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Jamin-Kolumne: Denkmalschützer mit schwachen Argumenten

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Kunstakademie Düsseldorf

Von den Denkmalschützern in der Bezirksregierung Düsseldorf können die Gegner des Erweiterungsbaus der Düsseldorfer Kunstakademie keine Unterstützung erwarten. Wichtiger als die Umgebung, also auch das „Zubetonieren“ eines Gebäudes, ist die Nutzung.

Während ich genauso wie viele Bürger in der öffentlichen Diskussion kritisiere, dass das historische Bauwerk durch den Erweiterungsbau letztlich ziemlich zugestellt und unsichtbar wird, spielt das für die Düsseldorfer Denkmalschützer nur eine Nebenrolle.

Nutzung vor Ansicht

Für mich persönlich ist das nicht nachvollziehbar. Aber die Denkmalschützer in der Bezirksregierung meiner Lieblingswohnstadt Düsseldorf schreiben in einer Stellungnahme: „Ein wichtiges Anliegen des Denkmalschutzes ist die Nutzung eines Denkmals (vgl. § 8 Denkmalschutzgesetz NRW (DSchG NRW)). Im besten Falle – wie bei der Kunstakademie – wird ein Denkmal für die Zwecke genutzt, für die es erbaut wurde. Eine Aufgabe der Nutzung des Denkmals als Kunstakademie würde bei einer Nach- und Umnutzung erfahrungsgemäß zu schwerwiegenden Eingriffen in die Bausubstanz des Denkmals führen.“

Die Bezirksregierung als Denkmalbehörde „begrüßt zunächst den Versuch, durch eine angemessene Erweiterung die Nutzung des Denkmals als Kunstakademie langfristig zu sichern. Dass dies aufgrund der Restriktionen durch Verkehrs-, Naturschutz- und andere Belange in dieser räumlichen Nähe zum Denkmal erfolgen soll, wird unter dem Aspekt des Umgebungs- und Erscheinungsbildschutzes denkmalrechtlich durchaus als kritisch angesehen.“

Fadenscheinige Begründung

Trotzdem geben die Denkmalschützer grünes Licht für den Erweiterungsbau durch Akademierektor und Architekt Petzinka: „Die Aufrechterhaltung der Kunstakademienutzung im Denkmal durch einen Anbau wird dagegen jedoch überwiegend und positiv bewertet, da hierdurch mögliche gravierende Eingriffe in die denkmalwerte Substanz der Kunstakademie durch eine sonst mögliche Umnutzung vermieden werden.“

Ich finde, das ist ein ziemlich schwaches Argument. Eine eher fadenscheinige Begründung. Denn von einer Umnutzung war ja nie die Rede. Selbst wenn Bereiche der Kunstakademie in ein Gebäude eines anderen Stadtteils ausgegliedert werden würde, könnte ja die Kunstakademie weiterhin als solche genutzt werden.

Beton siegt gegen Historie

Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Der vorliegende Entwurf für einen Anbau reduziert die negativen Auswirkungen eines Anbaus auf das Erscheinungsbild und die Umgebung des Denkmals durch seine zurückhaltende Kubatur und Gestaltung, die Freihaltung und Lenkung des Blicks auf den prägenden Mittelrisalit und größten Teil der Nordfassade der Kunstakademie.“

Das ist Ansichtssache. Offensichtlich sind die Denkmalschützer der Bezirksregierung ziemlich phantasielos. Der Erweiterungsbau der Kunstakademie wird das historische Bauwerk so in den Hintergrund drängen, dass es wie ein Fremdkörper wirken wird. Beton siegt im Zusammenspiel mit historischen Gebäuden fast immer.

Neuer Job für NRW-Landtag

Vielleicht muss sich der Gesetzgeber noch einmal grundsätzlich mit dem Denkmalschutz befassen. „Durch das nordrheinwestfälische Denkmalschutzgesetz ist insbesondere die denkmalwerte Substanz und das Erscheinungsbild des Denkmals selbst geschützt“, erfuhr ich durch die Stellungnahme der Denkmalschützer zum Erweiterungsbau: „Das Vorhaben greift in die Substanz und das Erscheinungsbild (Fassade, Dach, etc.) des Denkmals “Kunstakademie” nicht unmittelbar ein, sondern führt zu einer Veränderung “in der engeren Umgebung des Baudenkmals” (vgl. § 9 Abs. 1 b Denkmalschutzgesetz NRW (DSchG NRW)).“

Der sog. Umgebungsschutz im Denkmalrecht entfalte jedoch „weit weniger Schutzwirkung (vgl. Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW, 10 A 2037/11 vom 08.03.2012: Leitsatz: „Ein Denkmal geht nicht nur hinsichtlich seiner Substanz „durch die Zeit“, (…). Auch die Umgebung eines Denkmals verändert sich und

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Kunstakademie Düsseldorf: Jamin
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