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Interviews

Künstler ditArdo über seinen Comic-Kubismus: „Rückbesinnung auf meine Wurzeln“

Tango-Chicks, ein comic-kubistisches Werk des Stuttgarter Künstlers Diethard Sohn, alias ditArdo. www.comic-kubismus.de

Hinter ditArdo steht der Bildende Künstler Diethard Sohn. Das Pseudonym hat er für sein Schaffen im Comic-Kubismus gewählt – eine Kunstrichtung, die er angestoßen und durch seine Handschrift geprägt hat. Mit Hamburg fühlt sich der in Stuttgart lebende Diethard Sohn seit seiner Kindheit mit vielen Sommeraufenthalten im Norden sehr verbunden. Wer sich demnächst im Raum Stuttgart befindet, kann in aktuellen Ausstellungen auch Werke aus dem Gemeinschaftsprojekt „Müller & Sohn“ kennenlernen.

Business-on.de: ditArdo, wie bist Du zum Comic-Kubismus gekommen?

ditArdo: Noch jung und bis über beide Ohren verliebt, setzte ich mich Anfang der 90er-Jahre in meinen Bose Eurostar und fuhr zu der Frau meines Herzens ins kroatische Dubrovnik – dort aber war zu dieser Zeit leider Krieg.

Die Erzählungen der Menschen und überhaupt die ganze Situation machten mich ziemlich betroffen und ich begann düstere Bilder zu malen. Nach einiger Zeit aber hatte ich das Gefühl, dass es nicht gut ist, in diesen negativen Strudel, der alles Gute in sich hineinschlingt, durch Abbildungen auch noch Energie hinein zu schleudern. Ich musste mich neu orientieren. Meine bisherige Wirklichkeit schien wie vom Krieg zerfetzt. Ich besann mich auf meine Kindheit und begann, mich auf meine Wurzeln zu konzentrieren, der sehr gegenständlichen Wahrnehmung von Farben und dem Zeichnen von Comics. Heraus kamen aber keine Figuren. Es entstanden Formen, die an Comic erinnerten, die Frieden ausstrahlten, Kreise, Kurven und Rundungen. Eigentlich ein gewisser Widerspruch zum Kubismus und doch ging das Hand in Hand mit dem Aneinanderfügen von Fragmenten der scheinbar zerfetzten Wirklichkeit. Formen und Farben begannen miteinander zu spielen und forderten freundlich und humorvoll dazu auf, Schubladen zu öffnen und Grenzen im Denken und in der Wahrnehmung zu überschreiten – das alles mit dem Charme eines Kindes.

Erst später bekam das Kind seinen Namen: Comic-Kubismus.

ditArdo, alias Diethard Sohn, vor seinem Bild „Der Gitarrist“. Foto: privat

Business-on.de: Wie kann man sich Deinen Ideenprozess und die Entwicklung der spezifischen Stilmittel vorstellen?

ditArdo: In Dubrovnik schaute ich auf das Meer, die Wellen plätscherten vor sich hin. Ich beobachtete, wie sich meine Gedanken wie DIN-A4-Blätter auf der ganzen Oberfläche des Meeres ausbreiteten. Blätter, weißes Papier bis zum Horizont. Darunter spürte ich die Gravitation, die Schwerkraft des Wassers. Sie war es, die mir diese Blätter aus dem Kopf vor Augen führte.

Plötzlich fühlte ich mich leicht. Diese Leichtigkeit gab mir die Kraft zurück, weiterzumachen und weiter zu malen. Die Fläche wurde für mich viel-dimensional. Figuren vergleichbar mit Themen in der klassischen Musik. Farben bildeten Moll- und Dur-Tonarten, Formen waren forsch, frech, sexy oder aber auch mal aggressiv, eckig-wild. Alles stand gegeneinander und miteinander. Da war immer wieder auch eine große Liebe zum Menschen und zum Leben an sich. Das Ganze war fast schon ein eigener plakativer Entwurf von Beobachtungen.

Business-on.de: Welche Themen bestimmen heute Deine comic-kubistischen Bilder?

ditArdo: Der Comic-Kubismus ist sehr wandelbar und eignet sich hervorragend auch ernstere Themen liebevoll zu erörtern. Alles in allem aber sind die Themen so vielfältig wie das Leben selbst, denn oft sind sie aus dem Leben gegriffen. Mal wird es vielfarbig, mal monochrom, mal konkret, mal abstrakt. Manchmal werden Farben zu gegenständlichen Protagonisten wie zum Beispiel im Bild „der Frühling“, das auf meiner Internetseite zu finden ist. Im Bild „der Frühling“ drängt ein helles, zartes Gelb in ein kälteres Blau, Grau und Grün, also in Schattenfarben. Letztlich ist es mit Raum und dem Stilleben verwoben und erweckt die Welt zu neuem Leben. Dieses Bild entstand gegen Ende der Covid-19-Pandemie.

Der Comic-Kubismus entwickelt sich weiter in seiner Zeit und in seiner Form, und das wird sehr spannend.

Business-on.de: Ist Deutschland bereit für Deinen Comic-Kubismus?

ditArdo: Der Kubismus als Bewegung verendete ja mehr oder weniger in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges. Dann jedoch kam Guernica, ein Gemälde, das zum Sinnbild für die Schrecken des Krieges geworden ist. Und mit Picasso als damaliger Inbegriff der modernen Kunst, erschien ein Highlander. Seine Werke waren sogar auf Vorhängen, Tapeten und Handtüchern abgebildet, und „Madame Z” zierte als Druck viele Sideboards und Wohnzimmerschränke der sich damals gern modern gebenden bürgerlichen Welt.

Der Comic dagegen tat sich in Deutschland unglaublich schwer. Abgetan als Schund oder Literatur der Analphabeten findet der Comic erst seit den 90er-Jahren seinen Weg zumindest in die Subkultur. Dabei war gerade Picasso schon ein großer Fan des US-amerikanischen Comics „Katzenjammer Kids“ von Rudolph Dirks, ein deutscher Auswanderer. Der erste Deutsche Comic-Award, den es seit 2016 gibt, trägt seinen Namen: Rudolf Dirks Award. 2019 wurde GINCO ins Leben gerufen. In den USA dagegen waren Auszeichnungen für Comics schon Mitte der 80er-Jahre gang und gäbe.

Erst seit der Jahrtausendwende etwa bahnt sich auch in Deutschland der Comic allmählich seinen Weg etwas deutlicher in die Kunst. Und ich denke, die Zeit ist jetzt gekommen, um den Comic-Kubismus einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Business-on.de: Wo kann man Deine Werke betrachten und sich damit auseinandersetzen?

ditArdo: Auf meiner Webseite www.comic-kubismus.de kündige ich regelmäßig Ausstellungen an. Auf der Webseite sind auch einige Bilder zu sehen. Meine Kontaktdaten finden Sie im Impressum der Webseite. Aber natürlich kann man auch mit mir persönlichen Kontakt aufnehmen, zum Beispiel, wenn sich bei Ausstellungen Gelegenheit zum Gespräch ergibt.

So stellen die Künstlerin Irene Müller und ich zum Beispiel vom 5. April bis 25. Mai 2024 im Rahmen unseres künstlerischen Forschungsprojekts „Müller & Sohn“ parallel an zwei Orten Werke aus: Die Einzelausstellung „Silentium“ ist in der Galerie der Stadt Plochingen und im Schauraum, Kulturpark Dettinger zu sehen. Die Vernissage findet am 4. April um 18.30 Uhr in der Galerie statt und anschließend im Schauraum.

Vom 12. Juli bis 26. September 2024 zeigt der Kunstverein Ludwigsburg in der Einzelausstellung „Showtime“ Werke unserer Künstlerkooperation Müller & Sohn und der koreanischen Künstlerin und Absolventin der ABK Stuttgart, Hyunjeong Ko.

Kommen Sie gern vorbei. Wir freuen uns über Ihr Interesse!

Business-on.de: ditArdo, vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führte Brigitte Muschiol

 

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