Connect with us

Hi, what are you looking for?

Finanz-News

Europäischer Vergleich: Zahlungsmoral in Deutschland bleibt am höchsten

In Deutschland werden laut einer aktuellen EOS-Studie 14 Prozent der Rechnungen nicht oder verspätet bezahlt. In westeuropäischen Ländern gilt das für 19 Prozent, in osteuropäischen Ländern für 24 Prozent der Rechnungen.

Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen in Deutschland und Europa rechnet in den nächsten zwei Jahren mit einer Verschlechterung der Zahlungsmoral der Kundinnen und Kunden, so das Ergebnis der 13. EOS-Studie „Europäische Zahlungsgwohnheiten“. Grafik: EOS Holding GmbH

Die Zahlungsmoral, also der Anteil verspäteter und uneinbringlicher Forderungen, hat sich in Europa seit 2019 verschlechtert. Bei etwa jedem fünften Unternehmen führt diese Entwicklung zu Existenzängsten. In Deutschland hingegen zeigt sich ein anderes Bild: Die Zahlungsmoral hierzulande ist seit 2019 konstant und bleibt auch nach drei Jahren die höchste im europäischen Vergleich. Das ergab die repräsentative EOS-Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten”, für die 3.200 Unternehmen in 16 europäischen Ländern telefonisch befragt wurden.

Deutschland und Belgien mit niedrigsten Ausfallquoten

Trotz verlängerter Zahlungsfristen durch die Unternehmen haben demnach 14 Prozent der Kundinnen und Kunden in Deutschland ihre Rechnungen zu spät oder gar nicht beglichen. Mit diesem Ergebnis schneidet Deutschland laut Studienautoren deutlich besser als der europäische Durchschnitt ab. Im Vergleich zur Vorgängerstudie von 2019, wo insgesamt 19 Prozent der Rechnungen in Europa verspätet oder gar nicht gezahlt wurden, liegt ihr Anteil aktuell bereits bei 21 Prozent. Im westeuropäischen Vergleich zeichnet sich dieser Trend ebenfalls ab: Mit Ausnahme von Deutschland und Belgien. Der Anteil verspäteter oder uneinbringlicher Zahlungen ist in Deutschland seit 2019 konstant geblieben und in Belgien von 20 auf 18 Prozent gesunken. Das sind die niedrigsten Werte in Europa.

Als Folge dieser Zahlungsverzögerungen gaben 42 Prozent der europäischen Unternehmen an, selbst mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen. 51 Prozent leiden unter Gewinneinbußen. Dadurch musste knapp ein Drittel der Unternehmen ihre Investitionen reduzieren (30 Prozent) und Preise erhöhen (28 Prozent). Entsprechend pessimistisch blicken die Unternehmen in die Zukunft. So gehen in Europa und Deutschland je 24 Prozent der Befragten davon aus, dass sich die Zahlungsmoral negativ entwickeln wird. „Dass sich die Zahlungsmoral deutlich verschlechtert hat, ist beunruhigend – gerade, weil wir angesichts aktueller Wirtschaftszahlen und der hohen Inflation mit einem weiteren Rückgang des Zahlungsniveaus rechnen müssen”, kommentiert Marwin Ramcke, CEO der EOS-Gruppe.

Liquiditätssicherung durch Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern

Um Forderungen beizutreiben, arbeiten laut EOS-Mitteilung immer mehr Unternehmen mit externen Dienstleistern im Forderungsmanagement zusammen. So auch in Deutschland: Bei 35 Prozent der Unternehmen erfolge die Bearbeitung sowohl über interne als auch externe Dienstleister. 10 Prozent der Unternehmen haben das Forderungsmanagement nach Angaben komplett an externe Dienstleister outgesourct. Durch diese Zusammenarbeit hätten Unternehmen nach EOS-Angaben durchschnittlich rund 6 Prozent ihres Umsatzes zurückführen können.

Digitale Zahlungsmethoden im Kommen

Zugleich bauen Unternehmen digitale Zahlungsmethoden aus, so EOS. Sowohl in West- als auch Osteuropa sei dieser Ausbau in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen. Das Angebot digitaler Zahlungsmethoden der westeuropäischen Unternehmen habe sich seit 2019 um 14 Prozentpunkte auf 46 Prozent erhöht.

Zum Hintergrund: Die EOS-Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ ermittelt seit 2007 ein Stimmungsbild der internationalen Wirtschaft. 2022 erscheint sie zum 13. Mal. Zwischen dem 4. März und dem 19. April 2022 wurden laut eigenen Angaben 3.200 Finanzentscheiderinnen und -entscheider aus Unternehmen mit jeweils mindestens fünf Millionen Euro Jahresumsatz telefonisch zu eigenen Zahlungserfahrungen sowie zu aktuellen Themen im Risiko- und Forderungsmanagement befragt. Die Studie wurde von Kantar, einem weltweit führenden Marktforschungsinstitut durchgeführt. EOS gehört zur Otto Group.

 

Bildquellen

  • EOS-Studie Zahlungsmoral: EOS Holding GmbH
Anzeige

Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

Anzeige

Weitere Beiträge

Finanz-News

Insgesamt schätzt jeder sechste Deutsche bei einer Befragung die Auswirkungen der Inflation auf seine Geldanlagen falsch ein.

Aktuell

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für das Jahr 2023 ein erhebliches Schrumpfen der Volkswirtschaften in Europa. Mit dieser düsteren Prognose hat sich Dr. Dietmar...

Netzwerke & Verbände

Europa: #zusammengross in herausfordernden Zeiten. Unter diesem Titel begrüßte der AGA Unternehmensverband den Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Dr. Robert Habeck zum...

Aktien & Fonds

Nachdem die Abwicklungs- und Verwahrgesellschaft Clearstream die Weitergabe der russischen ADR (American Depositary Receipts, Hinterlegungszertifikate) im September verweigerte, schien es nach einer neuen Clearstream-Verlautbarung...

Aktien & Fonds

Es ist Eile geboten: Die Umwandlung von russischen ADR/GDR in Originalaktien muss in den kommenden Wochen erfolgen. Die Erholungsrallye an den Weltbörsen ist durch...

Gesellschaft & Medien

Immer mehr Menschen tun sich schwer, ihre Lebenshaltungskosten zu bezahlen.

Unternehmen

Die Rating-Agentur Scope Hamburg bestätigt die sehr gute Bewertung der EOS-Gruppe.

News

Alleinerziehende und Jüngere sind laut einer repräsentativen Befragung finanziell besonders stark betroffen. Am meisten drücken die Lebenshaltungskosten.

Anzeige