News·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
7. August 2022

Neuer Fortschritt bei PCR-Tests: Warum Teststrategien im Coronaherbst effizienter werden könnten

Maskenpflicht, Lock-Downs, Testnachweise – das scheint für viele in den Sommermonaten weit weg. Jedoch nicht für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Er warnte jüngst: „Wir könnten im Herbst wieder eine Omikron-Welle bekommen“ und denkt laut über mögliche Maßnahmen nach. Anders als im letzten Winter könnte dabei das PCR-Testen dank neuer Fortschritte deutlich häufiger zum Einsatz kommen als bisher und so eine zuverlässigere Datengrundlage für die Pandemiebekämpfung liefern.

Bioingenieur: „Viele Coronatests sind weniger aussagekräftig als allgemein angenommen“

Laut Experten wie dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ist die mangelhafte Datengrundlage eine Achillesferse des Corona-Managements in Deutschland. Für ihn glichen die letzten zweieinhalb Jahre einem „Datenblindflug“, der, so Reinhardt, „keine gute Grundlage für rationale Entscheidungen war.“
Aus Sicht von Michele Gregorini und Phillippe Bechtold, die Bioingenieure und Gründer der Diaxxo AG, bereits seit mehr als sieben Jahren unter anderem PCR-Testgeräte entwickeln, sind die mangelnde Qualität vieler Tests eine zentrale Ursache für die immer noch löchrige Datenlage hierzulande. „Viele Coronatests sind weniger aussagekräftig als allgemein angenommen“, gibt Gregorini zu Bedenken. Das gelte allen voran für die immer noch in der Breite eingesetzten Antigentests, aber auch einige der Point-of-Care PCR-Tests erreichten nicht die notwendige Qualität, so der Wissenschaftler.

Günstig und trotzdem zuverlässig: Mit verbesserten PCR-Tests auf dem Weg zum Goldstandard?

Dass die Antigentests trotz ihrer Schwächen als Mittel der Wahl gelten und deutlich häufiger zum Einsatz kommen als die PCR-Methoden, dürfte vor allem den ungleich höheren Kosten für einen PCR-Test geschuldet sein. Bechtold und Gregorini zufolge sind es allen voran die Anforderungen an eine ununterbrochene Kühlkette von der Probenentnahme bis zum Labor, welche die Preise für die regelmäßig zuverlässigeren PCR-Tests in die Höhe treiben. Gemeinsam haben sie deshalb ein Testgerät entwickelt, das auch ohne komplizierte Kühlverfahren, Laborqualität liefert. Mit der Vision den Zugang zu einer sicheren Testdiagnostik für alle Bevölkerungsschichten zu erleichtern, haben die beiden Wissenschaftler der ETH Zürich dazu die Diaxxo AG gegründet. Offenbar mit Erfolg. „Mit unserer Technologie können wir PCR-Tests für weniger als 10 Euro pro Stück anbieten“. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass durch die neue Kosteneffizienz den PCR-Tests in kommenden Pandemiewellen eine neue Bedeutung zukommt. Einer Stellungnahme des Corona-Expertenrats der Bundesregierung zufolge zählt eine „leistungsfähige Testinfrastruktur“ mit deutlich verbesserter Qualitätskontrolle zu den zentralen Herausforderungen für das Winterhalbjahr.

Seriöses Testen oder schnelles Geld? – Zulassungspraxis auf dem Prüfstand

Geht es nach Gregorini und Bechtold, ist dafür auch eine deutlich schärfere Zulassungskontrolle der marktgängigen Tests erforderlich. Denn es gebe immer noch zu viele Anbieter, die mit geringwertigen Tests operierten. „Viele Anbieter haben nicht das Wohl der Bevölkerung im Visier, sondern betreiben nur Geldmacherei“, wird von den Gründern kritisiert. Als Beispiel nennen sie genehmigte Geräte, die auf eine Säuberung der RNA in den Proben verzichteten und so weniger Akkurate Ergebnisse ermöglichen. Was zunächst technisch klingt, könnte für die Glaubwürdigkeit der Pandemiepolitik zu einem ernsthaften Problem werden. Sollte die Politik die Zügel für die Testzulassungen anziehen, dürfte sich auch der Kreis der Anbieter deutlich verkleinern. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, fokussierten sich Gregorini und Bechtold deshalb schon früh neben dem Preis auf eine einfache Handhabung, die das Testen mobil und schnell möglich macht.

Mehr als nur Corona: Multisensible Testgeräte als Teil des globalen Infektionsschutzes

Auch wenn in der öffentlichen Gesundheitsdebatte Corona das allbeherrschende Thema ist, zeigt nicht zuletzt das Auftreten der Affenpocken: Auch andere Infektionskrankheiten wie etwa Malaria oder Dengue stellen die Gesundheitssysteme überall auf der Welt immer wieder vor neue Herausforderungen. Testanbieter, wie auch die Diaxxo AG setzen deshalb vermehrt auf Technologien, mit denen sämtliche Viren bestimmt werden können. So wollen sie nicht nur der Corona-Pandemie etwas entgegensetzen, sondern gleichzeitig den Gesundheitsschutz gegen Infektionskrankheiten global stärken.

Bildquellen:
Teilen:
Weitere Artikel
Interview: Wie professionelle Gebäudereinigung zum Produktivitätsfaktor für den Mittelstand wird
Expertentalk
Interview: Wie professionelle Gebäudereinigung zum Produktivitätsfaktor für den Mittelstand wird

Professionelle Gebäudereinigung ist für den Mittelstand kein reiner Kostenpunkt, sondern kann ein Produktivitätsfaktor sein: Saubere Büros können dazu beitragen, Krankmeldungen zu reduzieren, die Konzentration zu unterstützen und bei Kundenterminen einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Wie kleine und mittelständische Unternehmen die Reinigung strategisch aufsetzen, welche Fehler häufig passieren und warum ein verlässlicher Dienstleister mehr wert sein kann als der günstigste Anbieter, erklärt Marc Forczak, Geschäftsführer von MJ Dienstleistungen. Das Unternehmen betreut private Haushalte ebenso wie Büros und gewerbliche Objekte und ist Experte für Gebäudereinigung in Oberursel. Interview mit der Geschäftsführung der MJ Dienstleistungen GbR: Marc Forczak business-on.de: Das Thema Sauberkeit im Unternehmen wird oft unterschätzt. Unser Motto heute lautet daher: „Reinigung ist keine Nebensache, sondern Teil der Betriebsorganisation“. Herr Forczak, viele Unternehmer sehen Gebäudereinigung als reinen Kostenpunkt. Ist das ein Denkfehler?

4 Min. LesezeitLesen
Schädlingsbefall im Betrieb: „Wer zu lange wartet, zahlt doppelt" – Interview mit einem Berliner Kammerjäger
Expertentalk
Schädlingsbefall im Betrieb: „Wer zu lange wartet, zahlt doppelt" – Interview mit einem Berliner Kammerjäger

Schädlingsbefall ist für Unternehmen ein handfestes Betriebsrisiko: Ratten in der Gastronomie, Bettwanzen in der Ferienwohnung oder Wespen im Bürogebäude können Umsatzausfälle, Imageschäden und behördliche Beanstandungen nach sich ziehen und treffen kleine Betriebe oft härter als große Ketten. Wie Gewerbebetriebe und Hausverwaltungen professionell reagieren und was echte Prävention leisten kann, erklärt ein erfahrener Kammerjäger in Berlin im redaktionellen Gespräch. Das Familienunternehmen Klaus G. Hagenlocher UNEX Service e.K. ist nach eigenen Angaben seit 1972 in Berlin, Potsdam und dem Berliner Umland tätig und betreut Gewerbebetriebe, Hausverwaltungen sowie Privatkunden. „Schädlingsbefall ist ein unternehmerisches Risiko, kein hygienisches Detail" business-on.de: Herr Hagenlocher, wann wird Schädlingsbefall für einen Betrieb wirklich gefährlich?

4 Min. LesezeitLesen
„Sicherheit ist Chefsache, aber Handwerk zugleich" – Interview mit der WSM Wachschutz GmbH Mittweida über modernen Objektschutz im Mittelstand
Expertentalk
„Sicherheit ist Chefsache, aber Handwerk zugleich" – Interview mit der WSM Wachschutz GmbH Mittweida über modernen Objektschutz im Mittelstand

Moderner Objektschutz im Mittelstand verbindet heute stationäre Präsenz, mobile Streifen und eine erreichbare Leitstelle zu einer durchgehenden Sicherheitskette. Wie das in der Praxis aussieht, erläutert die Geschäftsleitung der ws-mittweida.de im Interview. Einbruchsversuche auf Gewerbeflächen, Vandalismus an Baustellen oder Grauzonen im Empfangsbereich: Wer in Sachsen ein Unternehmen führt, muss sich zunehmend mit Sicherheitsfragen beschäftigen, für die im Tagesgeschäft eigentlich keine Zeit bleibt. business-on.de: Viele Mittelständler unterschätzen das Thema Sicherheit, bis etwas passiert. Woran liegt das? Thomas Fischer: Sicherheit ist eines dieser Themen, die im Alltag unsichtbar sein sollen. Solange nichts passiert, wirkt jede Investition wie ein Kostenblock ohne Ertrag. Erst nach einem Einbruch, einer Sachbeschädigung oder einem Zwischenfall im Empfangsbereich stellt sich die Frage: Warum haben wir das nicht vorher geregelt? Genau an dieser Stelle setzen wir an. Unser Ziel ist nicht, Angst zu erzeugen, sondern gemeinsam mit Ihnen als Kunde das reale Risiko sauber einzuschätzen bei einer Produktionshalle sieht das anders aus als bei einer öffentlichen Einrichtung oder einem Logistikstandort.

4 Min. LesezeitLesen
Zur Startseite