Frauenquote in medizinischen Führungspositionen: Aktueller Stand und Ausblick

Weibliche Chefs: In Unikliniken nach wie vor rar

Galt die Medizin einst als männliche Domäne, sind Frauen schon lange auf dem Vormarsch. Eine Ende 2018 veröffentlichte Statistik der Bundesärztekammer zeigt, dass 47 Prozent der Ärzte in Deutschland weiblich sind. Die höchste Frauenquote weist die Gynäkologie mit 67 Prozent auf. Auch in der Pädiatrie und in der Dermatologie sind mit 55 bzw. 53 Prozent mehr Frauen als Ärzte beschäftigt.

Die Frauenmehrheit kehrt sich jedoch bei Chefärzten um: so bezifferte die Studie „Medical Women on Top“ des Deutschen Ärztinnenbundes (von Januar 2019) die Frauenquote in den Führungsetagen der Unikliniken auf 13 Prozent. Das stellt eine geringfügige Verbesserung gegenüber 2016 dar, als sie noch 10 Prozent betrug. Am meisten Frauen an der Spitze gibt es in Berlin und Dresden, doch auch dort sind es nur 23 Prozent. Schlusslichter sind Homburg, Magdeburg und Würzburg, wo keine einzige Medizinerin ein Institut führt.

Der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt sieht dahingehend Handlungsbedarf. Er wirbt in den Medien für eine verbindliche Frauenquote in ärztlichen Führungspositionen. Gleichzeitig betont er, dass der Mangel an weiblichen Chefs kein reines Problem der Medizin sei. Er sieht Arbeitgeber in der Pflicht, Jobs für Ärzte familienfreundlicher zu gestalten, da Frauen nach der Familiengründung oft nicht in Vollzeit tätig sein wollen.

Arbeitszeiten bremsen Frauenkarrieren aus

Eine Umfrage des beruflichen Netzwerks Xing (zur Zusammenfassung von business-on.de) scheint Reinhardts Beobachtung zu bestätigen. Im Rahmen dieser wurden 2016 über 1.800 deutsche Arbeitnehmer in allen Branchen befragt: 70 Prozent der Teilnehmer gaben an, einen männlichen Vorgesetzten zu haben. Obwohl die weiblichen Chefs in Sachen Führungskompetenz öfters die beste Note bekamen (24,1 vs. 21,4 Prozent), wollten Frauen seltener die Top-Positionen erreichen. Nur 11,1 Prozent von ihnen konnten sich vorstellen, die Stelle ihres Chefs zu übernehmen. Unter den Männern waren hingegen 25,1 Prozent dazu bereit.

Eine weitere Studie des Städtischen Klinikums München aus dem Jahr 2012 benennt die fehlende Akzeptanz von Teilzeitstellen als Grund für die mangelnde Bereitschaft der Ärztinnen, Spitzenpositionen zu besetzen. Durch Schwangerschaft und Elternzeit würden bei weiblichen Medizinern befristete Verträge häufiger als bei ihren männlichen Kollegen nicht verlängert werden. Als Maßnahme für mehr Frauen in den Führungsetagen nannten drei interviewte Chefärzte eine bessere Begleitung von Ärztinnen während der Elternzeit, flexible Arbeitsmodelle für ihren Wiedereinstieg und häuserübergreifende Rotationen, um Engpässe in den Kliniken zu überbrücken.

Insgesamt, so die Meinung der Befragten, sollten Chefs in Teilzeit selbstverständlicher werden. Einen ähnlichen Standpunkt vertritt die Präsidentin des Weltärztinnenbundes Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer. Sie geht davon aus, dass der Frauenanteil unter medizinischen Führungskräften künftig ohnehin steigen wird, da die Kliniken wegen des Ärztemangels gezwungen sein werden, auch Chefs in Teilzeit zu akzeptieren.

Männerquote im Medizinstudium?

Während einige Politiker über eine verbindliche Frauenquote für Chefärzte diskutieren, sorgen sich andere um den Schwund an männlichem Nachwuchs in den Hörsälen. Seit Jahren sind Studentinnen der Humanmedizin in der Mehrheit: so waren 61 Prozent der Studienanfänger 2018 weiblich. Grund dafür ist meist der strenge Numerus Clausus, sodass in vielen Fällen eine Abiturnote von 1,0 für die Zulassung verlangt wird. Junge Frauen haben hier die besseren Karten, da 70 Prozent von ihnen in der Schule besser abschneiden als junge Männer.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Herzchirurgin Dr. Claudia Schmidtke äußerte wegen des weiblichen Überschusses Bedenken. Sie findet es zwar grundsätzlich positiv, dass so viele Frauen ausgebildet werden. Auf der anderen Seite wisse man aber auch, dass Ärztinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen seltener Vollzeit arbeiten, Chefpositionen anstreben und Praxen gründen würden. Die Entwicklung könne daher die ohnehin angespannte Situation der ärztlichen Versorgung in Deutschland verschärfen.

Dieselbe Meinung vertritt der Radiologe Jürgen Freyschmidt. In diesem Gastbeitrag in der FAZ erklärte er 2017, wie die vielen Teilzeitstellen bei Frauen die Unterbesetzung in den Kliniken noch akuter mache. Seiner Meinung nach sei die Abiturnote als Entscheidungskriterium für die Vergabe der Studienplätze ohnehin ungeeignet, da Medizin eine Erfahrungswissenschaft sei. Er plädiert für einen Eignungstest in Form eines Praktikums, um die Studierenden auszuwählen. Das würde aus seiner Sicht die Geschlechtsverteilung wieder ausgleichen.

Diverse Politiker erteilten einer verbindlichen Männerquote im Medizinstudium allerdings eine Absage. Prof. Karl Lauterbach (SPD) betonte stattdessen die Notwendigkeit, die Anzahl der Studienplätze für beide Geschlechter zu erhöhen. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Dr. Thomas Maurer, forderte darüber hinaus, dass die ärztliche Leistung insgesamt besser vergütet werden sollte.

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