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2. Dezember 2020

Die Mobilität der Zukunft – E-Mobility made in Germany

Im Jahr 2016 habt ihr gemeinsam Urban Drivestyle gegründet. Was hat euch am Markt gefehlt?

Ossian Vogel: Wir sind 2016 als Bike-Vermieter gestartet. 2017 haben wir dann unsere erstes eigenes E-Bike auf den Markt gebracht. Wir haben für unsere Vermietung wirklich viele Fahrzeuge getestet. Fahrräder, E-Bikes, E-Roller, E-Mopeds… alles was es so auf dem Markt gab. Dabei ist uns aufgefallen, dass der E-Antrieb zwar ganz neue Möglichkeiten bietet, aber keines der Fahrzeuge dies optimal aufgreift, grade für kleine Unternehmen und selbstständige: Auf einem Trekking-Rad oder Mountainbike kann man coole Ausflüge machen und es bietet Fahrspaß. Der Nutzen im Alltag kommt aber oft zu kurz. Auf einem Cargo Bike kann man Lasten transportieren, aber es fährt sich nicht besonders gut. Ein Moped sieht stylish aus, aber man muss es zulassen, steht damit im Stau und braucht einen Parkplatz. In unserem ersten Modell, der UNI MK, haben wir alle Vorteile dieser Fahrzeuge kombiniert und versucht die Nachteile zu minimieren: Es sieht cool aus, macht echt Spaß zu fahren und bietet einen sehr flexiblen Nutzen. Man kann zu zweit fahren oder mit zwei Kindern, Essen liefern oder schwere Lasten transportieren. Ganz ohne Stau und Parkplatzsuche. Daraus ist für uns ein ganz neuer Ansatz entstanden: Wir bauen Utility Fahrzeuge für den urbanen Alltag.

„Unser Ziel ist es ein Komplettanbieter für moderne Mobilität zu werden“

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?

Ossian Vogel: Grundlegend: Wir sind als Bike Vermieter gestartet. Inzwischen sind wir eine E-Bike Manufaktur in Berlin mit 5 Modellen und exportieren weltweit. Unser Ziel ist es ein Komplettanbieter für moderne Mobilität zu werden und innerhalb des nächsten Jahres alles aus Deutschland oder zumindest Europa zu sourcen.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?

Interview mit Ossian Vogel, dem Gründer der Berliner E-Bike Manufaktur Urban Drivestyle.

Ossian Vogel: Als Bike-Anbieter, noch dazu also online Verkäufer, hatten wir echt Glück. Es wurden unglaublich viele Fahrräder gekauft: Zum einen wollen die Leute weniger mit den Öffis fahren und zum anderen sind Autos grade in den Innenstädten, sagen wir mal, nicht die idealen Verkehrsmittel. Man steht im Stau und verpestet die Luft. Das E-Bike, grade unsere Utility-Bikes, schließen hier eine Lücke: Man kommt schnell und sich ans Ziel und kann sogar noch seine Kinder oder seine Freundin mitnehmen. Mit unseren fetten Reifen sind auch Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen oder nasser Straßenbelag kein Problem mehr.

Dennoch hatte Corona auch für uns durchaus seine Tücken. Unsere asiatischen Zulieferer für Motoren, Bremsen und Schaltungen mussten bereits im Frühling die Produktion einstellen. Das hat zu enormen Lieferverzögerungen in der ganzen Branche geführt. Wir sind erst jetzt wieder voll lieferfähig. Grade die Bike-Industrie boomt aber im Frühling und Sommer – wir haben überall versucht Teile und Komponenten herzubekommen, leider war das fast unmöglich, da die gesamte Industrie betroffen war und große Unternehmen hier den Vorzug bekommen. Außerdem sind die Frachtpreise explodiert und dazu kommt noch, dass der Zoll uns nur Knüppel zwischen die Beine wirkt. Zeitweise mussten wir dann auch unsere Produktion in Berlin einstellen. Kein einfaches Jahr.

Wie hat sich dein Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Ossian Vogel: Rasant. Wir sind innerhalb von vier Jahren zu einer Berliner Manufaktur gewachsen, mit einer breiten Produktpalette von vier unterschiedlichen E-Bikes und dem einzigen Multifunktions-E-Roller auf dem Markt. All unsere Bikes haben drei Dinge gemeinsam: Denn coolen Look, die fetten 204 Reifen und die hohe Funktionalität. Wir wollen das Auto oder den Motorroller ersetzen, nicht das Fahrrad.

„Nachhaltig wachsen“

Welche Finanzierungen habt ihr in Anspruch genommen bzw. nehmt ihr in Anspruch?

Ossian Vogel: Wir sind komplett eigenfinanziert gestartet. Inzwischen hatten wir zwei Finanzierungsrunden mit Udo Schlömer und der Viva Forever GmbH. Wir wollten bisher ganz bewusst nachhaltig und entlang unseres Umsatzes wachsen, stehen aber jetzt tatsächlich vor nächsten Schritten, die aus dem Umsatz alleine nicht mehr zu stemmen sind. Momentan sind wir daher auf der Suche nach weiterem Wachstumskapital.

Bier Lieferung mit Urban Drivestyle

Wurdet ihr auch durch die KfW gefördert?

Ossian Vogel: Nein. Denn auch hier gilt: Für Unternehmen unter 3 Jahren sind Bankenfinanzierungen praktisch nicht zu bekommen, auch dann nicht, wenn die KFW mit 80 % bürgt.

Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schiefgegangen?

Ossian Vogel: Wir wachsen zu schnell… na ja, das ist natürlich super cool. Aber es bringt auch Schwierigkeiten mit sich: zum Beispiel die langen Lieferzeiten, was uns grade im Moment besonders hart trifft.

Und wo hat ihr bisher alles richtig gemacht?

Ossian Vogel: Unsere Produkte haben einen Nerv getroffen und unsere Community ist eine der coolsten im gesamten Bike-Segment – und darüber hinaus. Also haben nicht nur wir hier alles richtig gemacht, sondern natürlich auch unseren Kunden!

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