News·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
22. September 2016

Plötzlich selbstständig: Warum das Leben dann teurer wird

Krankenversicherung

Monatlich automatisch den Nettobetrag überwiesen bekommen, abzüglich der Krankenkassen- und Rentenbeiträge – diesen Luxus haben Selbstständige nicht. Sie müssen sich auch selbstständig um alles rund um die Sozialversicherungen kümmern. Und eine Krankenversicherung ist in Deutschland verpflichtend für jeden Bürger. Wer neu in die Selbstständigkeit startet, dürfte sich über den scheinbar viel zu hohen Beitragssatz seiner gesetzlichen Krankenkasse wundern. Der Grund: Es gibt keinen Arbeitgeber mehr, der den Arbeitgeberanteil übernimmt. Hier wird der Selbstständige selbst zur Kasse gebeten und zahlt allein die rund 15 Prozent Krankenversicherungsbeitrag, die auf sein Einkommen fällig werden.

Als Selbstständiger gibt es mal gute und mal schlechte Jahre. Gerade in der Anfangsphase muss damit gerechnet werden, dass die Gewinne erstmal überschaubar bleiben. Trotzdem gilt bei gesetzlichen Krankenversicherungen immer ein fiktives Mindesteinkommen für freiwillig Versicherte, und daran errechnen sich die Beiträge. Die Techniker Krankenkasse hat hierzu eine Tabelle veröffentlicht, wonach mindestens 2.178,75 Euro Einkommen die Grundlage für eine Beitragsberechnung sind. Lediglich Existenzgründer können diesen Betrag unter bestimmten Umständen auf unter 1.500 Euro drücken, zahlen dann aber noch immer mehr als 200 Euro monatlich für ihre Krankenversicherung, selbst wenn sie erstmal kaum Gewinne generieren.

Künstlersozialkasse

Günstiger davon kommen freischaffende Künstler, Journalisten und Publizisten, wenn sie ihre Beiträge über die Künstlersozialkasse entrichten. Die ist Teil des deutschen gesetzlichen Sozialversicherungssystems und damit eigentlich verpflichtend für diese Berufsgruppen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So muss der Beitragszahler selbstständig tätig sein und mindestens einen Jahresgewinn von 3.900 Euro erwarten. In der Praxis ist es nicht leicht, diese Versicherungspflicht auch von der Künstlersozialkasse anerkannt zu bekommen. Eine rechtliche Beratung ist sinnvoll, damit man beim Antrag alles richtig macht. Wer in die Künstlersozialkasse aufgenommen wird, ist nicht nur in Sachen Kranken- und Pflegeversicherung versorgt, sondern zahlt auch Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Und rund die Hälfte davon übernimmt – entsprechend dem Arbeitgeberanteil – die Künstlersozialkasse, so dass man trotz Selbstständigkeit hier dieselben Vorteile genießt, wie ein Arbeitnehmer. Wer also künstlerisch oder journalistisch tätig ist, sollte prüfen, ob die Künstlersozialkasse eine Option ist.

Ein Selbstständiger kann sich natürlich auch über eine private Krankenkasse versichern. Hier ist es aber ratsam, sich im Vorfeld über die Vor- und Nachteile des privaten im Vergleich zum gesetzlichen Krankenversicherungssystem zu informieren.

Betriebsausgaben

Ein Arbeitnehmer bekommt wenig mit von den Ausgaben des Unternehmens, wenn er nicht gerade in der Buchhaltung tätig ist. Wer aber seinen eigenen Start Up aus dem Boden stampft, wird in dem meisten Fällen auch investieren müssen. Selbst jemand, der ohne teures Equipment auskommt, braucht in der Regel zumindest einen Computer und muss zunächst einmal Kunden akquirieren. Werbung kostet Geld, und auch eine eigene Homepage ist heutzutage Teil der Eigenpräsentation. Diese sollte professionell gestaltet sein. Bevor ein Neuling in der Branche überhaupt eine größere Zahl an Aufträgen an Land zieht, kommen also einige Ausgaben auf ihn zu, die sich summieren. Auch zwischendrin wird es immer wieder Situationen geben, in denen ein Selbstständiger besondere Ausgaben hat, die er stemmen muss – seien es Fortbildungen, Materialkosten oder neue Geräte.

Gerade im Kreativbereich setzen immer mehr Selbstständige auf Crowdfunding, um an finanzielle Mittel zu kommen. Der Unternehmer wirbt für sein Projekt und gewinnt Supporter, die Geld geben und später ein Dankeschön bekommen – zum Beispiel das fertige Produkt oder eine Dienstleistung. Eine Crowdfunding-Kampagne muss aber sorgfältig durchdacht und vorbereitet sein, damit sie Erfolg haben kann. Über den Finanzierungszeitraum kann daraus durchaus ein Vollzeitjob werden. Es ist also nicht leicht, mal eben schnell unbürokratisch Geldgeber zu gewinnen.

Kredit bei der Bank

Daher kann es durchaus sinnvoll sein, sich ganz altmodisch an die Bank seines Vertrauens zu wenden, um einen Kredit auszuhandeln. Das muss nicht zwangsläufig berufliche Projekte oder Anschaffungen betreffen, denn ein Selbstständiger hat ja im Idealfall auch ein Privatleben, möchte sich mal ein Haus, ein Auto oder einen Urlaub leisten. Und weil es eben kein festes Monatseinkommen gibt, kann solch eine finanzielle Überbrückung manch ein kurzfristiges Problem lösen.

Gerade diese Unsicherheit löst beim Bankberater aber auch Skepsis aus. Jemandem Geld leihen, der kein sicheres Einkommen vorweisen kann? Weil Kreditinstitute das Ausfallrisiko eines Freischaffenden höher einstufen, fällt auch der Darlehenszins höher aus als bei einem Festangestellten mit vergleichbarem Jahreseinkommen. Hier empfiehlt es sich, nicht das erstbeste Angebot anzunehmen, sondern Kredite für Selbstständige beispielsweie auf kreditguide.de miteinander zu vergleichen. Einige Banken haben hier spezielle Angebote, auch um privaten Bedürfnissen wie dem verdienten Jahresurlaub gerecht zu werden.

Kleinunternehmer

Um bares Geld kann es auch gehen, wenn sich ein angehender Selbstständiger entscheiden muss, ob er die sogenannte Kleinunternehmer-Regelung für sich in Anspruch nimmt. Wenn ein Jahresumsatz von höchstens 17.500 Euro zu erwarten ist, kann sich der Existenzgründer vom Finanzamt von der Pflicht befreien lassen, Umsatzsteuer für die eigenen Leistungen und Produkte zu erheben. Insbesondere die Unternehmer, die direkt mit einem Endverbraucher Verträge abschließen, haben dadurch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz – aus Sicht des Kunden ist das Produkt ja günstiger. Außerdem entfällt durch diese Sonderregelung nach Paragraph 19 des Umsatzsteuergesetzes einiges an zeitfressender Bürokratie, und Zeit ist ja bekanntlich auch Geld. Kleinunternehmer sind jedoch nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt – ein Nachteil, wenn jemand häufig Produkte und Dienstleistungen einkaufen muss, auf die eine Umsatzsteuer erhoben wird. Für viele Unternehmer dürfte das gerade in der Gründungsphase der Fall sein, so dass man sich vorher gut überlegen sollte, wie man sich entscheidet; zumal diese Entscheidung über mehrere Jahre bindend sein kann.

Fazit: Wer den Schritt in die Selbstständigkeit plant, sollte vorher ein tragfähiges Konzept haben und durchrechnen, wie hoch die Preise für die angebotenen Leistungen anzusetzen sind, damit sich das Vorhaben rentiert. Wer sich unter Wert verkauft, läuft nämlich Gefahr, anstehende Mehrkosten zu unterschätzen. Dazu gehören eben nicht nur betriebliche Investitionen und Ausgaben, sondern auch Krankenversicherung, Altersvorsorge und das Überbrücken finanzieller Engpässe im Privatleben. Selbstständige sollten zudem daran denken, auch Urlaubs- und Krankheitstage einzukalkulieren, an denen sie keine Einnahmen erzielen.

Teilen:
Weitere Artikel
RFID oder Barcode: Welche Technologie ist die richtige Wahl?  
Handel
RFID oder Barcode: Welche Technologie ist die richtige Wahl?  

In vielen Branchen ist die berührungslose Identifikation von Produkten und Gegenständen Pflicht oder zumindest sinnvoll. Wenn du selbst die Entscheidungsgewalt hast, wirst du irgendwann vor der Frage stehen, ob Barcodes oder RFID-Etiketten die sinnvollere Lösung für dich und dein Business sind. Beide Möglichkeiten haben einen Mehrwert, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Für welche Lösung du dich entscheidest, hängt von deinen Bedürfnissen und von der jeweiligen Industrie ab. Das sind die größten Unterschiede zwischen RFID und Barcode Um die richtige Wahl zu treffen, musst du zunächst die Unterschiede zwischen den beiden Systemen kennen. Während der klassische Barcode auf optischer Erkennung basiert, nutzt RFID (Radio Frequency Identification) elektromagnetische Wellen. Das hat massive Auswirkungen auf deinen Arbeitsalltag.

5 Min. LesezeitLesen
Vom Hype zum echten Wettbewerbsvorteil: Wie KI den Mittelstand transformiert – ein Gespräch mit der Geschäftsführung von neura7
Expertentalk
Vom Hype zum echten Wettbewerbsvorteil: Wie KI den Mittelstand transformiert – ein Gespräch mit der Geschäftsführung von neura7

Die deutsche Wirtschaft befindet sich an einem Wendepunkt. Während Themen wie Fachkräftemangel und steigender Kostendruck den Alltag in vielen Betrieben bestimmen, rückt eine Technologie immer stärker in den Fokus: die Künstliche Intelligenz. Was vor kurzem noch nach ferner Zukunftsmusik klang, ist heute längst in der Realität der Unternehmen angekommen. Doch der Weg vom bloßen Ausprobieren hin zu einer Lösung, die echten wirtschaftlichen Mehrwert bietet, ist oft steinig. Viele Firmen stehen vor der Herausforderung, aus der Flut an Möglichkeiten genau die Anwendungen herauszufiltern, die ihre Prozesse spürbar entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Hier setzt die Arbeit von neura7 einer Marke der CodeArchitekten GmbH an. Das Team unterstützt Unternehmen dabei, die Brücke zwischen komplexer Technik und praktischem Nutzen zu schlagen. Dabei geht es nicht um abstrakte Algorithmen, sondern um Werkzeuge, die Mitarbeitern den Rücken freihalten und Routineaufgaben automatisieren.

7 Min. LesezeitLesen
Wenn der Schatten ins Büro fällt: Empathie als Führungsaufgabe bei Trauer im Unternehmen
Ratgeber
Wenn der Schatten ins Büro fällt: Empathie als Führungsaufgabe bei Trauer im Unternehmen

Der Arbeitsalltag ist meist von Effizienz, Zielen und Terminen geprägt. In dieser dynamischen Welt scheint für tiefes Mitgefühl und Stillstand oft kein Platz zu sein. Doch das Leben hält sich nicht an Dienstpläne. Wenn ein Mitarbeiter einen geliebten Menschen verliert oder das Team durch den Tod eines Kollegen erschüttert wird, ändert sich die Atmosphäre im Büro von einer Sekunde auf die andere. Plötzlich wirken die anstehenden Projekte unwichtig, und eine spürbare Betroffenheit legt sich über den Flur. In solchen Momenten zeigt sich die wahre Qualität einer Führungskraft. Es geht dann nicht mehr darum, Prozesse zu steuern, sondern für den Menschen da zu sein, der gerade den Boden unter den Füßen verloren hat. Ein richtiger Umgang mit Trauer im Unternehmen ist kein Hindernis für den Erfolg, sondern ein essenzieller Teil einer gesunden Unternehmenskultur. Wer als Chef in der Krise Menschlichkeit zeigt, schafft ein Fundament aus Vertrauen und Loyalität, das weit über den Moment hinaus Bestand hat.

5 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite