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2. August 2024

Expertentalk mit Dieter Richter, Geschäftsführer und Inhaber Alpur AG

Die Alpur AG, gegründet 2015, ist ein Unternehmen, das sich auf hochwertige Bettwaren aus Schweizer Schafwolle spezialisiert hat. Zum Zeitpunkt der Gründung war die Nachfrage nach hochwertigen Bettwaren aus Schafwolle bereits durch mehrere überregionale Unternehmen bedient und nur wenige haben an das Konzept von Dieter Richter geglaubt, regionale, handgefertigte Bettwaren made in Switzerland zu vertreiben.

Dabei überrascht weniger der Erfolg der hochwertigen Produkte aus Schurwolle, einem häufig verwendeten Material, bekannt für seine hervorragenden Eigenschaften wie Feuchtigkeitsregulierung und Wärmespeicherung und solider Handwerkskunst, sondern schlicht und einfach der Zeitpunkt der Gründung sowie die Ausrichtung des Unternehmens.

Die Gründung fiel in eine Zeit, in der Zentralisierung und Globalisierung – genannt sei stellvertretend der internationale Handelsgigant Amazon – das Gebot der Stunde schienen. Zwar eröffnen sich mit dem Internethandel und den Möglichkeiten, sich dort zu präsentieren, auch Nischen und mögliche Kunden können sehr gezielt angesprochen werden, aber dass dies unter anderem zu einer Renaissance traditioneller Handwerkskunst führen würde, überrascht nach wie vor.

Und doch hat sich die Alpur AG, die ihre Rohstoffe so weit wie möglich aus der Schweiz bezieht, genau in dieser Zeit erfolgreich am Markt etabliert und strebt mit ihrem Onlineshop unter schafwolle.ch danach, ihre Marktanteile noch weiter auszubauen.

Business-On: Herzlich Willkommen zu diesem Expertentalk, Dieter Richter, Geschäftsführer, Gründer und Inhaber der Alpur AG. Erzählen Sie uns und unseren Lesern doch bitte zunächst etwas über Ihre persönliche Motivation und die Geschichte hinter der Gründung der Alpur AG.

Dieter Richter: Ich bin eigentlich das, was man einen spätberufenen Quereinsteiger nennt. Natürliche Produkte haben mich privat zwar schon immer interessiert, aber beruflich hatte ich damit keine Berührungspunkte. Vor etwa zehn Jahren hatte ich dann die Möglichkeit, zwei Kleinbetriebe im Schweizer Rheintal zu übernehmen, da deren Inhaber in Pension gegangen sind.

Den größten Teil dieser beiden Firmen haben wir dann in die Alpur AG integriert und weiter ausgebaut. Was uns von vielen Mitbewerbern unterscheidet, ist unser starker Fokus auf den Onlineverkauf: Hier trifft moderne Vertriebsmethodik auf altbewährte Produkte.

Business-On: Sie sind also regional verwurzelt und dem traditionellen Handwerk verpflichtet?

Dieter Richter: Ja, auf alle Fälle. Wir selbst sind ein Kleinbetrieb mit Mitarbeitern aus der Region, und auch unsere Partner und Lieferanten sind kleinere Betriebe oder Familienbetriebe. Viele Arbeitsschritte werden auch heute noch von Hand durchgeführt. Wenn möglich, verwendet man aber natürlich Maschinen, um die Arbeiten präziser und schneller ausführen zu können.

Eine industrielle Produktion gibt es bei uns jedoch nicht und ist auch nicht wirklich möglich. Die Produktionsmengen sind dafür einfach zu klein. Wir gehen auch immer gerne auf spezielle Kundenwünsche ein und stellen ohne großen Aufpreis Einzelstücke in besonderen Größen oder auch Formen her. Das ist dann wirklich noch reines Handwerk.

Business-On: Mit Ihrem Onlineshop möchten Sie aber ein größeres Publikum ansprechen. Glauben Sie, dass Sie sich trotz globaler Billiganbieter, bekannter Discounter oder der Marktmacht der großen Konzerne, die Ihr Segment gewissermaßen im Rahmen umfangreicher Produkte und Dienstleistungen einfach mit bedienen, dauerhaft am Markt etablieren können?

Dieter Richter: Ich bin sicher, dass es einen durchaus großen Markt für hochwertige und regionale Produkte gibt. Selbstverständlich gibt es viele Menschen, die sehr preissensitiv sind und sich eher wenig für Regionalität interessieren. Wir bemerken jedoch, dass immer mehr Menschen Wert auf hohe Qualität und regionale Herkunft legen.

Es ist sicherlich auch so, dass viele kleine Anbieter in unserem Segment den Sprung in den Onlinebereich nicht geschafft haben. Dadurch können wir deren Kunden indirekt übernehmen, was uns natürlich auch hilft.

Business-On: Was macht Sie so zuversichtlich, dass Sie sich mit Ihrem Unternehmen gegen den Trend stellen können?

Dieter Richter: Unser Erfolg zeigt sich deutlich in den verkauften Mengen und Umsätzen. Jahr für Jahr verzeichnen wir erfreuliche Zuwächse bei Umsatz und Stückzahlen. Zudem ist das Bewusstsein für Regionalität und Nachhaltigkeit in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Business-On: Wenn man Ihre Homepage besucht, wird zumindest der Deutsche Besucher bereits mit einer Schweizer Besonderheit überrascht. So bezeichnen Sie eine Ihrer Produktgruppen als Duvets. Für die nicht französisch sprechenden Leser: Worum handelt es sich hierbei genau?

Dieter Richter: Es ist ganz einfach: Ein Duvet ist eine normale Bettdecke. In der Schweiz verwendet man beide Begriffe, allerdings ist Duvet stärker verbreitet. Im Bereich Bettwaren gibt es übrigens noch öfter solche unterschiedlichen Bezeichnungen. So sagt man etwa in Österreich auch immer noch „Polster“, während man ansonsten im deutschsprachigen Raum von einem Kopfkissen spricht.

Business-On: Neben den Klassikern der Bettwaren finden sich aber auch ungewöhnliche Produkte wie Yogamatten in Ihrem Angebot. Wie kam es dazu und ist eine weitere Verbreiterung des Angebots geplant?

Dieter Richter: Unsere Kunden haben uns auf natürliche Yogaprodukte angesprochen, weshalb wir diese ins Sortiment aufgenommen haben. Da es jedoch bereits viele Naturprodukte in diesem Bereich gibt, werden wir das Angebot nicht zusätzlich erweitern. Das ist einfach ein recht umkämpfter Markt.

Derzeit erweitern wir unser Sortiment um Produkte aus Schweizer Alpakawolle. Alpaka ist ebenfalls eine ausgezeichnete Naturfaser, und in der Schweiz gibt es derzeit etwa 10.000 Alpakas und Lamas, was einen entsprechenden Nachschub an Wolle gewährleistet. Wir sind gespannt, wie diese Produkte bei unseren Kunden ankommen werden.

Business-On: Wie gut kennen Sie Ihre Kunden? Sprechen Sie da ein bestimmtes Käufersegment gezielt an bzw. sind Ihre Produkte bei bestimmten Käuferschichten besonders begehrt? Falls ja, wer ist das? Ist das ökologie- und gesundheitsbewusste Großstädter oder sind das eher traditionell eingestellte Landbewohner, die die Region und das Handwerk wertschätzen?

Dieter Richter: Wir kennen unsere Kunden sehr gut. Dies liegt teils daran, dass wir sie am Telefon beraten, und teils daran, dass wir Umfragen durchführen, um sie besser kennenzulernen.

Die Kunden aus ländlichen Gebieten haben Wollprodukte eigentlich schon immer genutzt und schätzen es, dass sie nach wie vor in gewohnt guter Qualität erhältlich sind. In den städtischen Gebieten sind es vermehrt jüngere und mittelalte Kunden, die auf der Suche nach Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und Regionalität sind.

Business-On: Gibt es so etwas wie ein Bio-Siegel in Ihrer Branche und streben Sie eine entsprechende Nachhaltigkeitszertifizierung an?

Dieter Richter: Wir selbst sind nicht bio-zertifiziert, da viele unserer Zulieferer Kleinstbetriebe sind und daher keine Zertifizierung haben. Bei Schafzüchtern, die nur 20 oder 30 Schafe halten, lohnt sich der Aufwand einer Zertifizierung oft nicht.

Die Branche ist jedoch sehr klein, und man kennt sich untereinander gut. So können wir auch immer sicher sein, dass die Tiere gut behandelt werden. In der Schweiz werden Schafe übrigens nicht wegen der Wolle gezüchtet, sondern sie erfüllen wichtige Aufgaben beim Abgrasen von Hügeln und Weiden in unseren Alpen. Die Wolle ist dabei eher ein Nebenprodukt.

Bei den Stoffen verwenden wir aber natürlich ausschließlich zertifizierte Ware.

Wir sind auch aktives Mitglied im Verein „Pro Wolle Schweiz“, wo wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass Schweizer Wolle wieder die Wertschätzung erhält, die sie früher hatte.

Business-On: Vielen Dank für diese interessanten Einblicke in ein Unternehmen, das sich erfolgreich an der Schnittstelle zwischen Moderne und Tradition bewegt, Dieter Richter, Geschäftsführer und Inhaber der Alpur AG.

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