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Krise

Definition Bankenkrise

Bei einer Bankenkrise handelt es sich um einen längerfristigen Krisenzustand, der durch mangelnde Liquidität und einen Vertrauensverlust gegenüber Kreditinstituten gekennzeichnet ist. Die schwersten Bankenkrisen der Geschichte sind nach Hochkonjunkturen aufgetreten. Sie sind deshalb so gefährlich, weil sie nicht nur einzelne Kreditinstitute betreffen, sondern die gesamte Volkswirtschaft.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Gründe für eine Bankenkrise
  2. Gefahr des Liquiditätsverlusts
  3. Bankenkrisen als Kettenreaktionen
  4. Die Auswirkung der Bankenkrise auf die Volkswirtschaft
  5. Wie lassen sich Bankenkrisen verhindern?
  6. Unterschiede des US-amerikanischen Bankensektors zum europäischen
  7. Beispiele für Bankenkrisen
  8. Wie entsteht eine Bankenkrise?
  9. Was kommt nach der Bankenkrise?
  10. Wie kam es zur spanischen Bankenkrise?
  11. Wie kam es zur Bankenkrise auf Zypern?

Gründe für eine Bankenkrise

Die Hauptgründe für Bankenkrisen sind Solvabilitäts- (unbelastetem Eigenkapital) und Liquiditäts Verlust e. In Krisenzeiten weisen die Aktiva vieler Banken eine mangelhafte Qualität auf. Diese kann in Börsenverlusten, Kreditausfällen und Liquiditätsproblemen begründet liegen.

Bei allen von Banken vergebenen Krediten besteht die Gefahr, dass der Schuldner zahlungsunfähig wird. Um diese Gefahr zu minimieren, vergeben Banken Kredite nur an Kunden, die bei einer Bonitätsprüfung positiv abschneiden. Dennoch kann es passieren, dass im Fall einer Wirtschaftskrise mehrere Debitoren auf einmal ausfallen. Reichen die Rücklagen der Bank nicht aus, um den Zahlungsausfall abzufedern, muss sie die Verluste von ihren Erträgen abschreiben. Dies führt wiederum zu einer Schmälerung des Eigenkapitals. Auf diese Weise begann auch die Bankenkrise 2007 in den USA.

Gefahr des Liquiditätsverlusts

Ein weiteres Risiko besteht in einem Verlust der Liquidität und der damit verbundenen Unfähigkeit der Bank, ihren kurzfristigen Verbindlichkeiten nachzukommen. Hierbei spielt die Fristentransformation eine große Rolle. Sie erlaubt es Banken, langfristige Kredite teilweise mit kurzfristigen Einlagen zu refinanzieren. Wollen viele Anleger innerhalb kurzer Zeit ihr Geld (zur Geld Definition) bei der Bank abheben, ist die Bank nicht mehr in die Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, da sie das Geld anderweitig langfristig verliehen hat. Da es für den Kunden nicht unmittelbar ersichtlich ist, ob die Bank noch zahlungsfähig ist, will er sein Geld vor der Gefahr einer Krise schützen. Die Kunden heben massenhaft Geld ab, wodurch die Bank noch schwerer in Bedrängnis gerät. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Bank Run. Da die Bank nur einen kleinen Teil ihres Vermögens in Barform zur Verfügung und den Großteil längerfristig angelegt hat, kann das zur Insolvenz führen.

Bankenkrisen als Kettenreaktionen

Bricht eine Bank zusammen, kann sich dies auf andere Banken auswirken. Das hängt damit zusammen, dass viele Kreditinstitute über Interbankkredite eng miteinander verbunden sind. Das Volumen der Interbankkredite erreicht bis zu 30 Prozent der Bilanzsumme (zur Definition Bilanz) der Universalbank. Darüber hinaus legen die meisten Banken ihr Vermögen in ähnlichen Portfolios an. Ist eine Bank von einem schwerwiegenden Ereignis wie einer Immobilienkrise oder einem Börsencrash betroffen, ist es wahrscheinlich, dass es den anderen ähnlich geht. Verlieren die Anleger das Vertrauen in die Banken und ziehen ihr Geld massenweise ab, verschärft das die Krise nur noch.

Die Auswirkung der Bankenkrise auf die Volkswirtschaft

Gerät eine Bank in eine Krise, sind die Folgen wesentlich komplexer und unvorhersehbarer als es bei einem Unternehmenskonkurs der Fall ist. Die Krise einer Bank wirkt sich nicht nur auf vereinzelte andere Institute, sondern auf die gesamte Volkswirtschaft aus. Unternehmen, Kreditinstitute und Anleger sind gleichermaßen betroffen.

Wenn eine Bank Liquiditätsprobleme bekommt, schränkt sie ihre Kreditvergaben ein. Hierbei spricht man von einer Kreditklemme („credit crunch“). Unternehmen und Privatpersonen bekommen weniger Kredite und können dementsprechend weniger investieren. Das führt wiederum zu einer Rezession. Die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen sinkt, die Preise gehen zurück und die Krise verschärft sich.

Ein populäres Beispiel einer solchen Entwicklung ist die Weltwirtschaftskrise, die 1929 begann. Sie führte zum Zusammenbruch der DANAT-Bank in Deutschland und damit zu einer innerdeutschen Bankenkrise. Ähnlichen Mechanismen verdankte die Subprime-Krise aus dem Jahr 2007 ihre negative Wirkung.

Wie lassen sich Bankenkrisen verhindern?

Im Rahmen der Bankenregulierungen erlassen Regierungen und Organisationen Gesetze, die die wirtschaftlichen Spielräume von Banken in Form der Kredit-, Zins - und Marktrisiken einschränken. In Deutschland gibt es hierzu das Kreditwesengesetz (KWG) und die Solvabilitätsverordnung (SolvV). Sie regeln, über welches Mindesteigenkapital eine Bank verfügen muss, wie mit Risiken umgegangen werden soll und in welchem Maße Kredite vergeben dürfen.

Weitere Maßnahmen sind die Überwachung der Kreditinstitute durch die Bankenaufsicht und Einlagensicherungssysteme. Für die Bankenaufsicht sind in Deutschland die Bundesbank und die BaFin zuständig. Einlagensicherungssysteme sind für den privaten Anleger gedacht. Auch im Falle eines Bankenzusammenbruchs sind seine Guthaben sicher. Auf diese Weise verringert sich das Risiko, dass er sein Geld wegen nachlassenden Vertrauens von der Bank abzieht.

Kommt es dennoch zu einer Krise, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Senkung der Leitzinsen durch die Zentralbank
  • Rettungspakete (z.B. Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung)
  • Gründung von Bad Banks

Unterschiede des US-amerikanischen Bankensektors zum europäischen

Der US-amerikanische Bankensektor unterliegt anderen Regulierungs- und Aufsichtsbestimmungen als der europäische. Der Hauptunterschied besteht darin, dass er historisch gewachsen und deshalb chaotischer ist. Lange Zeit gab es hier viele konkurrierende Aufsichtsbehörden mit überlappenden Zuständigkeiten. Das bot Versicherern und Banken die Chance, sich einfach in den Bundesstaaten mit den wenigsten Auflagen anzusiedeln.

Anders als in Europa dominieren in den USA keine Universal-, sondern Spezial- und Investmentbanken. Wegen ihrer geringeren Risikostreuung ist die Gefahr von Totalverlusten und Krisen deutlich höher. Außerdem können die Risiken nicht in anderen Geschäftsbereichen ausgeglichen werden. Das führt wiederum dazu, dass die Gefahr von Insolvenzen erhöht ist. Zusammen mit der höheren Risikobereitschaft der nordamerikanischen Investoren war das einer der Hauptgründe für die internationale Bankenkrise, die im Jahr 2007 ihren Anfang nahm.

Beispiele für Bankenkrisen

  • 1720 – Berner Bankenkrise
  • 1857 – Weltwirtschaftskrise
  • 1929 – Weltwirtschaftskrise
  • 1931 – Deutsche Bankenkrise
  • 1985 – Savings-and-Loan-Krise
  • 1990-1992 – Schwedische Bankenkrise
  • 2007 – Euro-Krise

FAQ zur Bankenkrise:

Wie entsteht eine Bankenkrise?

Die Hauptursache für Bankenkrisen sind Liquiditätsprobleme der Kreditinstitute. Da langfristige Kredite zum Teil über kurzfristige Einlagen refinanziert werden, kann die Bank den Anlegern im Falle eines Bank Run nicht deren ganzes Geld auszahlen. Sie muss Insolvenz anmelden.

Was kommt nach der Bankenkrise?

Die Folgen einer Bankenkrise sind wesentliche komplexer als bei einem Unternehmenskonkurs. Sie wirkt sich nicht nur auf das einzelne Institut, sondern auf die gesamte Volkswirtschaft aus. Das betrifft sowohl Unternehmen als auch Privatanleger. Da die Bank Kreditvergaben während der Krise einschränkt, stehen Anlegern zudem weniger Gelder für Investitionen zur Verfügung. Das führt wiederum zu einer Rezession.

Wie kam es zur spanischen Bankenkrise?

Auch für die spanische Bankenkrise ist eine Immobilienblase verantwortlich. Die spanischen Sparkassen (Cajas) haben leichtfertig Kredite für Immobilien vergeben und ihr Geld nicht mehr zurückbekommen. Das führte dazu, dass die Institute auf faulen Krediten in Höhe von rund 180 Milliarden Euro sitzen blieben. Experten führten diese Eskalation vor allem auf die mangelhafte Deregulierung zurück.

Wie kam es zur Bankenkrise auf Zypern?

Die Notlage der zypriotischen Banken hängt eng mit der Finanzkrise in Griechenland zusammen. Zypriotische Banken haben große Geldsummen in Griechenland investiert und Kredite vergeben, die nach dem Schuldenschnitt aus dem Jahr 2014 nicht mehr zurückgezahlt werden können. Besonders dramatisch ist dieses Problem, weil der Bankensektor auf Zypern überproportional groß und aufgebläht ist. Zum Vergleich: Während sich das Bruttosozialprodukt von Zypern auf 18 Milliarden Euro beläuft, haben die Einlagen ein Volumen von 70 Milliarden Euro. Ein weiteres Problem besand darin, dass Zypern mit niedrigen Zinsen kapitalkräftige Investoren anlockte, ohne dass es eine konsequente Bankenaufsicht gab. Infolge dessen gelangten große Mengen Schwarzgeld in den zypriotischen Finanzkreislauf.

(Christian Weis)


 


 

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