Inhaltsverzeichnis:
- Der Zusammenhang zwischen Hausse und Baisse
- Verschiedene Formen der Baisse
- Die Deutung von Marktbewegungen
- Die Bärenmarktrallye
- Die Bärenfalle
- Geschichtliches
Der Zusammenhang zwischen Hausse und Baisse
An der Börse unterscheidet man Marktphasen fallender und steigender Kurse. Erstere bezeichnet man als Bärenmärkte. Die Anleger sind pessimistisch gestimmt und setzen auf fallende Kurse. Dies tun sie z.B. mit Short-Positions (Verkaufsoptionen). Der Anleger leiht sich dabei gegen eine Gebühr Aktien. Diese verkauft er zu einem bestimmten Preis. Wenn im Anschluss der Kurs sinkt, kann er die Aktie zu einem geringeren Preis zurückkaufen und Gewinn machen (Leerverkauf).
Der Bullenmarkt ist das Gegenteil davon. Hierbei hoffen die Investoren, dass sich die Aktien langfristig positiv entwickeln. Hausse und Baissewechseln sich in regelmäßigen Abständen ab. Zusammen ergeben sie einen Börsenzyklus. Faktoren, die einen Einfluss darauf haben, sind wirtschaftliche Innovationen, Konjunkturzyklen und Spekulationen.
Nach einer Definition von Ned Davis Research spricht man dann von Bärenmarkt, wenn der DAX nach 50 Tagen einen Rückgang von 30 Prozent bzw. nach 145 einen Rückgang von 13 Prozent verzeichnet
Verschiedene Formen der Baisse
Die durch ein Abfallen der Börsenkurse charakterisierte Baissekann unterschiedlich stark ausfallen. Der Extremfall ist der Crash bzw. der Börsenkrach. Wegen befürchteter Verluste versuchen immer mehr Anleger, ihre Aktien loszuwerden. Da das Angebot auf diese Weise unverhältnismäßig ansteigt, sinken Nachfrage und Preise.
In schwächerer Form bezeichnet man die Baisse als Korrektur. Dabei handelt es sich um kurzfristige gegenläufige Kursbewegungen. Diese Art der Baisse kann innerhalb einer übergeordneten Hausse auftreten. Dabei stabilisiert sich der Kurs und passt sich an den tatsächlichen Wert an. Regelmäßige Korrekturen verhindern, dass Aktien überbewertet werden und Spekulationsblasen entstehen.
Hat der Kurs keine eindeutige Richtung nach oben oder unten, spricht man von einem Seitwärtsmarkt bzw. einer Seitwärtsbewegung. Experten nutzen hierbei auch den Terminus Konsolidierung .
Die Deutung von Marktbewegungen
Es gibt eine Reihe von Signalen, vermittels deren Börsenexperten Prognosen über Kursverläufe abgeben. Die Erwartungen der Anleger spielen dabei häufig eine größere Rolle als die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens. Konzentriert man sich ausschließlich auf Anlegererwartungen und die jüngsten Kursentwicklungen, bewegt man sich im Rahmen der Chartanalyse. Analysten versuchen hierbei, die Wendepunkte zwischen Hausse und Baissehervorzusagen und so den Anlegern Tipps zu geben.
Der Chartanalyse widerspricht die Effizienzmarkthypothese. Sie geht davon aus, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer über alle für die Kursverläufe relevanten Informationen verfügen und rational agieren. Da diese Informationen bereits in den Kursverläufen inbegriffen seien, könne man den Markt auf Dauer nicht schlagen.
Die Bärenmarktrallye
Ein für Anleger heikles Phänomen ist die sogenannte Bärenmarktrallye. Dabei kommt es zu starken Zwischenerholungen des Börsenkurses in einem schwachen Finanzumfeld. Die Anleger könnten zu dem Schluss gelangen, dass der Markt sich wieder positiv entwickelt und die Kurse weiter steigen. In Wirklichkeit fallen die Kurse nach dem kurzen Aufschwung allerdings noch stärker.
Ein prominentes Beispiel für diese Art der Kursentwicklung ist der Börsencrash aus dem Jahr 1929. Dabei fielen die Kurse über mehrere Jahre etappenweise ab. Es gab zwar Zwischenerholungen von bis zu 25 Prozent, doch fielen die Kurse nach jeder Aufstiegsphase noch stärker ab.
Die Bärenfalle
Bei der Bärenfalle handelt es sich um eine kurzfristige Abwärtsbewegung der Kurse, die die Anleger zu der Annahme verleitet, dass die Kurse weiter fallen. Sie investieren verstärkt in Leerverkäufe oder spekulieren auf andere Weise auf ein Abfallen der Kurse. Plötzlich kommt es jedoch wieder zu einem Anstieg der Kurse. Die Spekulanten müssen ihre Aktien zu höheren Preisen wieder zurückkaufen. Erkennen sie frühzeitig, dass sie in eine Falle geraten sind, kann sich der negative Effekt noch verstärken.
Geschichtliches
Der längste Bärenmarkt im DAX dauerte insgesamt 868 Tage. Das war im Zeitraum zwischen 1964 und 1967. Der Bärenmarkt mit dem höchsten Verlust wurde zwischen 2002 und 2003 verzeichnet. Dabei verloren die Anleger wegen fallender Kurse insgesamt 59,7 Prozent ihres investierten Vermögens. Ein großer Absturz kurz nach der Jahrtausendwende fand im Jahr 2008 im Zuge der Finanzkrise statt. Dabei stürzte der DAX innerhalb eines Jahres von 8.000 auf 4.500 Punkte ab.
Seit 1959 gab es im DAX 16 Bärenmärkte. Sie dauerten durchschnittlich 519 Tage an. Der mittlere Verlust belief sich auf 35 Prozent.
Christian Weis
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