Expertentalk·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
1. September 2022

Interview mit Sharo Safaei – Geschäftsführer der Curia Consulting

Digitalisierung spielt im Vertrieb, aber auch in der Leistungserbringung eine immer größere Rolle – Welche Trends dominieren aus Ihrer Sicht aktuell bei kleinen und mittlere Unternehmen (KMUs)?

Wir beobachten tagtäglich in unserer Rolle als Partner für Digitalisierung, wie eng kontinuierliche Optimierung und Innovation im Vertrieb mit unternehmerischem Erfolg verknüpft ist. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass digitale Strukturen im Vertrieb eine Art Grundprämisse darstellen und für die Leistungserbringung in der Ansprache neuer Kunden nicht mehr wegzudenken sind. In der Geschäftsanbahnung haben sich beispielsweise in den letzten Jahren Innovationen wie digitale Unterschriften fest etabliert. Die Abwicklung von organisatorischen Abläufen wurde so wesentlich effizienter.

Unserer Meinung nach liegt genau hier das Potential vieler KMUs. Wer es seinen Kunden leichter machen kann, Kontakt aufzunehmen und eine Geschäftsbeziehung aufzubauen, sichert sich automatisch den entscheidenden Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz. Unternehmen sind sich dessen meistens allerdings nicht ausreichend bewusst und brauchen dabei oft konkrete Hilfestellung.

Corona haben viele als Turbo für den Digitalisierungsprozess in Deutschland gesehen. Sinkt aktuell die Nachfrage nach digitalen Lösungen in der Wirtschaft durch die Entspannung der Pandemielage oder bleibt die Nachfrage weiter hoch?

Gemessen am Status Quo, den man in den meisten Unternehmen vorfindet, ist der Bedarf an digitalen Lösungen weiterhin extrem hoch und wird es vermutlich auch in Zukunft bleiben. Da die nun zweieinhalb Jahre andauernde Krise in quasi sämtlichen Wirtschaftszweigen eine “Zwangsdigitalisierung” herbeigeführt hat, wurden Digitalisierungsmaßnahmen oft im Eiltempo umgesetzt – dafür aber nicht immer zielführend und nachhaltig. Die Erwartungshaltung der Kunden – und hier sehen wir etliche Probleme für KMUs – ist branchenübergreifend zeitgleich stärker angestiegen, als sie von Unternehmen bedient werden kann. Folglich müssen Anbieter jetzt nachlegen, um mit diesen Ansprüchen dauerhaft mithalten zu können.

Reicht interne Expertise, um digitalisierte Prozesse dauerhaft in Unternehmen zu implementieren oder sind externe Partner notwendig, eine erfolgreiche und nachhaltige Implementierung sicherzustellen?

Das entscheiden drei Faktoren: Zeit, Geld und Expertise. Nur Unternehmen, die alle drei für den Digitalisierungsprozess aufwenden können, haben eine gute Chance, geplante Digitalisierungsmaßnahmen umzusetzen. Für die meisten KMUs ist das allerdings nicht darstellbar. Sich Expertise von Beratungen ins Haus zu holen kostet natürlich Geld. Aber die Opportunitätskosten sind deutlich höher – unkoordinierte Umsetzung, fehlende Qualitätssicherung und Verschwendung von Kapital. Ohne die entsprechende Expertise werden außerdem oft Finanzierungsmöglichkeiten wie staatliche Fördermittel nicht in Anspruch genommen.

Wie können KMUs dann sicherstellen, dass neu etablierte Strukturen auch von Angestellten genutzt werden?

Einen strukturierten Onboarding-Prozess sehen wir hierfür als das A und O. So wird zum Start eines neuen Arbeitsverhältnisses sichergestellt, dass vorhandene Expertise an neue Talente tradiert wird. Ist dieser Vorgang erstmal abgeschlossen, braucht es nachgelagert regelmäßige Schulungen und Mitarbeiter-Trainings, damit Mitarbeitern auf dem neuesten Stand bleiben. Das größte interne Potenzial kann dann voll entfaltet werden, wenn der Wissenstransfer bewusst und mit konkreten Vorsätzen durchgeführt wird. Beispielsweise können interne Wissensplattformen, auf die Mitarbeiter ad hoc zugreifen können, einen extrem hohen Mehrwert für das Unternehmen haben.

KMUs haben bis 2023 noch die Chance, von Förderprogrammen des Bundes zu profitieren. Was empfehlen Sie Firmen, die Fristen reißen und nach 2023 ohne Förderung dastehen?

Grundsätzlich werben wir bei Firmen immer wieder dafür, Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Auch unterstützen wir unsere Kunden beim Antragsprozess und der Abwicklung. Der Investitionsbedarf bleibt auch nach Ablauf der Fristen bestehen – die Investitionen muss der Unternehmer dann aber alleine tragen.

Ein Blick in die Zukunft: Was müssen KMUs in 2022 noch auf ihre To-Do-Liste setzen, wenn sie erfolgreich in der digitalen Kundenbindung sein wollen?

Convenience – als großes Buzzword – wird immer wichtiger, um Kunden zu gewinnen und diese auch zu halten. Konkret bedeutet das, das Nutzererlebnis bei den jeweiligen Endkunden weiter zu optimieren, etwa durch die Bereitstellung von digitalen Inhalten via Mobile App. Je einfacher man es seinen Kunden macht, mit dem Unternehmen ins Geschäft und im Austausch zu bleiben, desto mehr Kunden werden mit dem Unternehmen Geschäfte machen. Unvorteilhafte Produkterlebnisse stoßen bei Interessenten meist auf Ablehnung – einfache Lösungen werden zunehmend dominieren.

Bildquellen:
    Teilen:
    Weitere Artikel
    mydealz-Alternativen: Welche Schnäppchen-Portale lohnen sich für Selbstständige und kleine Unternehmen?
    Business
    mydealz-Alternativen: Welche Schnäppchen-Portale lohnen sich für Selbstständige und kleine Unternehmen?

    Die beste mydealz-Alternative für Selbstständige ist ein Portal, das Zeit spart: Statt zahlreiche Community-Beiträge zu durchsuchen, finden sie auf kuratierten Schnäppchen-Portalen wie Preis-King eine redaktionelle Vorauswahl für Technik, Büroausstattung und Software. mydealz bleibt mit seiner großen Community stark, verlangt im Arbeitsalltag aber mehr eigene Suche. Welche Plattform zu welchem Bedarf passt und worauf Gewerbekunden achten müssen, zeigt der Vergleich. Für Unternehmer entscheidet sich der Wert eines Deals nicht allein am ausgewiesenen Rabatt. Wer Büro-Technik günstig kaufen möchte, braucht einen passenden Liefertermin, einen verlässlichen Verkäufer und eine Rechnung für die Buchhaltung. Gerade bei gewerblichen Käufen können andere Regeln gelten als beim privaten Einkauf. Ein Deal-Portal hilft bei der Suche; die Prüfung des konkreten Angebots bleibt Teil der Kaufentscheidung.

    13 Min. LesezeitLesen
    Wann lohnen sich GEO-Signale für lokale Lead-Streams?
    Marketing
    Wann lohnen sich GEO-Signale für lokale Lead-Streams?

    Ob ein Unternehmen im regionalen Umfeld wahrgenommen wird oder online unsichtbar bleibt, hängt zunehmend von seiner Präsenz bei lokalen Suchanfragen ab. Handwerksbetriebe, lokale Dienstleister und der stationäre Einzelhandel bemerken die Unterschiede oft unmittelbar an der Zahl eingehender Anfragen. Geografische Signale können darüber entscheiden, ob eine Website bei standortbezogenen Suchen erscheint oder in den Suchergebnissen kaum Beachtung findet. Die zentrale Frage ist allerdings nicht, ob diese Signale grundsätzlich wirken, sondern wann sich der damit verbundene Aufwand in messbaren Anfragen auszahlt. Schließlich profitiert nicht jedes Geschäftsmodell gleichermaßen davon. Welche Ergebnisse möglich sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Wann standortbezogene Signale echte Anfragen erzeugen

    4 Min. LesezeitLesen
    Interview mit Regina Käser: Wie Beratung und Handwerk den Friseurbesuch prägen
    Expertentalk
    Interview mit Regina Käser: Wie Beratung und Handwerk den Friseurbesuch prägen

    Ein Friseurbesuch beginnt selten mit einer fertigen Lösung. Er beginnt mit Fragen: Welcher Schnitt trägt sich im Alltag gut? Welche Farbe passt zum Typ? Wie viel Pflegeaufwand ist realistisch? Gerade regionale Salons stehen für eine Verbindung aus Handwerk, Beratung und persönlicher Nähe, die über die reine Dienstleistung hinausgeht. Wie sich dieser Anspruch im Arbeitsalltag umsetzen lässt, erklärt Regina Käser im Gespräch. Die Friseurmeisterin betreibt den Salon Föhnlage in Tauting bei Murnau und verbindet dort klassisches Handwerk mit einer naturorientierten Arbeitsweise. Außerdem verrät sie, worauf Gäste vor einem Termin achten sollten. Zwischen Handwerk, Beratung und persönlichem Stil Regina Käser ist Friseurmeisterin. Ihr Salon liegt in Tauting, einer ruhigen Ortslage nahe dem Staffelsee mit Blick auf die Berge. Der Salon richtet sich an Kundinnen und Kunden aus Tauting, Murnau und der regionalen Umgebung. Wer beispielsweise einen professionellen Friseur in Murnau und Umgebung sucht, findet in Tauting einen persönlich geführten Betrieb mit festem Team.

    6 Min. LesezeitLesen
    Zur Startseite