PwC-Experte: „Disruptive Kraft von KI wird bisherige Verwaltungsreformen in den Schatten stellen“

Künstliche Intelligenz (KI) birgt enormes Potential für den öffentlichen Sektor, wird bisher aber nur unzureichend genutzt. Derzeit werden vor allem Chatbots und Robotic Process Automation (RPA) zur Service- und Prozessautomatisierung eingesetzt. „Klar ist: Die disruptive Kraft von KI wird bisherige Verwaltungsreformen in den Schatten stellen. Jetzt gilt es, diesen Wandel proaktiv zu gestalten. Denn die Disruption durch KI kann zahlreiche Problemstellungen wie den Fachkräftemangel in der Branche lösen“, sagt Dr. Mario Walther, Partner bei PwC Deutschland und Experte für Digitalisierung in der Verwaltung. Es sei höchste Zeit, dass der öffentliche Dienst aktiv die Chancen von KI auslote, um einerseits den Mitarbeitenden in der Verwaltung die Arbeit zu erleichtern und andererseits in ganz praktischen Anwendungsfeldern Nutzen daraus zu ziehen – ob im Verkehrs- und Gesundheitswesen, bei Umwelt und Nachhaltigkeit, Steuern und Finanzen oder Arbeit und Sozialem. „Für all diese Felder lassen sich konkrete Anwendungsszenarien skizzieren, die einen direkten Einfluss auf die tägliche Arbeit in den Verwaltungen versprechen, auch unter Berücksichtigung der Nutzerperspektive und der regulativen Rahmenbedingungen“, sagt Walther.
Beispiel 1: ÖPNV bedarfsgerecht planen durch Bewegungsdaten in Echtzeit
Um die Mobilitätswende zu realisieren, soll der öffentliche Nahverkehr bestmöglich ausgebaut werden. Bisher dienen vor allem periodische Fahrgastzählungen als Grundlage, um den Bedarf zu ermitteln und hochzurechnen. Durch aktuelle Bewegungs- und Mobilitätsdaten der Bürgerinnen und Bürger, die DSGVO-konform erhoben werden, kann eine KI in Echtzeit die Bewegungspfade von Menschenmengen, Mobilitätsarten, Trends und Anomalien erkennen. Dank dieser Daten können Stadtverwaltung und Nahverkehrsanbieter das ÖPNV-Angebot gezielt an den Bedarf der Bevölkerung anpassen, sodass der Individualverkehr reduziert werden kann.
Beispiel 2: Zustand von Wäldern tracken und vorhersagen
Ein Anwendungsszenario im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit ist ein KI-Monitoringsystem von Wäldern. Durch die Zunahme von Extremwetterereignissen wird das Monitoring von Wäldern und Baumbeständen immer wichtiger, denn auch die verursachten Schäden nehmen zu. Durch maschinelles Lernen lassen sich große Menge unstrukturierte Daten zu Baumbeständen analysieren, dadurch können beispielsweise Mitarbeitende in Umweltministerien und -behörden Aussagen über den Zustand des jeweiligen Waldes treffen. Neben dem Monitoring wird es möglich, den Einfluss zukünftiger Ereignisse besser vorherzusagen, sodass die Behörden frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten können.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Auf dem Weg zur effizienten Nutzung von KI sind in der Praxis allerdings einige Steine aus dem Weg zu räumen, sagt Mai Lan Nguyen, Senior Managerin bei PwC Deutschland: „KI kann für den öffentlichen Dienst ein Meilenstein sein und zahlreiche Herausforderungen für Mitarbeitende lösen. Gleichzeitig muss ein umfassendes Verständnis über die Einsatzmöglichkeiten und konkrete Anwendung von KI-Systemen geschaffen werden.“ Denn die Erfahrung zeigt: Selbst wenn Behörden Anwendungsfälle identifiziert und für gut befunden haben, können KI-Projekte möglicherweise scheitern oder nicht zum gewünschten Erfolg führen. Zu den Ursachen zählen beispielsweise fehlende infrastrukturelle Rahmenbedingungen, unzureichende Akzeptanz oder mangelnde Kenntnisse der Mitarbeitenden. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, anhand greifbarer Beispiele erste Anwendungsfälle zu testen und Wissen über die Implementierung und Chancen von KI im öffentlichen Dienst zu etablieren.
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- Titelbild: Foto von Gertrūda Valasevičiūtė auf Unsplash
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