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Interviews

Diana Haagen: „Einfach machen – könnte gut werden!“

Als freiberufliche Eventmanagerin und Interim-Assistentin des C-Level-Managements unterstützt Diana Haagen Unternehmen erfolgreich auf Projekt- und Honorarbasis. Ihr Schwerpunkt liegt im Messebereich. Im Interview spricht Diana Haagen über ihre Tätigkeit und Herausforderungen in der Selbstständigkeit.

Diana Haagen unterstützt Unternehmen als freiberufliche Eventmanagerin und Interim-Assistentin des C-Level-Managements erfolgreich auf Projekt- und Honorarbasis. Foto: privat

Die studierte Veranstaltungsfachwirtin verfügt über langjährige internationale Erfahrung im B2B-Bereich. Über zehn Jahre war Diana Haagen bei der Hamburg Messe und Congress GmbH als Projektleiterin in der Auslandsabteilung tätig. Darüber hinaus betreute sie zuletzt die Markteinführung von zwei maritimen Fachmessen Im Ausland. Zuvor war sie im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz für die Organisation von German Pavilions weltweit zuständig. Seit 2011 setzt sie ihre Expertise für unterschiedlichste Auftraggeber auf freiberuflicher Basis ein.

Business-on.de: Frau Haagen, aus welchen Bereichen kommen Ihre Kunden und welche Aufgaben übernehmen Sie für sie?

Diana Haagen: Mein Schwerpunkt liegt im Messe- und Veranstaltungswesen. Derzeit betreue ich unter anderem einen Branchenverband aus der Industrie, zu dem ich bereits 2004 in Dubai Kontakt hatte. Auch für ein Unternehmen aus dem Bereich Messe-Standbau, das vor kurzem eine Niederlassung in Deutschland gegründet hat, bin ich tätig. Im Bereich „Assistenz“ und „Backoffice“ arbeite ich für ein Beratungsunternehmen, das Betriebe bei der Professionalisierung des Projektmanagements unterstützt. Hier geht es vor allem um die aktuellen Themen „Agile Transformation“ und „Agile Organisation“. Auch eine international tätige integrierte Executive-Search-Beratung sowie ein Verband, in dem ambitionierte Frauen aus den Erneuerbaren Energien als Netzwerk zusammengeschlossen sind, zählen zu meinen Auftraggebern.

Business-on.de: Sie haben im Messegeschäft viel Auslandserfahrung gesammelt. Wie international ist Ihre Tätigkeit derzeit?

Diana Haagen: Die Zeit, in der ich viel auf Reisen war und Projekte in der ganzen Welt vor Ort betreute, ist vorüber. Heute profitiere ich von meiner langjährigen Auslandserfahrung und genieße es, nicht mehr so viel beruflich reisen zu müssen. Im Ausland musste ich schon immer selbstständig arbeiten und eigenständig Entscheidungen treffen, daher kam mir das Konzept des Remote-Arbeitens, das ich übrigens schon seit gut 25 Jahren aus dem Ausland kenne, sehr entgegen.

Business-on.de: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Diana Haagen: Aktuell arbeite ich aus dem Home-Office heraus und teile mir meine Kapazitäten nach den Projekten und den Bedarfen meiner Auftraggeber selbst ein. Da ich ausschließlich im B2B-Bereich tätig bin, spielt Internationalität immer noch eine sehr große Rolle. Im Messewesen geht es zum Beispiel in der Vorbereitungs- und Durchführungsphase darum, die Kommunikation mit dem Veranstalter – diese sind oftmals ausländische Unternehmensgruppen – und dem Messegelände zu pflegen. Dienstleister zu steuern, die Wünsche der ausstellenden Unternehmen bestmöglich und beratend umzusetzen, Budgets zu erstellen – das sind alles Aufgaben, die auch dezentral erledigt werden können. Und: Aufgaben, die nicht unmittelbar in meinen Kompetenzbereich fallen wie Marketing und PR, leite ich an mein bewährtes Netzwerk aus Solopreneuren weiter.

Business-on.de: Welche Vorteile hat der Standort in Husum für Ihre Selbstständigkeit?

Diana Haagen: Nach fast 20 Jahren in Hamburg bin ich vor circa 5 Jahren in meine Heimatstadt zurückgekehrt. Ob in einer Großstadt oder auf dem Land: Für meine Tätigkeit ist es nicht entscheidend, von wo aus ich arbeite. Berufliches und Privates trenne ich ohnehin strikt. Dass ich mich hier an der Nordsee sehr wohl fühle, spiegelt sich aber wahrscheinlich in meinen Arbeitsergebnissen wider. Es ist auch immer wieder schön zu sehen, dass Kolleginnen aus meinem Netzwerk oft ihre Home-Office-Tage bei mir verbringen. Und wenn es mir wiederum in Husum „zu eng“ wird, bin ich in eineinhalb Stunden in Hamburg und tauche in ein großstadtgeprägtes Arbeitsumfeld ein, arbeite in Co-Working-Spaces, treffe meine Kunden oder besuche Netzwerk-Veranstaltungen. Ein Standortnachteil: Die Region an der schleswig-holsteinischen Westküste ist fest in touristischer Hand, sodass die Möglichkeiten für persönliches Networking in meinem Business wie auch Co-Working sehr rar sind.

Business-on.de: Sie sind eine erfahrene Führungskraft und Kennerin der Messebranche. Wie häufig gibt es in Ihrem Geschäftsfeld Frauen in Führungspositionen?

Diana Haagen: Frauen sind in der Messewirtschaft sehr häufig im Projektmanagement tätig. In Führungspositionen findet man nur sehr wenige Frauen. Vielleicht liegt es daran, dass sie lieber im operativen Bereich arbeiten, weil sie oft gute Macherinnen sind. Wer dann aufsteigt, muss oft das Operative abgeben und mehr strategisch arbeiten. Das war auch einer der Gründe, warum ich mich 2011 selbstständig gemacht habe, denn nur so kann ich mein Wissen und meine Erfahrung dort einbringen, wo es mir wichtig erscheint.

Business-on.de: Welche ist aus Ihrer Sicht zurzeit die spannendste Entwicklung in Ihrem geschäftlichen Umfeld?

Diana Haagen: Aus Sicht des Messewesens ist es klar, dass sich die Messewirtschaft – gerade auch im internationalen Kontext – nach der Pandemie derzeit neu erfindet und positioniert. Aus Sicht des Office-Managements, also des Administrativen, gilt das Gleiche: Neue Technologien und KI zeigen hier bereits ihre Wirkung.

Business-on.de: Welche sind aus Ihrer Sicht zurzeit die größten Herausforderungen für Selbstständige?

Diana Haagen: Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland sinkt, was Experten beunruhigt, da dies negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnte. Viele Menschen ziehen eine abhängige Beschäftigung der Selbstständigkeit vor. Gründe sind oftmals die zeitraubende Bürokratie. Hier ist eine Systemanpassung in Bezug auf Gewerbesteuer, Steuerprogression, Bilanzierung überfällig. Wir verharren teilweise auf dem Stand von vor 30 Jahren. Angesichts des Fachkräftemangels, hoher Krankenstände und einer unsicheren Wirtschaftslage nimmt die Bedeutung des temporären Einsatzes von Selbstständigen im betrieblichen Alltag zu. Dennoch werden die Selbstständigen von unserer Regierung stiefmütterlich behandelt, obwohl sie die Ideengeber unserer Wirtschaft sein könnten.

Business-on.de: Wie wichtig ist berufliches Netzwerken für Sie? Was macht aus Ihrer Sicht ein gutes Netzwerk aus?

Diana Haagen: Berufliches Netzwerken ist neben der eigenen Motivation das Wichtigste für uns Solo-Selbständige. Es dient sowohl dem fachlichen Austausch als auch als Quelle für Tipps rund um das selbständige Arbeiten, dem Informations- und Erfahrungsaustausch. Ein gutes Netzwerk ist wie ein privater Freundeskreis: Es muss gepflegt und immer wieder den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden. Netzwerken ist ein Geben und Nehmen. Nicht zuletzt wäre dieses Interview nicht zustande gekommen, wenn wir uns nicht zuvor bei einer Netzwerkveranstaltung in Hamburg kennen gelernt hätten. Was einen Interessensverband angeht, kann ich den Verband der Gründer und Selbstständigen e.V. (VGSD) empfehlen. Der Verband mit mittlerweile rund 2.400 Mitgliedern vertritt die Interessen von Gründern und Selbstständigen, gibt ihnen eine Stimme und kämpft gegen gründer- und kleinunternehmerfeindliche Gesetze und Regelungen.

Business-on.de: Was treibt Sie als Selbstständige an und wie tanken Sie Energie für Ihre Aufgaben?

Diana Haagen: Was mich antreibt sind Erfolg, Selbstbestimmung, ein gut funktionierendes Netzwerk, Wertschätzung durch wiederkehrende oder langjährige Kunden, pünktliche Bezahlung der Rechnungen … Energie tanken? Da ich keine energiefressenden Störenfriede in meinem Arbeitsalltag habe, sind die genannten Faktoren für mich Motivation genug, um weiterzumachen. Auch eine Pandemie hat mich nicht umgeworfen, man muss sich dann eben selbst neu erfinden, getreu meinem Motto „Einfach machen – könnte gut werden!“

Business-on.de: Welche sind Ihre Lieblingsorte, die Sie in Ihrer Freizeit besuchen?

Diana Haagen: Lieblingsorte? Das verrate ich nicht, denn der Reiz liegt darin, dass man dort Ruhe findet. Sonst kommen doch auch andere auf die Idee, dorthin zu fahren.

Business-on.de: Vielen Dank für das Interview, liebe Frau Haagen.

 

— Das Interview führte Tanja Königshagen —

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BUSINESSKÖPFE IN UND UM HAMBURG

In dieser Interview-Reihe sprechen Geschäftsleute, Selbstständige und Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Metropolregion Hamburg über ihr Business und darüber, was sie aktuell bewegt, wie sie ihr berufliches Umfeld erleben und was sie mit ihrem Standort verbindet.

Bildquellen

  • Diana Haagen: privat
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