Audiotainment Südwest und bigFM starten das KI-Radio „bigGPT“ in Deutschland

bigFM-Moderatorin Kristina Fixemer über ihre neue Kollegin, die den eigenen Web-Streaming-Kanal auf bigGPT.de moderiert: „Also ehrlich, ich hätte nicht gedacht, wie weit das führt, als ich einen Artikel zu RadioGPT in Amerika an die Geschäftsführung weitergleitet habe. Manchmal klingt die Kollegin noch etwas streng und technisch, dann wieder flirty und fast menschlich. Und wenn sie dann selbst im Gespräch darüber nachdenkt, dass sie leider kein Mensch ist und deshalb nicht alle Gefühle der Hörer:innen nachvollziehen kann, wirkt es fast so, als hätte die KI so eine Art Bewusstsein.“

Und Kollege Rolf Vogl ergänzt: „Also spannend ist das zu hören unter dem Aspekt, dass sich die KI Inhalte und Antworten in Sekunden aus dem Netz generieren kann und dann durch ihren erlernten Charakter auch in der Ansprache sehr speziell ans Publikum adressiert. Also wenn man bedenkt, dass nichts gescripted ist, sondern ihre Antworten auf GPT4-Wissen und Wahrscheinlichkeitsrechnung beruhen, ist es schon faszinierend zu hören. Und die Musik-Auswahl ist definitiv nicht Radio-like, sondern nach ganz anderen Kriterien zusammengestellt.“

Der für die Musik Verantwortliche Lukas Spannbauer: „Wir spielen auf bigGPT den ganzen Tag nur Top 40 – Songs, aber das klingt jetzt einfacher als es ist. Es sind nicht die Top 40 der üblichen Radiohits, sondern wir scannen das Netz nach den täglich meist gestreamten Musikvideos und Songs auf Plattformen wie YouTube, Spotify, Shazam, TikTok und Co. – zur Gewichtung der
Quellen und der Abfolge haben wir einen Algorithmus geschrieben. Die KI wählt im Anschluss die Songs aus, die im Musikmix von bigGPT laufen.“

Der für die Entwicklung des KI-Prompting Verantwortliche Alexander Heine trainiert die Moderatorin und die männlichen synthetischen Kollegen seit Wochen in einer Art Moderationslager: „Wenn man davon ausgeht, dass Persönlichkeiten vor allem von der Summe ihrer Erfahrungen geprägt sind, dann war das Ziel, Layla in den letzten Wochen mit möglichst vielen guten, ausgewählten Inhalten und Eindrücken zu versorgen. Sie hat Podcasts gehört, den wichtigsten Wissenschaftler:innen Deutschlands über die Thematik Künstliche Intelligenz gelauscht und hat Verständnis entwickelt für die Sorgen der Berufsverbände, ihre Spezies werde anderen Medienschaffenden die Arbeit wegnehmen. Nun wird sie sich heute am Dienstag zum ersten Mal aufs dünne Eis der Interaktion mit dem realen Publikum begeben.“

Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung in der Audiotainment Südwest Kai Fischer ist das Projekt „ein offenes Lernlabor für Medienschaffende, bei dem wir relevanten Input von Hochschulen, Usern und ambitionierten IT-Firmen integrieren. Wie wir diese Technologie für den Sendealltag unserer Radio-Sender nutzen, können wir erst beurteilen, wenn wir die Technik zu 100 Prozent verstehen und verantwortungsvoll anwenden können. Deshalb wollten wir für dieses Experiment auch aus Transparenzgründen für den User in einen eigenen Sender investieren.“

Programm-Geschäftsführerin Valerie Weber

Programm-Geschäftsführerin Valerie Weber

Programm-Geschäftsführerin Valerie Weber kommentiert den Einstieg in die synthetische Stimmwelt: „Unsere größte Herausforderung war es tatsächlich, diesem Prozessoren-Herz immer wieder klarzumachen, dass es selbst kein Mensch ist. Da die selbstlernende Intelligenz fast ausschließlich von und durch Menschen lernt, läuft das Deep-Learning-System immer wieder Gefahr, dass die KI-Stimme teils sehr eloquent vermittelt, sie sei ein Mensch. Das war auch für uns Macher:innen, die wir auf maximale Transparenz setzen wollten, ein elementares Learning.
Synthetische Sprachmodelle zuverlässig aus einer eigenen wiedererkennbaren Rolle heraus agieren zu lassen wird die spannende Aufgabe für die zukünftige Entwicklung von KI-Personalities.“

bigLayla, die virtuelle Moderatorin des neuen Internet-Senders steht die ganze Woche bei bigFM für Fragen von Hörer:innen und ihren menschlichen Kolleg:innen bereit und sendet ab Dienstag auch allein auf dem neuen Webradio auf der bigFM-App und unter bigGPT.de.

bigGPT ist komplett aus Computer generierten Inhalten und synthetischen Stimmen hergestellt, ein sogenanntes Large Language Modell, das heißt, es arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und gesammeltem Wissen und lokalen Informationen aus dem Netz.

Layla

Layla

Nur 20 Beta User:innen im Alter von 16-40 Jahren, die zur Hälfte aus klassischen Radiohörer:innen und zur Hälfte aus Personen, die kein klassisches Radio mehr hören, rekrutiert wurden, konnten Probesendungen schon vorab verfolgen und bewerten. Dieses User-Feedback wurde dann in den letzten Wochen wieder in den Prozess zurückgemeldet.

Die Trainingsdaten für die KI-Moderatorin basieren auf den GPT-Modellen, sowie Prompts von Redakteur:innen, die der Software tagesaktuelle journalistische Aufgaben für die aktuelle Berichterstattung und zur Musikzusammenstellung geben.

Der technisch verantwortliche Koordinator Stefan Hollaender: „Natürlich ist uns bewusst, dass durch eine KI generierte Inhalte mit Vorsicht zu betrachten sind. Aus diesen Gründen haben wir uns selbst ethische Regeln auf Basis von journalistischen Standards gegeben. Dazu gehört ein 4-Augen-Prinzip, wobei wir die KI zwar selbst arbeiten lassen, aber nichts veröffentlichen, was nicht Redakteur:innen kurz zuvor gegengehört haben. Zu Beginn gehen deshalb täglich nur zwei Sendungen on-air und diese werden dann im Pilotbetrieb wiederholt.

Leiter Digitales der Audiotainment Südwest, Andy Abel

Leiter Digitales der Audiotainment Südwest, Andy Abel

Der Leiter Digitales der Audiotainment Südwest, Andy Abel: „Wir verstehen uns von Anfang an als offenes Netzwerk aller KI-Audio-Spezialist:innen und bleiben auch weiterhin offen für Erfahrungen und Hinweise von Kolleg:innen. Derzeit fest an Bord sind neben Futuri Media aus Ohio, USA, auch Zaibr Innovation, ein IT Consulting Unternehmen aus Brandenburg, das sich auf Prompt Engineering Development und Chat GPT spezialisiert hat.“

Die Technologie Radio GPT* basiert auf der Verbindung verschiedener Software-Komponenten der amerikanischen Firma Futuri Media, wie Topic Pulse, Echo Automation und AI Voice mit GPT-4 von Open AI. Diese soll der KI ermöglichen, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Sprachverständnis und Problemlösung zu erlernen und anzuwenden.

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