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Jamin-Kolumne: Freiheit für Julian Assange!

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

In diesen Tagen gibt es zwei Journalisten, die in Deutschland viele Schlagzeilen machen. Da ist der Gründer und ehemalige Chefredakteur des Magazins „Stern“, Henri Nannen, dem seine Nazi-Propaganda-Vergangenheit wieder einmal angelastet wird. Und da ist der Wikileaks-Gründer Julian Assange, der von England an die USA ausgeliefert werden soll.

Was verbindet nun beide? Zumindest der Promi-Status: Henri Nannen ist, obwohl lange verstorben, nach wie vor einer der berühmtesten Chefredakteure Deutschlands. Eine angesehene Journalisten-Schule wurde nach ihm benannt. Und ein nicht weniger anerkannter Journalisten-Preis.

Auslieferung an USA

Julian Assange ist einer der berühmtesten Journalisten der Welt. Er ist Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Auf ihr wurden u.a. Dokumente von Kriegsverbrechen des US-Militärs in Afghanistan und im Irak erstmals publik gemacht. Alle wichtigen Medien der Welt berichteten darüber.

Assange drohen dafür in den USA – so PEN-Berlin-Sprecher Denis Yücel – „eine aberwitzige Haftstrafe von 175 Jahren“. Vor einem internationalen Haftbefehl flüchtete der ehemalige Computerhacker und Programmierer vor Jahren nach England. Dort entschied sich jetzt die britische Regierung, einem Auslieferungsantrag der USA zuzustimmen.

Asyl für Assange gefordert

Zwei Männer, deren Namen für großen Journalismus stehen. Assange bewies großen Mut, als er sich für die gerechte Sache einsetzte und Geheimdokumente publizierte. Nannen steht einerseits für großen Journalismus des früheren „Stern“, aber auch für ein Mitläufertum unter dem Nazi-Regime, das weite Teile der deutschen Bevölkerung damals an den Tag legte.

Viele setzen sich in diesen Tagen weltweit für den Wikileaks-Mann Assange ein: Amnesty International, die Parlamentarische Versammlung des Europarates, der internationale PEN genauso wie die beiden deutschen PEN-Vereinigungen. Der PEN Berlin forderte die Bundesregierung dringend dazu auf, sich für eine sofortige Freilassung einzusetzen und Assange politisches Asyl zu gewähren.

Symbol für Pressefreiheit

Eine Gesellschaft wie die deutsche, die sich so schwer tut, einen ehemaligen Nazi-Propagandisten wie Henri Nannen zu verurteilen und von seinem Denkmal zu stürzen, sollte sich zumindest ganz besonders darum bemühen, sich für einen wahrhaftig großen Journalisten wie Julian Assange einzusetzen.

Assange ist ein Symbol für die Bedeutung der weltweiten Pressefreiheit geworden. Lassen wir unsere Freiheit und die unserer Presse also daran messen, wie wir uns für Assange einsetzen und wie unsere Regierungen den Wikileaks-Gründe behandeln.

PEN Berlin Pressemitteilung

In einer Pressemitteilung vom 17. Juni 2022 stellt der PEN Berlin, dem ich angehöre, u.a. fest: „PEN Berlin ist schockiert über die Entscheidung der britischen Innenministerin Priti Patel, Julian Assange an die USA auszuliefern. Wir ersuchen die Bundesregierung dringend, sich für seine sofortige Freilassung einzusetzen und ihm politisches Asyl anzubieten.

Dazu muss sie nur halten, was sie versprochen hat. Am 15.9.2021 gab die jetzige Außenministerin Annalena Baerbock als Abgeordnete zu Protokoll: ‚Aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen grundlegende Freiheitsrechte der Europäischen Menschenrechtskonvention im Umgang mit Julian Assange – allen voran gegen das Verbot von Folter (Art. 3), gegen das Recht auf Freiheit und Sicherheit (Art. 5), gegen das Recht auf ein faires Verfahren (Art. 6) und gegen das Recht, keine Strafe ohne Gesetz zu erhalten (Art. 7) – schließen wir uns der Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 27. Januar 2020 sowie dem Appell des UN-Sonderbeauftragten Nils Melzer an und fordern die sofortige Freilassung von Julian Assange.’“

Sieben Jahre Botschaft-Asyl

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Julian Assange befindet sich seit April 2019 im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in Einzelhaft, nachdem er 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London Asyl beantragt und dort fast sieben Jahre als politischer Flüchtling gelebt hat. (…) PEN Berlin setzt sich für seine bedingungslose Freilassung ein: Julian Assange darf nicht an die USA ausgeliefert werden!

Die Auslieferung wäre ein Akt der Justizwillkür und eine Niederlage für die freiheitliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Europa. So gesehen ist Julian Assange der Dreyfus des 21. Jahrhunderts. Wir werden uns mit aller Kraft für den Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit einsetzen, egal von welcher Seite sie verletzt und beschnitten wird.“

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Julian_Assange: Jamin
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