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business-on.de Redaktion
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26. Juni 2018

Wie sich junge Landwirte den Einstieg erleichtern können

Finanzielle Mittel effizient einsetzen

Der Preisdruck in der Landwirtschaft ist groß. Erzeugnisse lassen sich oft nur unter Wert verkaufen, weil der Endverbraucher möglichst günstige Preise verlangt und größere Mitbewerber durch modernste Maschinen und Automatisierung entsprechend kalkulieren können. Viele kleinere und mittelgroße Betriebe hat der Kampf um das billigste Produkt in der Vergangenheit die Existenz gekostet. In finanzielle Bedrängnis kommen Höfe jedoch nicht ausschließlich aufgrund mangelnder Einnahmen. Nicht selten fehlt es an absatzorientierter Betriebsausrichtung und die zur Verfügung stehenden Gelder werden schlichtweg falsch eingesetzt.

Startups müssen umdenken und sich sorgfältig mit der individuellen Finanzlage auseinandersetzen. Nicht nur der solide Businessplan ist ein Muss, sondern auch der Start mit ausreichend Kapital. Der Einstieg in die Landwirtschaft sollte beispielsweise nicht als letzter Ausweg aus einer beruflichen Krise erfolgen, sondern im Idealfall aus Überzeugung und mit finanziellem Puffer. Bis ein landwirtschaftlicher Betrieb ausreichend Einnahmen abwirft, müssen Gründer mindestens zwei, besser drei Jahre einplanen. Schließlich ist die Liste der Ausgaben lang und reicht vom Erschließen neuer Absatzkanäle über Ernteausfälle bis hin zur Anschaffung des Fuhrparks. Die Gesamtkosten sollten keinesfalls unterschätzt, sondern realistisch berechnet werden. Sparpotenzial ergibt sich in vielerlei Hinsicht, aber clever genutzt, wird es vielerorts nur unzureichend bis gar nicht. Die folgenden Beispiele gewähren einen Einblick in die finanziellen Optionen:

Maschinen- und variable Bewirtschaftungskosten

Für den Einsatz im Ackerbau benötigt man teure Maschinen, jede Menge Arbeitseinsatz, Düngemittel und häufig noch kostspieliges Pflanzenschutzmittel. Bei der Anschaffung von Schleppern, Pflanzmaschinen und Co. ist zunächst der Gebrauchtkauf in Betracht zu ziehen. Ähnlich wie bei Kraftfahrzeugen für den Straßenverkehr ist der Wertverlust in den ersten Jahren enorm, sodass sich deutliche Preisunterschiede ergeben. Der Gang zu lokalen Händlern sowie der Blick ins Internet lohnt sich, um die Anschaffungskosten einzudämmen. Bei Agriaffaires, einem Portal für landwirtschaftliche Kleinanzeigen, lassen sich gebrauchte Landmaschinen diverser Marken finden und regional sortieren.

Damit Maschinen wirtschaftlich Sinn machen, müssen sie allerdings auch entsprechend eingesetzt werden. Nur wenige Landwirte nehmen sich die Zeit, um die erforderliche Jahresauslastung für die Wirtschaftlichkeit ihres Fuhrparks zu kalkulieren. Ein fataler Fehler, den Startups nicht machen dürfen. Wird eine Maschine nicht oft genug benötigt, muss die Auslagerung der Arbeiten in Betracht gezogen werden. Auch die Auswahl der Maschinen will gut überlegt sein. Gewicht, Treibstoffverbrauch und Funktionalität sind ausschlaggebende Faktoren. Gleichzeitig sollte bei der Bodenbearbeitung unter anderem folgender Grundsatz gelten: So flach wie möglich, so tief wie nötig. Denn je höher die Bearbeitungstiefe, desto höher der Treibstoffverbrauch. Die Ignoranz simpler Grundsätze wie diese, hat schon so manchen Landwirt um sein wertvolles Budget gebracht.

Ein Projekt in Bayern zeigt ergänzend auf, wie sich die variablen Bewirtschaftungskosten senken lassen. Im Rahmen eines Freiwilligen Nutzungstausches tauschten Landwirte Wirtschaftsflächen, um den Bewirtschaftungsaufwand verstreut liegender Feldstücke zu minimieren. Das Ergebnis ist erfreulich: „In Nordheim, Landkreis Rhön-Grabfeld, bilanzieren die Landwirte ihren Vorteil auf 80 Euro pro Hektar zuzüglich 3 ½ Stunden Zeitersparnis pro Hektar im Feldfruchtanbau“, fasst das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf der Internetpräsenz zur ländlichen Entwicklung zusammen. Die betriebswirtschaftlichen Verbesserungen sind somit nicht von der Hand zu weisen. Anhand derartiger Projekte wird die Bedeutung des Umdenkens deutlich. Insbesondere junge Landwirte, die Betriebe der Eltern übernehmen, müssen das Optimierungspotenzial ernst nehmen und handeln.

Preiswertes Futtermittel durch Weidehaltung

Im Vergleich zu konservierten Futtermitteln ist Weidegras mit einer Ersparnis von bis zu 50 Prozent eine interessante Alternative. Es handelt sich um das für Wiederkäuer preiswerteste Futtermittel, das bei korrekter Bewirtschaftung hervorragende Qualität liefert und die Tiere während der gesamten Vegetationsperiode optimal mit Nährstoffen versorgt. Saftige Weiden mit ertragsfördernden Pflanzen, wie Weißklee und Wiesenrispe, liefern jede Menge Proteine, sodass sich ein wichtiger Anteil an teuren Mischrationen mit Eiweißträgern einsparen lässt. Wie die Fachzeitschrift Landwirt online bestätigt, kann die Vollweidehaltung die Produktionskosten senken und eine Reaktionsmöglichkeit auf niedrige Erlöse sein.

Der Bund der Deutschen Landjugend fasst in der Broschüre Hofnachfolge und Existenzgründung in der Landschaft wesentliche Themen wie Finanzierungsmöglichkeiten, Generationenkonflikte und Förderprogramme zusammen, um jungen Landwirten die Grundlagen zu vermitteln.

Auf Nischenprodukte konzentrieren

Kostensenkung ist gut, aber nicht alles. Die Fokussierung auf eine Nische ist für Startups eine spannende Angelegenheit. Stimmen die betrieblichen Voraussetzungen und ist zum Überwinden der Startphase genügend Kapital verfügbar, sind Nischenprodukte vielversprechend. Dies gilt jedoch nur für Diejenigen, welche die nötige Innovations- und Kommunikationsbereitschaft besitzen. Letztere Eigenschaft ist besonders wichtig für junge Landwirte, um Handel und Endverbraucher vom Erzeugnis zu überzeugen.

Potenzial verspricht die Direktvermarktung. Märkte und Hofläden erfreuen sich in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit, weil Verbraucher vermehrt auf regionale Produkte vertrauen und das Interesse an den Produktionsbedingungen steigt. Der direkte Kundenkontakt hat den Vorteil, dass sich das Potenzial eines Nischenproduktes besser abschätzen lässt. Bei entsprechender Nachfrage und Feedback können Produkte gezielt verbessert und anschließend im größeren Stil vermarktet werden.

Im Nischensektor ist die kritische Betrachtung der Investitionskosten gleichermaßen unverzichtbar. Der Experte im Bereich Biolebensmittel-Vermarktung Prof. Ulrich Hamm rät im Interview gegenüber dem Informationsportal zum Thema Ökolandbau beispielsweise vom Kauf neuer Produktionsmaschinen ab. „Viel besser fährt man mit gebrauchten Maschinen, die sich für den speziellen Bedarf des Nischenprodukts umbauen lassen.“

Fazit

Junge Landwirte haben es nicht einfach. Grund zum Aufgeben, ist das dennoch nicht. Ob Existenzgründung oder Hofnachfolge: Stimmen die Finanzen und die Motivation zur Innovation, ist die erfolgreiche Betriebsführung möglich. Der NDR hat drei junge Landwirtssöhne begleitet, die den heimischen Betrieb zwar übernehmen, aber grundlegend umkrempeln. Die Reportage „Junge Landwirte: anders als die Eltern“ vermittelt einen Eindruck davon, was mit frischen Ideen möglich ist.

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