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1. November 2021

Antje Grieseler: Deutsch-französisches Fachwissen für erneuerbare Energien & Europas Energiewende

In Frankreich ist seit Monaten ein Gesetz für eine neue Einspeisevergütung für Solarprojekte mit Netzanschluss bis 2011 im Raum. Wie haben Sie bei Leonidas Management die vergangenen Monate erlebt?

„Zunächst waren wir geschockt. Wir haben uns für Frankreich als Investitionsstandort entschieden, da es für uns ein sehr zuverlässiges Land ist, gerade was seine Rechtssysteme, die Regierung aber auch den Staatshaushalt angeht.

Dann kam eine Phase der Verwirrung, ich kann es nicht anders sagen. Die vorgelegten Entwürfe zur Umsetzung des im Dezember 2020 beschlossenen Haushaltsgesetzes, das unter anderem eine Reduzierung der Solareinspeisevergütung beinhält, wurden am laufenden Band geändert. Sowohl in Bezug darauf, welche Anlagen betroffen sein werden, als auch in welcher Höhe gekürzt wird und welche Bedingungen zu erfüllen sind, um eine Ausnahmeregelung beantragen zu können.

Am 27.10.21 wurde das „Arrête“ nun veröffentlicht, gültig ist es ab 1.12.2021. Wir sind aktuell bei der Analyse.“

Wie kam es zu ihrem sehr aktiven Engagement in dieser sehr politischen und herausfordernden Zeit, besonders mit Blick darauf, dass Sie sich als deutsche Unternehmerin in Frankreich aktiv einsetzen?

„Zum einen liegt mir der Ausbau erneuerbarer Energien generell sehr am Herzen, und bei einem Flächenland wie Frankreich wäre ein deutlich höherer Anteil möglich als das, was wir momentan sehen. Zum anderen ist Frankreich für mich ein perfektes Land für Investitionen, nicht nur in erneuerbare Energien, auch in Immobilien, Infrastruktur etc.. Eine nicht „investoren- und bankenverträgliche“ Reduzierung würde hier sicher Hürden für zukünftige Investitionen aus dem Ausland in Frankreich entstehen lassen.

Deshalb möchte ich einen Beitrag dazu zu leisten, dass mit der Reduzierung des Solar Tarifes, die auf jeden Fall kommen wird, trotzdem weiterhin eine Rendite für die Anleger erwirtschaftet werden kann.“

Welche Auswirkungen sind bei der Verabschiedung des Gesetzes für den Solarmarkt in Frankreich, aber auch für teilnehmende Akteure aus Deutschland zu erwarten?

„Das wird von der finalen Ausgestaltung der Umsetzung abhängen. Die Tendenz, die ich sehe, geht dazu, dass insbesondere sehr große Freiflächenanlagen mit etlichen installierten MW stark betroffen sein könnten. Das würde dann sicher dazu führen, dass Akteure aus Deutschland bei Investments zukünftig vorsichtiger sein werden in Frankreich. Dies wird dann übrigens nicht nur Investments im Bereich Erneuerbare Energien betreffen – deutsche Anleger werden sich allgemein fragen, ob Frankreich auch in anderen Sektoren getroffene Absprachen rückwirkend revidieren könnte. Es könnte aber auch infolgedessen, dazu kommen, das verstärkt für große Projekte direkte Stromabnahmeverträge mit dem Verbraucher, z.B. Unternehmen mit hohem Strombedarf, abgeschlossen werden.“

Wie hat sich Ihre Sichtweise für den Standort Frankreich als Treiber erneuerbarer Energieprojekte durch diese Situation verändert?

„Ehrlich gesagt nicht wirklich. Nächstes Jahr ist Präsidentschaftswahl, Covid-19 hat enorme Kosten verursacht, die Energiekosten steigen, es gibt viele Gründe, warum es hierzu gerade jetzt Diskussionen gibt.

Fakt ist, dass es neben der Diskussion über die Reduzierung des Tarifes für Solaranlagen auch umfangreiche Aktivitäten gibt, die zeigen, dass Frankreich bei den erneuerbaren Energien weiterhin vorangehen will. Das sind zum einen große Wind-Off-Shore Projekte, die im Jahr 2021 im Genehmigungsprozess große Schritte gemacht haben, aber auch die vielen neuen kleinen 100 kW Solar-Anlagen, die ich mittlerweile überall im Land entdecke.“

Welche Erkenntnisse konnten Sie in der langjährigen Arbeit im deutsch-französischen Energiemarkt über die Eigenheiten der Märkte mitnehmen?

„In Deutschland wurde von Seiten der Netzbetreiber weniger reglementiert, wohl auch weil es hier einen Wettbewerb gibt.

In Frankreich ist der Netzbetreiber i.d.R. ENEDIS, ein Staatsunternehmen, und es gibt vielfältige Vorschriften und Reglementierungen. Auch die Stromabnahmeverträge werden eigentlich fast ausschließlich mit einem Unternehmen, EDF, abgeschlossen.

In Deutschland begann das Thema Solarstrom mit der Installation von Solarpanels auf privaten Dächern zur Eigenstromversorgung; das war möglich aufgrund der vorhandenen Verträge zwischen den Hauseigentümern und dem Stromversorger. Das wurde mit der Zeit unter anderem durch Netzabgaben erschwert. In Frankreich begann das Thema Solar mit der Installation von großen Anlagen durch Investoren. Das Thema Eigenstrom steckt immer noch in den Kinderschuhen.“

Was müssen deutsche Investoren, seien es private oder institutionelle, bei Investments in Frankreichs Energiemarkt beachten? Wie können Sie diese dabei unterstützen?

„Wichtig ist es insbesondere die Vorschriften und Auflagen zu beachten, die nicht nur für die Errichtung gelten, sondern auch für die Betriebszeit – und die sich während der Laufzeit durchaus auch ändern, vor allem verschärfen können.

So unterliegt der Austausch von Modulen oder Wechselrichtern, insbesondere wenn wie meistens keine baugleichen Komponenten mehr eingebaut werden (können) strengen Auflagen und Vorgehensweisen. Hier können wir Hilfestellung bei der Kommunikation mit ENEDIS (Netzbetreiber) geben, eventuell notwendige Verhandlungen mit EDF führen und die Registrierung erledigen.

Ein anderes Thema: Die in der Genehmigung festgelegten erforderlichen Umweltverträglichkeitsprüfungen während der Laufzeit sind nur ein erster Ansatz, für das, was in der Betriebsphase zu tun ist. Regelmäßig werden die Auflagen von den französischen Behörden erweitert und es gibt neue Veröffentlichungen von Richtlinien, die man kennen muss. Auch hier können wir unterstützen, unsere Juristen sind immer auf dem Laufenden und können die Änderungen erklären und auch bei der Umsetzung und der Verhandlung insbesondere mit der DREAL (französische Umweltbehörde) helfen.“

Als Akteurin inmitten von Europas Energiewende: Wie sehen sie die gesteckten Ziele und Maßnahmen, diese zu erreichen?

„Ich bin ein grundsätzlich positiv denkender Mensch, von daher, wir werden das schaffen vielleicht nicht ganz im aktuell gesteckten Zeitrahmen. Allerdings denke ich, dass die Energiewende nicht alleine von Investoren geschafft werden wird. Also nicht nur durch große Solar- oder Windprojekte, sondern es Bedarf hierzu vieler kleiner Teilnehmer, so wie es in Deutschland einmal begonnen hat, und das optimiert mit der heute verfügbaren Technik, im Bereich Speicher, aber auch im Bereich Elektromobilität.

Positiv stimmt mich insbesondere die bunte und junge Mischung im neu gewählten deutschen Bundestag.“

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