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Jamin-Kolumne: Mit Flugblättern scharf schießen

Auf einen Cappuccino: Die Jamin-Kolumne

Eigentlich sind politische Flugblätter ja ein „Nichts“. Zumindest in einer Demokratie. Dort werden Flugblätter kaum mehr beachtet. Man nimmt sie in die Hand, liest vielleicht die Überschrift und ein paar Worte mehr und wirft sie in den Papierkorb.

In Diktaturen und verwandten Staatsgebilden werden Flugblätter wie schwere Waffen behandelt. Das heißt: Wer etwa ein Regime-kritisches Flugblatt schreibt und unter das Volk bringt, gilt nicht selten als eine Art Schwerverbrecher. Genauso könnte er mit einer Maschinenpistole auf die Führung des Landes schießen.

Werkzeuge des Widerstands

Ich befasse mich heute mit dem Thema Flugblätter, weil ich in der letzten Woche in meiner Kolumne zum Ukraine-Krieg die Flugblätter als Werkzeuge des Widerstands behandelt habe. Dabei bin ich nicht näher auf die Bedeutung von Flugblättern eingegangen. Der Mut der Verteiler*innen war mein Thema.

Ich erwähnte Sophie Scholl, die Flugblätter während der Nazizeit verteilt hatte – und dafür sterben musste. Auch erinnerte ich an die jüngste Aktion der TV-Journalistin Marina Owsjannikowa, die in der Nachrichtensendung des russischen Staatsenders Kanal Eins ein Pappschild als Protest gegen Putins Krieg hochgehalten hatte – und die mit einer hohen Gefängnisstrafe rechnen muss. Auch ein Plakat ist ja eine Art Flugblatt.

Unter öffentlichem Beschuss

Nicht die Sonne bringt es in diesen kriegerischen Zeiten an den Tag, wie anfällig eine Staatsform ist, sondern wie man mit den Verteiler*innen von Flugblättern umgeht. In Moskau darf man nicht einmal mehr öffentlich das Wort „Krieg“ in den Mund nehmen – hohe Gefängnisstrafen drohen.

Eine Demokratie kann Massen von Flugblättern ertragen, ohne dass sich der Staat darüber aufregt. In einer Diktatur sehen sich die Mächtigen wie Putin gleich unter öffentlichem Beschuss. Er ließ bei einer Demonstration in Moskau sogar eine Frau verhaften, die einem Polizisten ein leeres, weißes Blatt Papier entgegenhielt.

Flugblätter sind demokratisch

Aber was sind Flugblätter mehr als eine Form von Kommunikation?! Es gibt sie bereits seit dem 15. Jahrhundert. Eigentlich sind Flugblätter ganz harmlos, auch wenn darauf oft auf einen Missstand in einer Gesellschaft hingewiesen wird.

Flugblätter gehören zu einer Demokratie wie das freie Wort in den Medien. Demokratien können diese Art Kommunikation gut verkraften, denn sie sind so etwas gewohnt. Diktaturen und Putins Russland nicht.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino…

Ihr Peter Jamin

 

Peter Jamin (© Michael Seelbach)

Peter Jamin arbeitet als Schriftsteller und Journalist. Er veröffentlichte – neben Kolumnen und Artikeln – mehr als 30 Bücher zu gesellschaftlich relevanten wie unterhaltsamen Themen. Darüber hinaus arbeitete er als Autor und Regisseur von Fernsehdokumentationen und -serien. Etliche Bücher schrieb er als Ghostwriter prominenter Zeitgenossen. Mit seinem Schwerpunktthema „Vermisst“ befasst er sich seit rund 30 Jahren; unterhält auch ein „Vermisstentelefon“ zur Beratung von Angehörigen Verschwundener. Ausgezeichnet wurde Jamins Arbeit u.a. mit dem „GdP-Stern“ der Gewerkschaft der Polizei „in besonderer Würdigung seiner herausragenden journalistischen Leistungen“. Infos zum Autor unter jamin.de.

Bildquellen

  • Peter Jamin: Michael Seelbach
  • Marina Owsjannikowa: Kanal Eins / Screenshot by Jamin
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