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24. November 2023

BLACK FRIDAY: Training, Beratung und Coaching verramschen?

Dabei überboten sich die Anbieter mit ihren „sensationellen“ Rabatten. So bot mir zum Beispiel der Anbieter einer Coaching-Ausbildung (anscheinend ein Geizkragen) diese nur mit einem Preisnachlass von einem Drittel an. Ein Anbieter von offenen Seminaren hingegen zeigte sich deutlich großzügiger: Er offerierte mir (und vermutlich vielen anderen Personen und Organisationen) für all seine Seminare, die „bis Ende des 1. Quartals 2024“ stattfinden, einen Preisnachlass von zwei Dritteln, also fast 67 Prozent – sofern das Seminar bis zum 15. Dezember 2024 gebucht und bis zum Jahresende die „Hälfte der Teilnahme-Gebühr“ entrichtet wird; also das Geld auf seinem Konto landet. Was damit passiert, wenn die Seminare im 1. Quartal 2024 – zum Beispiel wegen einer ungenügenden Teilnehmerzahl trotz des „Dumping-Angebots“ – nicht stattfinden, davon erfährt man in der Mail leider nichts.

Wow, Rabatt für das gesamte 1. Halbjahr 2024!

Noch großzügiger ist ein Bildungsanbieter aus Rheinland-Pfalz, von dem ich heute morgen eine Werbemail mit dem Betreff „Letzte Chance: Black Friday – Weiterbildung mit …. um 50% reduziert“ (Anbietername entfernt – Anmerkung). Diese Mail startete mit der Aussage: „Wir finden: In dieser unruhigen und unsicheren Zeit haben Sie sich einen Black Friday der exklusiven Weiterbildung mit … verdient!“ Oh wie erfreulich!

Danach wurde mir folgendes Angebot unterbreitet: „Buchen Sie all unsere Weiterbildungsangebote im 1. Halbjahr 2024 mit … ZUM HALBEN PREIS – solange die noch verfügbaren Plätze reichen!“ Na ja, daran dürfte wohl kein Mangel bestehen, sonst würde dieser Anbieter seine Produkte nicht wie ein Teleshopping-Anbieter vermarkten bzw. verramschen.

Online-Beratungs-, Coaching- und Seminarangebote fast immer gratis

Doch warum sollte ich mich zwecks Weiterbildung oder Beratung überhaupt von meinem Bürostuhl erheben, mich auf den Weg zum betreffenden Anbieter machen und diesem für seine Leistung auch noch Geld bezahlen? Schließlich wurden mir in dieser Woche schon mehr ein Dutzend Gratis-Angebote für Online-Beratungen, -Coachings und -Seminare unterbreitet – fast alle mit so reißerischen Betreffs wie

  • „Einmalige Chance: … “ (selbst wenn ich vom betreffenden Anbieter gefühlt im Wochenrhythmus ein entsprechendes Angebot erhalte)
  • „Nur für Sie:….(selbst wenn die Mail vermutlich an Tausende von Empfängern ging).

Geradezu nüchtern klang im Vergleich dazu hingegen eine Mail, in der mir ein „renommierter, führungserfahrener Coach“ ein kostenloses „Online-Leadership-Coaching“ anbot. Leider musste ich beim Lesen der Mail jedoch feststellen, dass der Coach diese Coachings nur „Inhabern und Geschäftsführern von Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden“ offeriert. So viele Mitarbeiter habe ich leider (oder zum Glück nicht. Also löschte ich diese Mail.

Trainings- und Beratungsleistungen sind keine Wurstsemmeln.

Für alle vorgenannten Anbieter gilt: Sie haben nicht verstanden, dass das Vermarkten von Bildungs- und Beratungsleistungen andere funktioniert als der Verkauf von belegten Brötchen, Klamotten, Schminke und Bratpfannen. Dies gilt insbesondere für einen Berater aus Baden-Württemberg, der Unternehmen „für alle bis zum 31. Dezember 2023 gebuchten Führungskräfte- und Teamentwicklungsprojekte“ einen Preisnachlass von 50 Prozent gewährt.

Dieser Anbieter hat

  • entweder „null“ verstanden, was er verkauft (dann sollte er mal meinen inzwischen schon mehrfach aktualisierten Beratungsmarketing-Klassiker „Die Katze im Sack verkaufen“ lesen), oder
  • er kämpft schlicht ums Überleben.

Dann hat er in der Vergangenheit vermutlich schon vieles falsch gemacht.

(Bernhard Kuntz)

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