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Quergedacht: Die Tuchel-Kolumne

Der Affe in mir grüßt den Affen in dir

Wer heute well groomed durchs Leben geht, gilt als gut gepflegt– das gilt sowohl für den Haarwuchs der menschlich-männlichen Spezies als auch für den getrimmten Vierbeiner, der zum Groomer, zum Hundefrisör, geht.

Das weiß ich aber auch alles erst seit Kurzem. Denn irgendwie war mir das Wort „groomen“ bislang noch nicht untergekommen, ebensowenig wie die Vokabel „barfen“. Beides hat aber viel mit grundsätzlich behaarten Lebewesen zu tun. Barfen steht für die biologisch artgerechte Fütterung mitsamt Knochen und rohem Futter, die bei Hunde- und Katzenbesitzern derzeit voll im Trend liegt, während das Groomen, das Entlausen, in jedem Affenleben eine große Rolle spielt. Diese intensive Fellpflege unserer Vorfahren gibt einen weiteren Aufschluss darüber, warum wir alle so gerne kuscheln. Kuscheln wäre demnach die non-verbale Fortführung eines Verhaltens, das wir mit den Primaten teilen und das den Zusammenhalt der Gruppe stärkt und Aggressionen verhindert. Es gibt da aber noch eine zweite Theorie. Diese geht davon aus, dass aus dem Groomen der Affen bei uns der Austausch von Begrüßungsfloskeln geworden ist. Im Rheinland volkstümlich etwa: „Und wie jeht et?“ Auf Hochdeutsch genauso sinnfrei: „Und, alles gut?“ Der US-Verhaltensforscher Desmond Morris prägte Mitte der 70-er Jahre hierfür den Begriff „Grooming Talk“.

Apemanagement-Seminare

Bleiben wir einmal bei unseren nächsten groomenden Vorfahren, den Schimpansen und den Bonobos. Diese bilden nach DNS-Vergleichen eine gemeinsame Gattung: Pan. Von diesen Pan-Vorfahren hat sich die menschliche Linie vor 5,5 Millionen Jahren getrennt. Diese Nähe spüren wir wohl immer noch und versuchen bis heute gemeinsamen Verhaltensmustern auf den Grund zu gehen. Der BWL-Lehrstuhl der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf bietet seinen MBA-Studenten im Rahmen des Kurses „Personalführung und Verhalten in Organisationen“ so genannte Apemanagement-Seminare an. Hier lernt man im Krefelder Zoo vom Affenexperten Patrick van Veen, wie man wissenschaftliche Ergebnisse der Biologie und Verhaltensforschung auf das Sozialverhalten am Arbeitsplatz überträgt. Die Parallelen zwischen lautstark polternden Chefs und sich auf die Brust klopfenden Schimpansen sind schnell gezogen und dass der Alpha-Schimpanse den Salat seinen Artgenossen genauso zuteilt wie der Vorgesetzte die Boni und die Gehaltserhöhungen seinen Mitarbeitern, das haben die Studenten auch schnell durchschaut.

Welche Erkenntnisse wären zu erwarten, wenn solche Seminare vor Bonobo-Gehegen stattfänden? Immerhin sind wir mit denen ebenfalls verwandt. Während männliche Schimpansen durchaus zu Gewalt neigen und bis zur Tötung ihrer Artgenossen gehen, also Patriarchen vor dem Herrn sind, sind Bonobos nach Auskunft des niederländischen Professors für Primatenverhalten Frans de Waal ein fröhlich, lockerer Haufen mit einem gesunden Appetit auf Sex. Und bei ihnen haben die Weibchen das Heft in der Hand.

Auch ganz spannend: Wenn es bei den Bonobos etwas zu futtern gibt, haben alle erst einmal Sex und danach wird – friedlich – das Essen geteilt. Aber vielleicht haben wir von den Bonobos doch das eine oder andere übernommen. Denn in einigen Unternehmen soll das Bonobo-Modell bei Vertragsabschlüssen in Vorstandsetagen zum Einsatz gekommen sein. Dabei muss man allerdings tierisch aufpassen, dass die auf Krawall gebürsteten Schimpansennachfahren davon keinen Wind bekommen.

(Susan Tuchel)


 


 

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