Auto unter Druck: Vom Lieblingsobjekt zum Luxusgut?

Die Kosten für das Auto laufen aus dem Ruder
In Deutschland sind die Neuwagenpreise laut Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in den vergangenen letzten zehn Jahren um knapp 60 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als das Haushaltsbruttoeinkommen.
Dennoch sind immer noch sechs von zehn Autofahrer:innen sowohl weltweit als auch in Deutschland der Ansicht, dass der Preis, den sie für ihr Auto bezahlt haben, angemessen war. Anders ist das bei den laufenden Kosten: Mit 57 Prozent hält mehr als die Hälfte der Befragten die Ausgaben für Treibstoff, Versicherungen oder Reparaturen insgesamt für zu hoch. In Deutschland stören sich nur 47 Prozent an der Höhe der laufenden Kosten – obwohl sie im Jahr mehr für ihr Auto ausgeben als der Durchschnitt der weltweit Befragten – knapp 3.000 Euro hierzulande zu rund 2.750 Euro weltweit. Der höchste Kostentreiber ist in den Augen der Befragten der Kraftstoff (71 Prozent aller Befragten, 69 Prozent in Deutschland).

Auto unter Druck – vom Lieblingsobjekt zum Luxusgut?
Autobesitz bedeutet Verzicht
Inzwischen sagen weltweit bereits sieben von zehn Autofahrer:innen, dass der Besitz eines Autos mit finanziellen Opfern verbunden ist (Deutschland: 61 Prozent). Mehr noch: Rund 60 Prozent befürchten, dass sie sich ein Auto in Zukunft nicht mehr leisten können (Deutschland: 61 Prozent). Das wiegt umso schwerer, da nach wie vor 72/69 Prozent der Autofahrer:innen (weltweit/Deutschland) behaupten, dass sie ohne ihr Fahrzeug nicht leben können. 58 Prozent fürchten um ihre Bewegungsfreiheit, 47 Prozent um den Reisekomfort. Regelrecht wirtschaftliche Probleme bekommen insbesondere Leute, die in ländlichen Regionen wohnen. Hier nutzen nach wie vor 56 Prozent der Befragten das Auto, um zur Arbeit zu kommen. In Deutschland sind es sogar 65 Prozent.
Der steigende Kostendruck hat Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen
Diese finanzielle Entwicklung hat nach den Ergebnissen der Verbrauchendenumfrage sowohl ökonomische, ökologische als auch soziale Effekte:
- Autofahrer:innen sind vermehrt gezwungen zu sparen. 60 Prozent der Befragten weltweit (50 Prozent der Deutschen) ergreifen inzwischen eigene Maßnahmen, um die Kosten für ihr Auto zu reduzieren.
- Die Soft Mobility gerät zugleich stärker ins Visier der Autofahrer:innen: Mehr als vier von zehn Deutschen, weltweit sogar beinahe die Hälfte nutzen öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder E-Roller inzwischen für tägliche Fahrten.
- Die soziale Spaltung wird beim Thema Autobesitz immer spürbarer. Verbraucher:innen erwarten, dass Politik und Industrie gegensteuern, indem sie etwa die Kraftstoffpreise reduzieren (52 Prozent) oder sparsamere Fahrzeuge entwickeln (64 Prozent).
Alles hängt an erschwinglicher E-Mobilität
Die Ergebnisse des Automobilbarometers zeigen, dass der Automobilsektor vor großen Veränderungen steht. Die Kund:innen sind nicht mehr bereit oder in der Lage, alles für das Auto zu tun – vor allem nicht mehr um jeden Preis. „Hier wird die Transformation zur E-Mobilität eine zentrale Rolle spielen“, so Bernd Brauer, Head of Automotive Financial Services. „Entscheidend wird sein, ob es Industrie und Handel gelingt, künftig günstigere E-Autos auf den Markt und zu den Kund:innen zu bringen. Zugleich muss die Infrastruktur weiter ausgebaut werden.“ Brauer zeigt sich optimistisch: „Je mehr sich die Technologie etabliert, desto mehr Modellreihen werden Hersteller elektrifizieren und diese in Masse produzieren. Dadurch steigt auch der Wettbewerb unter den Autobauern. E-Mobilität wird damit erschwinglicher werden.“ Was kleine Modelle angeht, machen es insbesondere asiatische Produzenten bereits vor. „Händler sind in diesem Kontext gut beraten, wenn sie die Entwicklung gut im Blick haben und ihren Kund:innen ein möglichst großes Portfolio präsentieren können“, so Brauer.
(ots)
- Titelbild: Foto von Burak The Weekender
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