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Profiler wissen, was Bewerber wirklich taugen
Der Wunsch, dem Gegenüber hinter die Fassade zu schauen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Das gilt für den privaten Bereich ebenso wie für den Job. „Hätte ich es mal eher gewusst“, lautet oftmals das ernüchternde Fazit eines Arbeitgebers oder Personalers, wenn wieder einmal jemand eingestellt wurde, von dem sich erst im Nachhinein herausstellt, dass er sich nicht für den ausgeschriebenen Posten eignet. Arbeitgeber, die wirklich wissen wollen, ob sich ein potenzieller Arbeitnehmer tatsächlich für einen bestimmten Job eignet, sollten deshalb auf professionelle Hilfe setzen: Ein Profiler etwa verfügt über ein breites Spektrum an Methoden, um im Auswahlverfahren der Bewerber die Spreu vom Weizen zu trennen – also Blender, Betrüger und ihre Lügen von denjenigen Anwärtern, die wirklich Potenzial mitbringen.
Die akribische Arbeit eines Profilers gründet auf feststehenden Formeln. Exakte Berechnungen und unablässige Interpretationen machen es möglich, wirklich wertvolle Hinweise auf Charaktere und deren (zukünftiges) Verhalten zu erhalten. Profiler durchsieben vorhandene Daten und Informationsfragmente nach den zentralen Puzzleteilen und stoßen dabei auf viele weitere, verborgene Fragmente, die es ihnen erlauben, das Charakter-Puzzle fachmännisch zu vervollständigen und das Phantombild des Charakters zum Leben zu erwecken. Insgesamt ist es so möglich, schon im Vorhinein treffsicher zu interpretieren, wie jemand mit einer bestimmten Charakterstruktur auf einem zukünftigen Posten reagiert.
Es gibt drei Arten von Profilern, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten benötigt werden. Der Criminal Profiler kommt dann zum Einsatz, wenn die Tat schon geschehen ist. Character Profiler und Compartment Profiler kommen im Gegensatz dazu schon zum Einsatz, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Der Character Profiler analysiert Charaktere auf Gefahren und Risiken – ergänzt durch das Comportment Profiling. Beim Character Profiling blickt der Profiler dem sprichwörtlichen Gockel unters Gefieder. Er schaut nicht, ob jemand lesen, schreiben oder rechnen kann – an dieser Stelle geht es nicht um Skills. Vielmehr sieht der Profiler darauf, ob ein Bewerber der Verantwortung gerecht werden kann, die ihn in seinem zukünftigen Aufgabengebiet erwartet. Dies hat nicht mit Intelligenz, sondern eher mit Attitude zu tun – also der Einstellung, die der Anwärter mitbringt. Der Profiler tut im Character Profiling nichts anderes als das, was jeder Diagnostiker tut – nur, dass er dabei weitaus tiefer geht. Der betreibt also Eignungsdiagnostik in der Tiefe. Er kann etwa „berechnen“, wie jemand mit Geld umgeht, ohne das Konto zu kennen. Er kann vorhersagen, auf welche Werte jemand loyal zeichnet, ohne in die Kommunikation zu gehen. Und er weiß, wo die Achillesverse eines Menschen sitzt, ohne jemals mit ihm gesprochen zu haben. Dies alles geschieht im Profiling auf Grundlage einer geringen öffentlicher Datenbasis und großer wissenschaftlicher Fortschritte.
business-on.de Redaktion·10. Oktober 2018