IT & Software·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
11. April 2022

Das „digitale Amt“ reicht nicht

In den aktuellen Krisen machen viele politische Entscheidungen einen eher willkürlichen Eindruck. Den Zustand der Bundeswehr müsse man erst „analysieren“, die Zahlen im Impfdashboard des RKI sind wohl fünf Prozent niedriger als die Realität, vermutet man zumindest. Genau wissen kann man es nicht. Dabei gibt es in Deutschland wohl keinen Mangel an Bürokratie und Verwaltung. Bürger und Unternehmen können ein Lied davon singen. Ob Staatshilfe, Antrag auf Sozialleistungen, Teilnahme an einer Ausschreibung, die Verlängerung des Personalausweises oder der Umtausch der Führerscheine – alles sehr aufwendig, langwierig und mitunter anstrengend. Der Grund für all das ist eine mangelnde Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Deutschland hängt hinterher und ist für die Zukunft nicht gewappnet.

„Wo die Datenbasis fehlt, kann nicht sinnvoll entschieden werden“, macht Sven Jung deutlich. Jung ist Experte für die Digitalisierung von Verwaltungen und öffentlichen Unternehmen. Er arbeitet als Manager Public Sector Deutschland bei ReqPOOL, der führenden Managementberatung für Software im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Fragen der Software-Strategie, Software-Beschaffung und Software-Innovation sowie mit der technologischen Transformation. „Im OZG, dem Online-Zugangs-Gesetz, ist häufig vom ‚digitalen Amt‘ die Rede. Kommunen, Landkreise und staatliche Verwaltungen arbeiten daran, viele Prozesse digital zu ermöglichen. Leider ist das wenig konzertiert und viel Stückwerk“, so Jung. Man sei hierzulande gut darin, Prozesse administrativ zu entwickeln, nutze aber nicht die eigentlichen Chancen der Digitalisierung. Statt komplexe Verwaltungsabläufe jeweils einzeln und ebenso komplex online zu gestalten, müsste vielmehr ganzheitlich gedacht werden. Digitalisieren bedeute nicht, das, was man bislang offline mit viel Personal und Papier erledigt habe, nun online abzubilden. Die Kultur der Verwaltung setzt sich im Netz fort. Gefragt sei aber eine Kultur der Dienstleistung und der strategischen Vernetzung von Daten, Informationen und Zielvorgaben.“

Entscheidungen müssten zukünftig schneller getroffen werden. Das habe man in den aktuellen Krisen gesehen. Auch die Wirtschaft drehe sich immer schneller. Zu lang dauernde Ausschreibungsverfahren, monatelange Prüfungen und ausbleibende Genehmigungen bremsen Staat und Wirtschaft aus. Wer einen Antrag auf Corona-Hilfen gestellt oder den Bau eines Windrates beantragt hat, hat entsprechende Erfahrungen gemacht. „Da nutzt es nichts, wenn der Antrag digital eingereicht wird. Es müsste auch unmittelbar digital entschieden werden – in Kenntnis aller Faktoren und Rahmenbedingungen“, verdeutlicht Jung. Das „digitale Amt“ bleibe ein Amt, de facto und in der Wahrnehmung der Bürger und Unternehmen. Das „digitale Amt“ wird der notwendigen Handlungsgeschwindigkeit jedoch nicht gerecht. „Dabei wäre man froh, das ‚digitale Amt‘ wäre bereits Realität.“ Selbst davon sei man aber in der Regel noch weit entfernt.

Notwendig sei vielmehr „die selbstfahrende Organisation“, so der Software-Experte. Das Nutzen moderner, KI-basierter Software und intelligenter Algorithmen, die autonom und unmittelbar entscheiden, müsse das eigentliche Ziel sein. „Die digitalen Technologien entwickeln sich exponentiell. Spätestens in den 30er Jahren werden KI-basierte, selbstlernende und weitgehend selbstentscheidende Systeme Alltag und gelebte Praxis sein. Wenn sich öffentliche Verwaltungen weiterhin derart langsam entwickeln, wird die Diskrepanz zwischen der Wirtschaft und dem Staat nicht mehr einzuholen sein. Deutschland wird gegenüber anderen Staaten weiter an Substanz verlieren und dann auch nicht mehr aufholen können“, prophezeit der Digitalexperte. Verwaltungen und öffentliche Unternehmen müssten jetzt anfangen, sich zu modernisieren und nicht beim „digitalen Amt“ stehen bleiben. Es brauche dringend technologische Lösungen, die zukunftsfest seien. Ganzheitlich gedachte, intelligente Software-Systeme und -architekturen böten die einmalige Chance, die Verwaltung bürgernäher, nachhaltiger effizienter, transparenter und entscheidungsvalider werden zu lassen. Die Beamtenmentalität müsse ins digitale Zeitalter transformiert werden. Noch sei Zeit, aber die Zeit dränge. Die „selbstfahrende Organisation“ brauche eine strategische Perspektive und einen raschen Modernisierungsprozess in der IT-Landschaft, der sofort beginnen müsse. In Sachen Digitalisierung der Verwaltung sei es drei vor zwölf. Das erführen die Bürger nahezu jeden Tag.

Bildquellen:
    Teilen:
    Weitere Artikel
    Welche Leistungen bietet die CFK Steuerberatungsgesellschaft mbH in Mainstockheim?
    Firmenportrait
    Welche Leistungen bietet die CFK Steuerberatungsgesellschaft mbH in Mainstockheim?

    Eine Steuerkanzlei muss unterschiedliche Anliegen einordnen können: Für ein Unternehmen stehen häufig Jahresabschluss, Lohnabrechnung und Rechnungswesen im Vordergrund. Bei einer Praxis kann es um die Nachfolge gehen, bei einem landwirtschaftlichen Betrieb um die Hofübergabe und bei Privatpersonen um Immobilien oder Erbschaften. Die CFK Steuerberatungsgesellschaft mbH mit Sitz in Mainstockheim berät diese Mandantengruppen in betrieblichen und privaten Steuerfragen. Zu ihren Kernleistungen gehören Steuererklärungen, Jahresabschlüsse, Lohnabrechnungen und Rechnungswesen. Das Firmenporträt zeigt, welche Leistungen und Spezialisierungen zum Angebot gehören und wie die Zusammenarbeit gestaltet ist. Wer ist die CFK Steuerberatungsgesellschaft mbH in Mainstockheim? Die Kanzlei ist ein Familienbetrieb mit Sitz in Mainstockheim im Landkreis Kitzingen. Zu ihren Mandanten gehören kleine und mittelgroße Unternehmen, Heilberufler, land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie Privatpersonen. Sie betreut nach eigenen Angaben Menschen und Betriebe aus verschiedenen Branchen deutschlandweit. Der Standort und das Einsatzgebiet sind dabei zu unterscheiden: Mainstockheim ist der Kanzleisitz; die Mandantschaft ist nicht auf den Landkreis Kitzingen begrenzt.

    7 Min. LesezeitLesen
    Welche Technikprobleme löst Repair Service Erding im Ladengeschäft?
    IT & Software
    Welche Technikprobleme löst Repair Service Erding im Ladengeschäft?

    Ein Smartphone funktioniert nicht mehr, der Laptop bereitet Probleme oder das WLAN erreicht nicht jeden Raum: Hinter solchen Anliegen können unterschiedliche Aufgaben stehen. Für eine Anfrage hilft es, zunächst zwischen Gerätereparatur, Unterstützung bei gespeicherten Daten und technischer Einrichtung zu unterscheiden. Wer sein Problem möglichst konkret beschreibt, kann es leichter dem passenden Leistungsbereich zuordnen. Auf einen Blick: Repair Service Erding ist ein Ladengeschäft in Erding für die Reparatur von Smartphones, Tablets, Computern und Laptops. Zum Angebot gehören außerdem PC- und Laptop-Upgrades, Datenrettung und Datensicherung sowie Hilfe bei Routern, Receivern, Smart Home und Heimnetzwerken. Das Firmenporträt zeigt, welche typischen Anliegen zu diesen Leistungen passen und welche Angaben Sie vor einer Terminanfrage bereithalten können. Wobei unterstützt Repair Service Erding Kundinnen und Kunden?

    8 Min. LesezeitLesen
    Wirtschaftsstrafrecht im Unternehmen: Risiken erkennen und bei Ermittlungen richtig handeln
    Arbeitsleben
    Wirtschaftsstrafrecht im Unternehmen: Risiken erkennen und bei Ermittlungen richtig handeln

    Wirtschaftliche Entscheidungen gehören zum Alltag jeder Geschäftsführung. Doch bestimmte Vorgänge können strafrechtliche Fragen aufwerfen etwa bei der Vergabe von Aufträgen, beim Umgang mit Unternehmensvermögen oder bei steuerlichen Verpflichtungen. Nicht jeder Fehler ist eine Straftat. Dennoch können Verdachtsmomente erhebliche Folgen für Verantwortliche und Unternehmen haben. Umso wichtiger ist es, typische Risiken zu kennen, Zuständigkeiten klar zu regeln und auf behördliche Ermittlungen vorbereitet zu sein. Wann werden Unternehmensentscheidungen strafrechtlich relevant? Das Wirtschaftsstrafrecht umfasst unterschiedliche Straftatbestände, die im Zusammenhang mit unternehmerischen Tätigkeiten stehen. Dazu gehören insbesondere Betrug, Untreue, Korruption, Steuerhinterziehung und bestimmte Insolvenzdelikte.

    6 Min. LesezeitLesen
    Zur Startseite