Interhyp-Umfrage zum Klimaschutz: Deutsche wollen vor allem Kosten sparen

Die Europäische Union hat beim Klimaschutz große Ziele: Um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, haben sich Politikerinnen und Politiker bereits 2019 in Brüssel auf den Green Deal geeinigt. Ein Teil der Maßnahmen zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele beschäftigt sich auch mit dem Immobiliensektor beziehungsweise mit der Immobilienfinanzierung. Hier werden von allen Seiten große Anstrengungen nötig sein, um den nächsten Schritt „Fitfor55“ bis 2030 zu erreichen. Dieser fordert eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gegenüber 1990. „Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes sind seit Langem für den Klimaschutz sensibilisiert und fordern nun auch uns in der Finanzbranche auf, unseren Teil dazu beizutragen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Interhyp Gruppe Jörg Utecht. „Mehr als die Hälfte (57 %) sind der Meinung, dass Finanzdienstleister wie Kreditvermittler, Banken oder Sparkassen einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten müssen.“
Die Anforderungen der Deutschen an die Finanzbranche sind vielfältig: Nachhaltige Geschäftsprozesse (25 %), bessere Kreditkonditionen für energieeffiziente Immobilien (25 %), wie sie bereits von einzelnen deutschen Banken angeboten werden, grüne Anlagemöglichkeiten (22 %) oder Spenden für nachhaltige Projekte (18 %) finden die Zustimmung der Befragten. Zwei Prozent der Deutschen haben darüber hinaus noch konkrete Vorstellungen, wie Kreditinstitute einen größtmöglichen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Auch verlieren einige den Überblick bei den vielen unterschiedlichen Maßnahmenpaketen der Politik: „Den Green Deal der Europäischen Kommission, der 2019 medienwirksam auf den Weg gebracht worden ist, kennt nicht einmal ein Drittel der Befragten“, so Utecht. „Aufklären, übersetzen und Klarheit schaffen, ist ein wichtiges Ziel zukünftiger Informationskampagnen.“ Interhyp bietet am 8. September das erste Webinar ( https://www.interhyp.de/lp/webinare/anmeldung-energetisch-sanieren/) zum Thema Energetische Sanierung für seine Kundinnen und Kunden an.
Auch hinsichtlich der eigenen Immobilie fehlt es vielen Menschen in Deutschland noch an ausreichendem Wissen: Drei Viertel der Befragten (76 %) kennen die exakte Energieeffizienzklasse (EEK) ihrer Wohnung oder ihres Hauses nicht. Differenziert man zwischen Eigentümern und Mietern, so wissen immerhin noch 65 Prozent der Haus- oder Wohnungsbesitzer nicht, wie viel Energie ihre Immobilie verbraucht – bei den Mieterinnen und Mietern sind es fast 90 Prozent (87 %). Je besser jedoch die EEK der eigenen Immobilie ist, desto eher ist sie den Bewohnerinnen und Bewohnern bekannt: Ein Fünftel der Befragten, deren EEK zwischen A+ und C liegt, wussten um den Energieverbrauch ihrer Immobilie. Aber nur vier Prozent derjenigen, deren Haus oder Wohnung in der EEK D bis H liegt, kennen diese.
Fast die Hälfte (48 %) der Befragten besitzt Wohneigentum, jedoch plant nur ein Drittel (32 %) davon aktuell eine Modernisierung. Die grundsätzlichen Gründe für eine Modernisierung haben vorwiegend einen Aspekt: Kostenersparnis. „Der Wunsch, unabhängig von den aktuell in die Höhe schießenden Energiepreisen zu werden beziehungsweise durch die Modernisierung eine Kostenersparnis zu erreichen, steht bei jeweils 39 Prozent der Immobilienbesitzer im Vordergrund“, so Jörg Utecht. Ein Drittel (32 %) hofft durch die Modernisierung auch auf einen gestiegenen Immobilienwert, weitere 29 Prozent wünschen sich dadurch ein verbessertes Raumklima. Lediglich ein Fünftel (22 %) stellt den Klimaschutz ins Zentrum der Sanierungspläne.
Staatliche Unterstützung ist wichtig für den Weg zur Klimaneutralität
Auch eine staatliche Förderung kann für die eine oder den anderen ein wichtiger Anreiz für eine Modernisierung sein (33 %). Auf die konkrete Nachfrage, wie wichtig eine angemessene und verlässliche staatliche Förderung sei, um langfristig Klimaneutralität im Wohn- und Immobiliensektor zu erreichen, zeigt sich die Bedeutung der Subvention noch klarer: Fast drei Viertel (72 %) der Befragten sagen, dass diese Art der Unterstützung wichtig oder sehr wichtig sei. Lediglich 14 Prozent halten eine staatliche Unterstützung für irrelevant, weitere 14 Prozent können dies nicht beurteilen. „Dies zeigt erneut, wie kontraproduktiv die einmal mehr sehr kurzfristig angekündigte Einstellung mehrerer Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei den Menschen in Deutschland ankommt“, so der Interhyp-Vorstand. „Wer Klimaschutz und Wohlstand beim Wohnen fördern will, muss vor allem ein verlässlicher Partner für die Menschen in Deutschland sein.“
Ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung ist ein Projekt, das Interhyp-Kundinnen und Kunden über Monate, wenn nicht Jahre planen. Wer von heute auf morgen mehrere tausend Euro Unterstützungsgelder streicht, nimmt einem Teil der Menschen die Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben. Dabei ist dies ein wichtiger Baustein zur persönlichen Altersvorsorge. Aber auch im Hinblick auf das Ziel Klimaneutralität im Gebäudesektor sind die Eigentümerinnen und Eigentümer in Deutschland wichtige Partner auf dem Weg dorthin. Immerhin stoßen Immobilien – Bau und Nutzung – rund 30 Prozent aller Treibhausgase in Deutschland aus.
Eingriff ins private Wohnumfeld unerwünscht
Die Corona-Pandemie hat gezeigt: In absoluten Ausnahmefällen wird dem Staat der Eingriff ins Privatleben gewährt. Viele Deutsche gestehen dem Klimawandel diese Bedeutung – noch – nicht zu. „Immerhin mehr als 40 Prozent (43 %) tolerieren keine von uns zur Wahl gestellte Maßnahme, um im Privathaushalt einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, fasst Jörg Utecht die Ergebnisse zusammen. „Knapp ein Viertel (24 %) würde Vorgaben bei der Raumtemperatur hinnehmen, wie sie in anderen Ländern bereits gang und gäbe sind. Rund ein Fünftel (19 %) toleriert noch einen definierten Wasserverbrauch pro Person, jedoch Begrünungspflichten von Dächern und Gärten (12 %), Vorgaben zu technischen Einstellungen (12 %), Sanierungspflichten (11 %) oder zur Verwendung bestimmter Baumaterialien (11 %) kommen beim deutschen Verbraucher aktuell noch nicht gut an.“ Klimaschutz und CO2-Neutralität stehen auf der medialen Agenda weit oben. „Politik und Wirtschaft müssen die Menschen nun auf diese entscheidende Reise mitnehmen“, sagt Interhyp-CEO Jörg Utecht, „wir müssen uns strategisch darauf einstellen und unseren Kundinnen und Kunden verständliche, pragmatische und effiziente Lösungen anbieten.“
Über die Umfrage: Die Umfrage wurde im Auftrag von Interhyp Ende Juli 2022 durchgeführt. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2079 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.
(ots)
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