Nachhaltigkeit und Immobilien – Widerspruch oder Symbiose?

Immobilien gelten traditionell als echte Energiefresser – Woran liegt das und was können sowohl gewerbliche als auch private Eigentümer unternehmen, um Energie einzusparen?
Fakt ist, dass die meisten Objekte in Deutschland Bestandshäuser und Altbauten sind. Diese Objekte in einen energieeffizienten Zustand zu transformieren, ist standesgemäß mit enorm hohen Kosten verbunden.
Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit bis zu 135 Quadratmetern Größe, können die Kosten teilweise bis zu 80.000 EUR und mehr betragen. Die Frage nach der Finanzierung überfordert daher viele Eigentümer.
Für gewerbliche Immobilien gilt der Faktor Heizung allerdings nicht im gleichen Maße. Oft sind es verschiedene Quellen gleichzeitig, die hohe Mengen an Energie binden – unabhängig davon, ob es sich um Strom, Öl, Gas, Heizung oder Abwärme handelt.
Unternehmen reagieren bei der Umrüstung in einen energieeffizienten Zustand insofern sehr skeptisch, da der Return on Investment (ROI) erst in einigen Jahren oder teilweise Jahrzehnten eintritt. Hohe Investitionen werden daher in manchen Fällen als Belastung gesehen, obwohl die ökologischen und ökonomischen Kosten höher werden, je länger damit gewartet wird.
In beiden Situationen gilt: Förderungen nicht automatisch einkalkulieren. Denn diese öffentlichen Gelder müssen erst noch bewilligt werden, was in der großen Mehrheit der Fälle nicht garantiert ist.
Haben Sie Tipps und Ratschläge für Eigentümer?
Den größten Fehler, den Eigentümer immer wieder begehen ist es, sich auf die staatlichen Förderungen ohne Bedenken zu verlassen. Diese Maßnahmen sind allerdings nicht 100% gesichert. Bei einem mittleren, fünfstelligen Volumen kann also nicht direkt davon ausgegangen werden, dass ein wesentlicher Teil durch öffentliche Gelder abgedeckt wird.
Privaten Eigentümern rate ich zuallererst eine gründliche Bestandsaufnahme des Objektes zu vollziehen: Wie gut ist die Dämmung? Wie luftdurchlässig sind die Fenster? Wie viel Energie stellt die Wärmepumpe zur Verfügung? Wer sich diese Fragen bspw. in Form einer Bestandsaufnahme von einem Energieberater beantworten lassen kann, weiß auch woran er ist.
Vor umfangreichen energetischen Sanierungen helfen zudem schon kleine Tipps im Alltag. Nutzer der Immobilien können bereits über den Nachtmodus mehr einsparen, als wenn der Regler voll runtergestellt wird, um dann nach wenigen Stunden wieder auf Stufe 3 oder Stufe 4 aufgedreht zu werden. Auch hilft das Abdichten von Türen und eine moderne Dämmung, um unnötigen Verlust von Energie zu verhindern.
Vermieter wiederum sollten gerade die Mieter mit längerfristigen Mietverhältnissen gut einbinden. Dazu können Familien und Selbstständige gehören. Wer die Notwendigkeit von höheren Kosten – etwa 8% von der Miete – gut begründen kann, wirkt so auch nicht wie ein eisenharter Geldeintreiber.

Florian Bauer
Welche Projekte zur Energieeinsparung lohnen sich in welchen Lagen (A-, B-, C-Lagen)?
Grundsätzlich profitieren A-Lagen natürlich von der großen Dichte an Dienstleistern inklusiver der Fachkräfte, die durch kürzere Transportwege schneller das Objekt erreichen. Dafür mehren sich die Preise für eine Sanierung umso mehr.
Wenn beispielsweise Sanierungsmaßnahmen pro Quadratmeter gut und gerne 700 bis 1.000 EUR kosten, fühlt sich das so an wie der zweite Kauf eines Objektes. Die energetische Sanierung kann so schnell zur Unmöglichkeit werden.
C-Lagen wiederrum leiden unter schlechterer Anbindung und einem Mangel an Firmen, die sich bei der energetischen Sanierung auskennen.
So gesehen machen kleinere Einzelmaßnahmen, je nach A-, B- oder C-Lage schon heute auf jeden Fall Sinn. Langfristig werden aber in erster Linie die Top 7-Städte von voraussichtlich sinkenden Kosten für bspw. energetische Sanierungen profitieren.
Welche Beispiele fallen Ihnen ein, in denen sich der Gesetzgeber in der Vergangenheit im Weg stand?
Meiner Meinung nach haben wir uns zu lange auf günstige Energie aus dem Ausland verlassen. Gas oder Strom konnte günstig eingekauft werden, ohne dass groß nachgedacht wurde.
Der Krieg und die damit verbundene, temporäre Gasknappheit führte schlussendlich zu enormen Kostensteigerungen, die wir nicht einkalkuliert haben. Investitionen in alternative und erneuerbare Technologien, wurden zeitgleich verschoben.
Im Detail wurden auch den normalen Bürgern zu viele Steine in den Weg gelegt. Jahrelange war es beispielsweise verboten, PV-Anlagen, statt auf dem Dach auch auf privaten Grünflächen zu installieren. Unausgeschöpftes Potential blieb so lange ungenutzt und kann jetzt endlich wahrgenommen werden. Zudem kommen Konzepte wie der Mieterstrom erst in diesen Tagen auf die Strecke. Bei diesem Prinzip wird Strom an Mieter weitergeben, ohne dass der Energieversorger preislich eingreift.
Mit Blick auf die Strompreisbremse sieht man zudem, dass auch bei Erneuerbaren die Zufallserlöse abgeschöpft werden. Diese wurden jedoch erwirtschaftet, weil andere Energieträger deutlich teurer wurden. Nun bittet man also auch die Energieträger zur Kasse, die der dedizierte Weg aus der Krise sein sollen.
Von welchen Trends erhoffen Sie sich für die Zukunft die meiste Wirkung?
Ich denke, dass es neben Mieterstrom auf drei Trends ankommt, die der grünen Transformation des Immobiliensektors mittelfristig einen kräftigen Schub verleihen.
Dazu gehört der Faktor Energy Sharing, wobei überschüssige Energie durch Solaranlagen sinnvoll an Nachbarn weitergegeben wird.
Außerdem wird phasenweise die „gemeinsame Eigennutzung“ von Energie vereinfacht. Mehrere Häuser können auf diesem Wege über einen Anschluss von einer einzelnen PV-Anlage profitieren und den nachhaltigen Verbrauch von Energie effizienter gestalten.
Zudem sehe ich Wallboxes für E-Autos und Handwerksbetriebe als großes Plus. Diese kleinen Ladestationen können problemlos an Säulen oder Wände befestigt werden und bspw. Geräte oder Fahrzeugen aufladen. Der Zugang zu all diesen Assets sollte weiterhin vereinfacht werden.
- Titelbild: Foto von Dom J
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