fbpx
Connect with us

Hi, what are you looking for?

Wirtschaftslexikon

Die Inventur – eine regelmäßige Bestandsaufnahme

Für bilanzierende Unternehmen ist es Pflicht, einmal im Jahr eine Inventur durchzuführen. Das meint, dass alle Vermögensgegenstände und Schulden, die in einem Unternehmen vorliegen, in einer Bilanz festgehalten werden müssen. Die Inventur erfolgt körperlich (durch Wiegen, Zählen oder Messen) oder auch buchmäßig.

Kzenon / Fotolia.com

Eine Inventur ist verpflichtend zu erfüllen

Eine derartige Bestandsaufnahme ist gesetzlich geregelt. Im §240 HGB und in den §§ 140 und 141 Abgabeordnung ergeben sich diese Pflichten. Die Abschlüsse eines Jahres werden demnach aufgrund jährlicher Bestandsaufnahmen erstellt. Entweder wird die Inventur am sogenannten Bilanzstichtag, am 31.12., durchgeführt, oder in den 10 Tagen davor oder danach. Diese Art der Listenerstellung nennt man zeitnahe Inventur. Eine zeitverschobene Inventur kommt dann zum Tragen, wenn durch ein Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren eine tatsächliche Bewertung zum Bilanzstichtag sichergestellt ist. Dies ist entweder innerhalb der letzten drei Monate vor oder an einem Tag zwei Monate nach dem Stichtag möglich.

Generell gilt: Man muss die Inventur nur dann durchführen, wenn auch eine Bilanz (zur Definition Bilanz) entsteht.

Wer keine Inventur veranlasst, bietet keine Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Buchführung . Ist dies der Fall, ist das Finanzamt gezwungen, den Gewinn des jeweiligen Unternehmens zu einem bestimmten Teil oder vollständig zu schätzen.

So sieht ein perfektes Inventar aus

Die Niederschrift der Inventur befindet sich im sogenannten Inventar. Dies meint eine umfangreiche Liste derjenigen Gegenstände, die einem Unternehmen angehören. Dabei ist es nicht von Belang, ob diese einen Wert besitzen oder nicht. Der Unternehmer muss das Inventar am Ende unterzeichnen.

Um auch Aufschlüsse aus der Auflistung ziehen zu können, sollte diese die nachfolgenden Angaben beinhalten. Diese Punkte müssen für jedes einzelne Produkt durchgeführt werden:

  • Die exakte Menge (Gewicht, Maß, Zahl). Dies geschieht durch das Zählen, das Wiegen oder das Messen. Auch mathematisch-statistische Methoden sind zulässig.
  • Eine allgemeingültige und anschauliche Bezeichnung des Gegenstandes (hierbei kann auf die Art, die Größe oder auch die Artikelnummer verwiesen werden)
  • Wert der Maßeinheit. Die Inventur sollte im Vorfeld gut vorbereitet worden sein, sodass das Inventar auch verständlich ausfällt.

Bei der Inventur unterscheidet man drei verschiedene Verfahren. Da gibt es einmal die körperliche Inventur, die Buchinventur und die Anlageninventur.

Körperliche Inventur:

Bei dieser Form der Inventur werden die Vermögensgegenstände durch Wiegen, Messen oder Zählen aufgenommen. Weiterhin möglich ist eine Schätzung mit anschließender Bewertung. Das ist allerdings nur dann möglich, wenn eine genaue Aufnahme unwirtschaftlich wäre. Ein Beispiel hierfür sind Kohle- oder Sandvorräte auf Halde.

Buchinventur:

Bei dieser Form der Inventur werden die Bestände des nicht verkörperlichten Vermögens und der Schulden erfasst. Dabei kann es sich um Verbindlichkeiten, Bankguthaben, Forderungen oder ähnliches handeln. Die Inventur erfolgt dabei anhand von Quittungen und Belegen.

Anlageninventur:

Zu guter Letzt gibt es noch diese Form der Inventur. Sie stellt einen Ersatz für eine körperliche Bestandsaufnahme für Güter des beweglichen Vermögens dar. Im Verzeichnis muss für jeden Vermögenswert eine Anlagenkarte mit festgelegten Angaben geführt werden. Zu diesen Angaben gehören:

  • Bezeichnung des Gegenstandes
  • Bilanzwert
  • Anschaffungs- oder Produktionstag
  • Höhe der Anschaffungskosten
  • Nutzungsdauer
  • jährliche Abschreibung
  • Abgangstag

Verschiedene Arten der Inventur nach Zeitpunkt und Frequenz

Ein Unternehmen hat die freie Wahl, ob es sich für eine Stichtagsinventur, eine verlegte oder eine permanente Inventur entscheidet. Wenn allerdings unkalkulierbare Risiken zu befürchten sind (z. B. bei Verderb oder Schwund), ist allein die zeitnahe Bestandsaufnahme zulässig. Das ist auch bei Gütern der Fall, die besonders wertvoll sind.

Die Stichtagsinventur

Bei dieser Form werden die Bestände an einem festgelegten Aufnahmetag erhoben und in Inventurlisten eingetragen. Das kann beispielsweise am Bilanzstichtag der Fall sein. Zulässig ist auch eine zeitversetzte Aufnahme zehn Tage vor oder nach dem Stichtag. Die Waren werden dabei anhand der Anschaffungskosten bewertet. Bei beschädigter Ware erfolgt eine Abwertung.

Bei der Stichtagsinventur werden die Bestände so abgebildet, wie sie am Ende des Geschäftsjahres tatsächlich vorliegen. Ein Problem besteht hierbei jedoch oft darin, dass der Aufwand verhältnismäßig hoch ist, sodass der Betrieb für die Dauer der Inventur mitunter geschlossen bleiben muss. Auch erhöht sich das Risiko für Fehler.

Die verlegte Inventur

Diese Inventur kommt nur infrage, wenn die Inventur zum Stichtag unmöglich ist. Das kann zum Beispiel bei sehr großen Beständen der Fall sein. Die Bestandsaufnahme erfolgt hier innerhalb von drei Monaten vor oder zwei Monaten nach dem Bilanzstichtag. Der Bestand wird dabei wertmäßig auf den Stichtag fortgeschrieben oder zurückgerechnet.

Die permanente Inventur

Mit der permanenten Inventur ist es möglich, die Bestandserfassung über das Geschäftsjahr zu verteilen. Voraussetzung hierfür ist ein sauber geführtes Lagerbuch. Außerdem sind nachprüfbare Unterlagen für alle Zu- und Abgänge erforderlich. Eine körperliche Inventur muss mindestens einmal im Geschäftsjahr durchgeführt werden. Der Sollbestand der Lagerbuchführung muss dabei mit dem Istbestand vergleichen werden. Anders als bei der Stichtagsinventur ist es hier nicht erforderlich, dass alle Bestände zeitgleich aufgenommen werden. Die Aufnahmezeiten und –mengen können entsprechend frei gewählt werden.

Der Vorteil der permanenten Inventur besteht darin, dass die Auslastung besser auf das ganze Jahr verteilt und geplant werden kann, beispielsweise wenn die Bestände am niedrigsten sind.

 

Aktualisiert im August 2022

Kontakt zu business-on.de

Wir berichten tagesaktuell über News, die die Wirtschaft bewegen und verändern – sprechen Sie uns gerne an wenn Sie Ihr Unternehmen auf business-on.de präsentieren möchten.

Über business-on.de

✉️ Redaktion:
[email protected]

✉️ Werbung:
[email protected]

Ratgeber

Die Arbeitswelt wird durch eine Vielzahl von Gesetzen reguliert. Ein zentraler Bestandteil davon ist das Arbeitszeitgesetz (ArbZG), welches die Pausen für Arbeitnehmer klar definiert....

Lifestyle

Projektmanagement und Kochen scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch überraschende Parallelen. Beide erfordern Planung, die...

News

Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses ist ein komplexer Prozess, der sowohl rechtliche als auch persönliche Aspekte umfasst. Ob durch den Arbeitgeber oder den Arbeitnehmer initiiert,...

News

Im modernen Arbeitsalltag sind Diensthandys weit verbreitet und unverzichtbar. Doch was passiert, wenn Mitarbeiter diese Geräte auch privat nutzen möchten? Der Umgang mit Firmenhandys...

Ratgeber

Zertifizierungen verschiedener Abläufe oder Verfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gründe dafür stellen zum Beispiel der immer internationaler werdende Handel sowie stets internationaler werdende Unternehmungen...

Personal

Während teilweise noch in den Nuller-Jahren in deutschen Büros kräftig gequalmt wurde, hat sich die Situation inzwischen grundlegend verändert. Arbeitnehmer haben ein Anrecht auf...

Werbung

Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerk – Alles, was Sie 2023 wissen müssen

Weitere Beiträge

News

Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt taucht ein Name seit vielen Jahren regelmäßig auf einem der ersten Plätze auf: Bill Gates. Der...

Finanzen

Das Vermögen von Elon Musk wird derzeit auf etwa 237 Milliarden Dollar geschätzt. Damit überholt er sogar wieder den Franzosen Bernard Arnault, der noch...

News

Jeff Bezos gehört unbestreitbar zu den reichsten Personen der Welt. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 137 Milliarden US-Dollar bleibt der CEO von Amazon...

Ratgeber

Scheinselbständigkeit ist für viele Selbständige, Gründer und Kleinstunternehmer ein Thema, das gerne verdrängt wird. Das liegt vor allem daran, dass Abgaben wie die Beiträge...

Recht & Steuern

Die Buchführung ist das A und O eines Unternehmens. Müssen Unternehmen dem Finanzamt einen Jahresabschluss (Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)) vorlegen, unterliegen sie...

News

Silicon Valley – Atmosphäre in Cloppenburg? Eine ehemalige Paintball-Halle ist das Hauptquartier der „Mission Mittelstand“, des digitalen Beratungs-Teams für kleinere und mittlere Unternehmen. Diese...

Marketing

Point-of-Sale-Marketing ist ein mächtiges Instrument zur Verbesserung des Umsatzes. Abgekürzt POS-Marketing, heißt es eigentlich: Der Kunde kauft mehr, als er ursprünglich wollte. Point-of-Sale ist dabei...

News

Erst im August ist es erschienen, das erste Sachbuch der Unternehmerin Vanessa Weber, in dem sie sehr intime und persönliche Einblicke in das Innenleben...

Werbung