News·
business-on.de Redaktion
business-on.de Redaktion
·
4. Mai 2022

Ohne starkes Handwerk keine Nachhaltigkeit

Die Thematik der Nachhaltigkeit gewinnt bereits seit Jahren an Gewichtung und wirkt sich zunehmend auf Handwerksbetriebe aus. Denn aufgrund der fehlenden Fachkräfte können die ambitionierten Klimaziele des Landes nicht erreicht werden – wie eine Studie aus Freiburg aufzeigt. Auch die Lieferengpässe tragen dazu bei, dass Aufträge kaum bearbeitet werden können.

Der Fachkräftemangel ist längst nicht mehr nur das Problem der Handwerksbranche. Denn die Auswirkungen sind sehr viel weitreichender. Daher sollte auch die Regierung damit beginnen, dem Mangel entgegenzuwirken und die Branche dabei unterstützen, Nachwuchs zu erreichen“, erklärt Deniz Akpinar, Experte der Handwerksbranche. In folgendem Gastbeitrag verrät er, warum das Fehlen der Fachkräfte die Erreichung der Klimaziele beeinflusst und wie dem entgegenzuwirken ist.

Viele Aufträge – wenig Mitarbeiter

„Es ist wichtig, dass sich die Bundesregierung für das Erreichen ehrgeiziger Klimaziele einsetzt. Ein Umstand, der nicht nur dem Planeten helfen und die Zukunft der nachfolgenden Generationen sichern wird, sondern der zugleich einen wahren Boom im Handwerk auslösen könnte“, sagt Deniz Akpinar. Denn letztlich seien es die Handwerker, die für die bauliche Umsetzung der Energiewende sorgen, indem sie Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen installieren. Der Trend der Nachhaltigkeit hat bereits viele Betriebe erreicht und deren Auftragsbücher zuweilen für Monate im Voraus gut gefüllt. Doch damit zeigt sich das Problem des Fachkräftemangels umso schonungsloser, denn schon längst fehlt es an gutem Personal, um alle Aufträge zu erledigen.

Der Mangel an Fachkräften weitet sich aus

Dass in vielen Firmen aktuell kaum genügend Personal vorhanden ist, mag auf unterschiedliche Gründe zurückzuführen sein. Am gravierendsten stellt sich dabei der Umstand ein, dass altgediente Mitarbeiter nach und nach in den wohlverdienten Ruhestand gehen – während gleichzeitig nicht genügend junge Fachkräfte nachkommen, um die frei werdenden Stellen künftig zu besetzen. Die Konsequenzen davon sind jedoch weitreichend, denn sie betreffen längst die Existenz vieler Unternehmen. So mangelt es nicht nur an gut ausgebildeten Kollegen – ebenso fehlen Meister, die bereit sind, einen Handwerksbetrieb zu übernehmen und ihn in die Zukunft zu führen.

Das Handwerk muss auf sich aufmerksam machen

Wie der Fachkräftemangel gelöst werden kann, lässt sich nicht pauschal sagen. Erkennbar ist aber, dass sich die Handwerksbranche wieder attraktiver präsentieren muss. Ihre Aufgabe besteht darin, jungen Schulabgängern und deren Eltern zu vermitteln, dass eine Ausbildung im Handwerk nicht schlechter als ein Studium sein muss. Die Information, dass ein Handwerker einer weitgehend gesicherten Zukunft entgegenblickt, muss stärker Gehör finden. Nur so kann es gelingen, junge Menschen wieder mehr für die Arbeit in den unterschiedlichen Handwerksberufen zu begeistern. Hier ist es also wichtig, die Vermarktung der Branche professioneller durchzuführen – und dafür wird Mut benötigt.

Für mehr Attraktivität sorgen

Sicherlich wäre es demgegenüber wichtig, dass auch die Schulen wieder verstärkt mithelfen, die Absolventen auf eine Ausbildung im Handwerk vorzubereiten. Etwa, indem in den naturwissenschaftlichen Fächern die Grundlagen für ein Wissen gelegt werden, das anschließend im Beruf genutzt werden kann – ein größerer Praxis- und Realitätsbezug ist also sinnvoll. Aber auch die Handwerksfirmen selbst sind gefragt: Sie dürfen sich nicht auf den prall gefüllten Auftragsbüchern ausruhen, sondern müssen ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Von ihnen wird gefordert, sich als gute Arbeitgeber zu präsentierten, die dem Nachwuchs eine Chance für eine optimale Entwicklung und für eine gesicherte Zukunft bieten.

(ots)

Bildquellen:
    Teilen:
    Weitere Artikel
    Der Gesundheitssektor als stiller Wirtschaftsmotor: wie medizinische Infrastruktur regionale Standorte prägt
    Startup
    Der Gesundheitssektor als stiller Wirtschaftsmotor: wie medizinische Infrastruktur regionale Standorte prägt

    Bei der Wahl eines neuen Unternehmensstandorts stehen meist die bekannten Klassiker im Vordergrund. Es wird über schnelle Internetleitungen, gute Autobahnanbindungen oder die Höhe der lokalen Abgaben diskutiert. Doch ein wesentlicher Baustein für eine stabile Wirtschaft bleibt in diesen strategischen Überlegungen oft unerwähnt: die lokale medizinische Versorgung. Dabei sichern Arztpraxen und Krankenhäuser längst nicht mehr nur die Lebensqualität der Bevölkerung. Eine verlässliche medizinische Infrastruktur hat sich zu einem handfesten Kriterium für die Zukunftsfähigkeit ganzer Regionen entwickelt. Wenn die gesundheitliche Versorgung vor Ort gut aufgestellt ist, steigt die Attraktivität des gesamten Wirtschaftsraums.

    4 Min. LesezeitLesen
    Effizienz im Anlagenbau: wie intelligente Logistikkonzepte globale Großprojekte sichern
    Business
    Effizienz im Anlagenbau: wie intelligente Logistikkonzepte globale Großprojekte sichern

    Der internationale Maschinen- und Anlagenbau lebt von globaler Vernetzung. Wenn neue Produktionsstätten entstehen oder bestehende Fabriken erweitert werden, steht die gesamte Organisation vor einer logistischen Meisterleistung. Jedes Bauteil muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, damit das Gesamtprojekt gelingt. Verzögerungen in der Lieferkette führen schnell zu spürbaren wirtschaftlichen Verlusten. Ein stillstehender Kran oder ein fehlendes Bauteil auf der Baustelle blockiert oft ganze Teams und verschiebt die geplante Inbetriebnahme. Die Zuverlässigkeit der Transportwege entscheidet daher maßgeblich über den Erfolg und das Budget von Großprojekten. Standardlösungen stoßen bei diesen Dimensionen jedoch an ihre Grenzen. Weil Industrieanlagen meist aus unhandlichen und schweren Komponenten bestehen, braucht es maßgeschneiderte Konzepte. Die Speziallogistik rückt somit immer weiter in den Mittelpunkt der strategischen Planung.

    4 Min. LesezeitLesen
    Das Büro im Grünen: wie Außenanlagen die Unternehmenskultur messbar verändern
    Arbeitsleben
    Das Büro im Grünen: wie Außenanlagen die Unternehmenskultur messbar verändern

    Der moderne Arbeitsplatz verändert sich spürbar. Während früher ein Kickertisch oder der wöchentliche Obstkorb als Höhepunkte der Unternehmenskultur galten, stehen heute grundlegende Faktoren für das Wohlbefinden im Vordergrund. Unternehmen merken immer häufiger, dass eine durchdachte Arbeitsumgebung die Zufriedenheit und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter direkt beeinflusst. Dabei rückt ein Bereich in den Fokus, der lange Zeit vernachlässigt wurde: das betriebliche Außengelände. Die bewusste Gestaltung von Grünflächen rund um das Firmengebäude ist kein kurzfristiger Trend. Es ist eine strategische Entscheidung, die die Kultur in Betrieben nachhaltig prägt.

    3 Min. LesezeitLesen
    Zur Startseite