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Ratgeber

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht ist fĂŒr Arbeitnehmer normalerweise nicht möglich. Ausnahmen bilden jedoch geringfĂŒgige BeschĂ€ftigungen sowie Arbeitnehmer in sogenannten Kammerberufen wie Ärzte oder Steuerberater. SelbststĂ€ndige können hĂ€ufig freiwillig in der Rentenversicherung bleiben oder privat vorsorgen, aber nicht alle SelbstĂ€ndigen können sich befreien lassen.

Dieser Artikel beleuchtet die notwendigen Bedingungen sowie die GrĂŒnde, die fĂŒr eine Befreiung von der gesetzlichen Versicherungspflicht sprechen können.

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Was bringt die Befreiung von der Rentenversicherung?

Die regulĂ€ren BeitrĂ€ge zur Rentenversicherung belaufen sich derzeit auf 18,6 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts und sind je zur HĂ€lfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer zu tragen. Das heißt, ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer zahlt im Normalfall 9,3 Prozent seines Bruttolohns oder -gehalts an die gesetzliche Rentenversicherung.

Mit diesen BeitrĂ€gen erwerben Arbeitnehmer Rentenpunkte bzw. -anwartschaften, die die Höhe ihrer Altersrente bestimmen. FĂŒr BeschĂ€ftigte in normalen, sozialversicherungspflichtigen ArbeitsverhĂ€ltnissen gibt es in der Regel keine Möglichkeit, daran etwas zu Ă€ndern.

FĂŒr sogenannte Minijobber, also Arbeitnehmer in einem geringfĂŒgigen BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis mit einem Arbeitsentgelt von derzeit höchstens 520 Euro, gibt es hingegen die Möglichkeit, sich auf Antrag vom Arbeitnehmeranteil der RentenversicherungsbeitrĂ€ge befreien zu lassen. Ohne einen entsprechenden Antrag zahlen die Arbeitgeber 15 Prozent des Lohns und die Minijobber 3,6 Prozent. Diese 3,6 Prozent können auf Antrag stattdessen dem Lohn zugerechnet werden. Ob diese Möglichkeit sinnvoll ist, sollten Arbeitnehmer mit der Minijob-Zentrale und anderen Beratungsstellen erörtern.

Soll man sich bei geringfĂŒgiger BeschĂ€ftigung von der Rentenversicherungspflicht befreien?

FĂŒr geringfĂŒgig BeschĂ€ftigte in Privathaushalten, also vor allem Pflegerinnen, Haushaltshilfen, TagesmĂŒtter und Ähnliches, liegt der Eigenanteil jedoch bei 13,6 Prozent. Sie können demnach ihren Nettolohn um bis zu 70,72 Euro erhöhen. Der Arbeitgeberanteil betrĂ€gt hier lediglich 5 Prozent und wird weiter gezahlt.

Lassen sich geringfĂŒgig BeschĂ€ftigte von der Rentenversicherungspflicht befreien, zahlen die Arbeitgeber weiterhin ihre sogenannten PauschalbeitrĂ€ge und es werden weiterhin Rentenanwartschaften erworben, allerdings sind diese reduziert. GeringfĂŒgig BeschĂ€ftigte, die auf den Extralohn nicht angewiesen sind, sollten in der Regel auf eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht verzichten, da dies nicht nur die Höhe der gesetzlichen Rente, sondern auch weitere AnsprĂŒche mindert.

Verzichten Minijobber auf die Beitragszahlung, können sie

  • diese BeschĂ€ftigungszeiten nicht auf die Beitragsjahre anrechnen und mĂŒssen unter UmstĂ€nden deshalb lĂ€nger arbeiten
  • staatliche Förderungen wie etwa fĂŒr die Riesterrente nicht weiter erhalten
  • unter UmstĂ€nden ihre AnsprĂŒche auf Erwerbsminderungsrente reduzieren
  • LeistungsansprĂŒche auf Rehabilitationsmaßnahmen verlieren sowie wĂ€hrend einer Reha kein Übergangsgeld beziehen
  • normalerweise gewĂ€hrte Zusatzpunkte aufgrund von sogenannten KinderberĂŒcksichtigungszeiten eventuell nicht erhalten
  • ihren Anspruch auf Entgeltumwandlung fĂŒr eine betriebliche Altersvorsorge verlieren

Ein Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht fĂŒr geringfĂŒgig BeschĂ€ftigte sollte daher nur nach Beratung durch die Rentenversicherung oder die Minijob-Zentrale gestellt werden, da dem geringfĂŒgigen Lohnzuwachs erhebliche Nachteile gegenĂŒberstehen können.

Wer kann sich von der gesetzlichen Rente befreien lassen?

Neben einigen SelbststĂ€ndigen können sich auch Minijobber beziehungsweise geringfĂŒgig entlohnte BeschĂ€ftigte mit einem aus dieser BeschĂ€ftigung resultierenden Lohn von höchstens 520 Euro von der Rentenversicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenkasse befreien lassen. Angehörige bestimmter Berufsgruppen, die bereits in ein öffentlich-rechtliches Versorgungswerk einzahlen und Mitglied einer berufsstĂ€ndischen Kammer sind, wie beispielsweise Ärzte, können sich ebenfalls befreien lassen.

Wann ist eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht sinnvoll?

Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht kann aus verschiedenen GrĂŒnden sinnvoll sein. FĂŒr Minijobber, insbesondere solche, die in Privathaushalten beschĂ€ftigt sind, kann es sinnvoll sein, nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, wenn

  • sie den Beitrag benötigen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten,
  • ohnehin keine Aussicht auf eine Rente ĂŒber dem Grundsicherungsniveau besteht,
  • sie nicht auf die Beitragsjahre (Wartezeiten) angewiesen sind oder
  • sie anderweitig, zum Beispiel durch eine bestehende, regulĂ€re BeschĂ€ftigung oder den Ehepartner, abgesichert sind.

FĂŒr SelbststĂ€ndige ist eine Befreiung oder der Verzicht auf eine freiwillige Mitgliedschaft in der Deutschen Rentenversicherung hauptsĂ€chlich dann sinnvoll, wenn die ansonsten fĂ€lligen BeitrĂ€ge ihnen im Vergleich zum erzielbaren Rentenniveau zu hoch erscheinen. Sie haben die Möglichkeit, sich alternativ privat zu versichern oder sich anderweitig Vermögen aufzubauen, welches ihnen im Alter dann zur VerfĂŒgung steht.

FĂŒr Angehörige von sogenannten Kammerberufen, wie Ärzte, Apotheker, RechtsanwĂ€lte, Notare oder Steuerberater, ist die Befreiung sinnvoll, wenn das jeweilige Versorgungswerk bessere Leistungen fĂŒr vergleichbare BeitrĂ€ge verspricht.

Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht fĂŒr Rentner

Vollrentner, die das gesetzliche Renteneintrittsalter bereits erreicht haben und eine geringfĂŒgige BeschĂ€ftigung ausĂŒben, sind automatisch von der Rentenversicherungspflicht befreit. Beziehen sie jedoch nur eine Teilrente oder haben das Renteneintrittsalter noch nicht erreicht, mĂŒssen sie sich trotz Rentenbezug auf Antrag befreien lassen oder zahlen weiter in die Rentenversicherung ein. Diese freiwilligen BeitrĂ€ge können die bis dahin erzielten RentenansprĂŒche weiter anheben, also durchaus sinnvoll sein.

Wie befreien sich SelbststÀndige von der Rentenversicherungspflicht?

Nicht alle SelbststĂ€ndigen sind automatisch von der Rentenversicherungspflicht befreit und nicht alle sind ĂŒberhaupt berechtigt, aus der gesetzlichen Rentenversicherung auszuscheiden. Rentenversicherungspflichtig bleiben insbesondere SelbstĂ€ndige in folgenden Berufsgruppen:

  • KĂŒnstler und Publizisten
  • Pfleger und Hebammen
  • Lehrer und Erzieher (dabei zĂ€hlt die TĂ€tigkeit der Weitergabe von Wissen, nicht die Ausbildung oder Berufsbezeichnung; als Lehrer gelten damit auch Nachhilfe- oder Fahrlehrer und unter UmstĂ€nden sogar TagesmĂŒtter)
  • Handwerker in einem Handwerk mit Meisterpflicht beziehungsweise mit eingetragener Handwerksrolle (die Versicherungspflicht erlischt nach 18 Beitragsjahren)
  • Seelotsen, KĂŒstenschiffer oder -fischer
  • SelbststĂ€ndige mit nur einem Auftraggeber und ohne sozialversicherungspflichtige BeschĂ€ftigte (frĂŒher sogenannte Solo- oder Schein-SelbstĂ€ndige)
  • weisungsgebundene GeschĂ€ftsfĂŒhrer einer GmbH, auch wenn sie gleichzeitig Gesellschafter sind

SelbststĂ€ndige in diesen Berufen können sich in der Regel nicht von der Versicherungspflicht befreien lassen. Da sich die Regelungen aber an den frĂŒheren Regelungen zur ScheinselbststĂ€ndigkeit orientieren, kann man die Versicherungspflicht durch die Anstellung eines sozialversicherungspflichtigen BeschĂ€ftigten aufheben.

Unter diesen und weiteren UmstÀnden können sich auch SelbststÀndige mit nur einem Auftraggeber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Den entsprechenden Antrag findet man auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung.

Nach GrĂŒndung einer Firma können sich ExistenzgrĂŒnder außerdem fĂŒr bis zu drei Jahre von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Als rentenversicherungspflichtiger SelbststÀndiger zahlt man entweder und nur auf Antrag BeitrÀge auf das tatsÀchliche Einkommen oder Pauschalen beziehungsweise RegelbetrÀge von derzeit 631,47 Euro (West-BundeslÀnder) oder 611,94 Euro (Ost-BundeslÀnder).

FAQ

Im Folgenden werden einige hÀufig gestellte Fragen kurz beantwortet.

Gibt es ein Formular fĂŒr die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht?

Die Minijob-Zentrale bietet fĂŒr geringfĂŒgig BeschĂ€ftigte und ihre Arbeitgeber ein einfaches Formular, welches im Wesentlichen die Eingabe persönlicher Daten und die Rentenversicherungsnummer des Arbeitgebers erfordert, zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht an.

SelbststĂ€ndige, die sich von der Rentenversicherung befreien lassen wollen, mĂŒssen ein umfangreiches Formular der Deutschen Rentenversicherung nutzen und ausgiebige Angaben zu ihrer TĂ€tigkeit und ihrem VerhĂ€ltnis zu Auftraggebern machen.

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht fĂŒr Ärzte?

Ärzte und andere Arbeitnehmer in sogenannten Kammerberufen (siehe oben) können auf Antrag statt in die Deutsche Rentenversicherung auch in ihre berufliche Versorgungskasse einzahlen und sich dadurch von der Beitragspflicht befreien lassen.

Seit 01.01.2023 ist dies nur noch online möglich und erfordert eine BestÀtigung der Versorgungskasse, an die der Antrag zu stellen ist. Diese leitet den Antrag dann mit der BestÀtigung, dass die Person Mitglied in der Versorgungskasse ist, an die Deutsche Rentenversicherung weiter, die ihn bearbeitet und bescheidet.

Sind Minijobs von der Rentenversicherung befreit?

Minijobs beziehungsweise geringfĂŒgige BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse mit einem Lohn von höchstens 520 Euro sind nicht automatisch von der Rentenversicherungspflicht befreit. Auf Antrag können sich Arbeitnehmer aber von ihrem eigenen Beitragsanteil befreien lassen, wĂ€hrend der Arbeitgeber seinen Anteil weiter leisten muss.

Fazit

Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht fĂŒr Minijobs ist meistens nicht von Vorteil fĂŒr den Arbeitnehmer, denn die eingesparten BetrĂ€ge, um die sich der Lohn erhöhen lĂ€sst, sind oft niedrig und die möglichen Nachteile wiegen in der Regel schwerer. Etwas attraktiver ist es fĂŒr Arbeitnehmer mit einer geringfĂŒgigen BeschĂ€ftigung in einem Privathaushalt, da ihr Anteil wesentlich höher ausfĂ€llt.

FĂŒr viele Vertreter der Berufe mit eigener Kammer und eigenem Versorgungswerk und SelbststĂ€ndige ist die Befreiung hĂ€ufig aus wirtschaftlichen oder leistungsbezogenen GrĂŒnden sinnvoll. Dabei gilt es zu beachten, dass nicht alle SelbststĂ€ndigen sich ĂŒberhaupt befreien lassen können.

Bildquellen:

  • Befreiung von der Rentenversicherungspflicht: Foto von Mikhail Nilov: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-frau-laptop-buro-6963871/

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