geschädigt. Weitere 9 Prozent vermuten, es habe Angriffe gegeben – das macht mit 93 Prozent aller Firmen eine überwältigende Mehrheit. In Zahlen ausgedrückt sind das 203 Milliarden Euro jährlicher Schaden. Als Vergleich: 2021 erwirtschafteten alle deutschen Firmen zusammen etwa 7,7 Billionen Euro Umsatz.

Das größte Problem hieran ist der Fachkräftemangel in Verbindung mit einer recht hohen Personalintensivität von IT-Security. So vielfältig, wie Cyberkriminalität ist, lässt sich umfassende Sicherheit nur durch Teams aus mehreren Experten bewerkstelligen. Meist können sich daher nur große Konzerne umfangreiche eigene Sicherheitsabteilungen leisten. Da jedoch KMU die große Masse der deutschen Wirtschaft darstellen, gibt es eine riesige Lücke.

IT-Sicherheitsspezialisten sind deshalb ein sehr stark nachgefragter Menschenschlag. Sofern sie nicht in Sicherheitsabteilungen von Großkonzernen oder Daten-Centern angestellt sind, finden sie sich häufig bei Firmen, die IT-Sicherheit als B2B-Dienstleistung offerieren. Da Cyberkriminalität ein so facettenreiches Feld ist, existieren hier unterschiedlichste Spezialisierungen. Deren Auflistung würde den Rahmen dieses Texts überschreiten.

Deshalb nur so viel: Von Profis, die sicherheitstechnische Bedürfnisse und Standing eines Unternehmens analysieren, bis zu Penetrationstestern, die versuchen, applizierte Sicherheitsmaßnahmen gezielt zu überwinden, um deren Schwächen auszuloten, ist das berufliche Portfolio äußerst vielfältig.

Programmers engrossed in deep collaboration, diligently working together to solve complex problems and develop innovative mobile applications with seamless functionality

4. Bereich Development

Einer der zentralen Kerne der Digitalisierung besteht darin, dass es stets nötig ist, Bestehendes weiterzuentwickeln – und immer wieder neue Wege zu beschreiten.

Vom für Firmen entwickelten ERP (mit verschiedenen Bausteinen für bessere Skalierbarkeit) das eine App benötigt, damit Mitarbeiter mobil arbeiten können, bis hin zum Design ganzer Server-Architekturen reicht die Bandbreite.

Das heißt, wir haben es hier nicht nur mit einer an sich schon sehr breiten Riege von Software Development zu tun, sondern es ist ebenso nötig, auf eine ähnlich breit aufgestellte Weise Hardware zu entwickeln.

Damit sind Developer letzten Endes der Anfangs- und Endpunkt einer jeden Form von Digitalisierung bzw. deren Weiterentwicklung. Sie sind es, die vom Betriebssystem und Prozessor bis zur Shop-Software und dem Kommissionierroboter alle möglichen Bausteine entwerfen und zu nutzbaren Tools und Produkten fertigentwickeln. Unter anderem Software-Entwickler gehören aktuell zu dem am stärksten in Deutschland gesuchten (IT-)Fachkräften überhaupt. Einige Studien sehen eine wachsende Personallücke, die Ende des Jahrzehnts gut und gerne 10.000 Fachkräfte betragen könnte – wie gesagt, nur im Bereich Software Development und nur hierzulande.

5. Bereich Maschinenlernen / künstliche Intelligenz

Was IT im Gesamten anbelangt, so dürfte künstliche Intelligenz derzeit die wichtigste einzelne Zukunftstechnologie überhaupt sein. Zumindest unter den tatsächlich schon realisierten Technologien. Weniger solchen, die bislang höchstens im Labor funktionieren oder sogar nur Theorie sind.

Denn künstliche Intelligenz vermag primär (und stark vereinfacht) eines: Sie kann in vielen Bereichen den Menschen ersetzen oder ist sogar deutlich leistungsfähiger als es ein Mensch jemals sein könnte.

Eine KI kann beispielsweise ebenso gut eine Maschine steuern, wie es ein erfahrener Mitarbeiter vermag. Und insbesondere, was große Datensätze anbelangt, übertrifft sie bereits heute den Menschen bei der Analyse und Mustererkennung um Längen. Damit das allerdings nicht nur generell fachlich korrekt, sondern mit Fokus auf Sicherheit geschehen kann, sind menschliche Profis unerlässlich:

  • Programmieren von entsprechender Technik – also künstlichen Intelligenzen.
  • Planung, Entwicklung und Durchführung maschineller Lernverfahren, mit deren Hilfe eine KI trainiert wird.
  • Analyse, Korrektur und ständige Weiterentwicklung.

Derzeit (und wohl mindestens noch für einige Jahre) befinden wir uns an einem Punkt, an dem lediglich sogenannte „schwache KI“ möglich ist. Sie kann nur in einem bestimmten Rahmen Probleme lösen. Beispielsweise kann ChatGPT durchaus eine Software schreiben. Diese KI könnte jedoch – beispielsweise – kein autonomes Fahrzeug durch den Verkehr steuern, weil sie nicht dafür ausgelegt ist.

Zwar kann eine „schwache“ KI es in ihrem Einsatzbereich durch maschinelles Lernen zu einer sehr großen Intelligenz bringen. Im Gegensatz zu einer „starken KI“ kann sie jedoch keine allgemeine digitale Intelligenz entwickeln, die es ihr ermöglichen würde, unterschiedslos Probleme zu lösen – darunter andere KI zu entwickeln.

Bis zu diesem Tag sind dementsprechend menschliche Experten diejenigen, die einer jeden KI erst ihre große Leistungsfähigkeit verleihen. Angesichts der Tatsache, wonach wir uns aktuell erst am Beginn des breitgesellschaftlichen und unternehmerischen Einsatzes dieser Technik befinden, dürfte der Bedarf an diesen Spezialisten in den kommenden Jahren nochmals rasant ansteigen.

Bildquellen:
    Teilen:
    Weitere Artikel
    RFID oder Barcode: Welche Technologie ist die richtige Wahl?  
    Handel
    RFID oder Barcode: Welche Technologie ist die richtige Wahl?  

    In vielen Branchen ist die berührungslose Identifikation von Produkten und Gegenständen Pflicht oder zumindest sinnvoll. Wenn du selbst die Entscheidungsgewalt hast, wirst du irgendwann vor der Frage stehen, ob Barcodes oder RFID-Etiketten die sinnvollere Lösung für dich und dein Business sind. Beide Möglichkeiten haben einen Mehrwert, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Für welche Lösung du dich entscheidest, hängt von deinen Bedürfnissen und von der jeweiligen Industrie ab. Das sind die größten Unterschiede zwischen RFID und Barcode Um die richtige Wahl zu treffen, musst du zunächst die Unterschiede zwischen den beiden Systemen kennen. Während der klassische Barcode auf optischer Erkennung basiert, nutzt RFID (Radio Frequency Identification) elektromagnetische Wellen. Das hat massive Auswirkungen auf deinen Arbeitsalltag.

    5 Min. LesezeitLesen
    Ruhe bewahren, Akten ordnen: wie Unternehmen die Betriebsprüfung souverän meistern
    Wirtschaft
    Ruhe bewahren, Akten ordnen: wie Unternehmen die Betriebsprüfung souverän meistern

    Ein Brief vom Finanzamt mit der Ankündigung einer Betriebsprüfung sorgt in den Bürofluren vieler Unternehmen oft für Unruhe. Der Gedanke an durchleuchtete Akten und detaillierte Rückfragen löst im Arbeitsalltag schnell Stress aus. Dabei handelt es sich bei diesem Verfahren um einen normalen und routinemäßigen Vorgang im Wirtschaftsleben. Mit einer systematischen Herangehensweise lässt sich diese Situation gut bewältigen. Eine strukturierte Vorbereitung nimmt dem Besuch der Behörde die Dramatik. Sie ist der wichtigste Schlüssel, um den gesamten Ablauf geordnet und reibungslos über die Bühne zu bringen.

    4 Min. LesezeitLesen
    Wenn die Worte fehlen: professionelle und würdevolle Kommunikation bei einem Trauerfall im Team
    Arbeitsleben
    Wenn die Worte fehlen: professionelle und würdevolle Kommunikation bei einem Trauerfall im Team

    Der Tod eines vertrauten Menschen im Kollegenkreis trifft ein Unternehmen in der Regel unvorbereitet. Plötzlich rücken alltägliche Aufgaben in den Hintergrund, stattdessen machen sich im Team oft Sprachlosigkeit und Verunsicherung breit. In dieser schwierigen Ausnahmesituation kommt dem Management und den Führungskräften eine wichtige Orientierungsfunktion zu. Eine behutsame und durchdachte Herangehensweise hilft dabei, den ersten Schock gemeinsam zu bewältigen. Sie gibt der Belegschaft genau dann den nötigen Halt, wenn die passenden Worte erst einmal fehlen.

    4 Min. LesezeitLesen
    Zur Startseite