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Globale Medtech-Industrie: steigende Umsätze und sinkende Gewinnmargen

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat weltweit 100 Unternehmen aus der Medizintechnikbranche analysiert. Nordamerikanische Unternehmen schneiden in der Studie am stärksten ab.

Umsatz hoch, Gewinnmargen runter: Die Unternehmensberatung Roland Berger hat Daten von über 100 Unternehmen aus der globalen Medtech-Industrie analysiert.

Mit ihren hohen Renditen hat die Medizintechnikbranche in den vergangenen Jahren andere Industrien klar hinter sich gelassen. Hohe Energiekosten, steigende Inflation und Lieferkettenprobleme zeigen jedoch auch erste Auswirkungen in diesem Segment: Trotz um 15,6 Prozent gestiegener Umsätze im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres sind die Gewinnmargen im gleichen Zeitraum um minus 6,8 Prozent zurückgegangen. Das zeigt die neue Roland-Berger-Studie „Global MedTech – How to succeed in uncertain times”. Für die Publikation haben die Autoren laut Angaben Daten von mehr als 100 Unternehmen analysiert.

„Die wirtschaftliche Großwetterlage geht auch an der erfolgsverwöhnten Medizintechnikbranche nicht spurlos vorbei”, sagt Thilo Kaltenbach, Partner bei Roland Berger, in einer Pressemitteilung. „Zu den kurzfristigen Herausforderungen kommen strukturelle Themen wie die Digitalisierung, Abrechnungsmodelle, die sich auf den medizinischen Nutzen fokussieren und der Wandel zu einer personalisierten Medizin. Wollen die Firmen ihre heute noch robusten Geschäftsmodelle in die Zukunft überführen, müssen sie diese Bereiche umgehend angehen.”

Europa beim Umsatzwachstum auf Platz 2

Die Analyse offenbart regionale Unterschiede: Nordamerikanische Unternehmen haben laut Studienautoren beim Umsatz im untersuchten Zeitraum mit 21,5 Prozent deutlich am stärksten zugelegt. Danach folgen europäische Firmen mit 8,6 Prozent Umsatzwachstum sowie Organisationen aus der Region Asien-Pazifik mit 0,1 Prozent, die vor allem unter der Pandemie und den Corona-Maßnahmen gelitten haben. Bei der Profitabilität liegt Europa hinter den anderen beiden Regionen auf dem dritten Platz.

„Die Gewinne europäischer Unternehmen sind in den letzten drei Jahren unter den langfristigen Durchschnittswert gefallen. Das lässt sich vor allem mit Kosten im Zuge regulatorischer Anforderungen erklären. Das drückt vielerorts auch Budgets für Forschung und Entwicklung“, sagt Thilo Kaltenbach.

Produkt und Service bestimmen den Erfolg

Nicht nur regional, sondern auch nach Produkt und Service segmentiert, zeigen sich Unterschiede bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Firmen, die auf die Bereiche Labor und Diagnostik spezialisiert sind, waren in 2021 mit einer Marge von 31,4 Prozent mit Abstand am erfolgreichsten. Außerdem konnten sie im Zeitraum von 2019 bis 2021 mit einem Plus von 23,4 Prozent auch im Durchschnitt am stärksten beim Umsatz zulegen. Auch Firmen mit einem diversifizierten Portfolio liefern im Vergleich sehr starke Zahlen und können mit Spezialanbietern mithalten. Am schwächsten schneiden Unternehmen ab, die Verbrauchsmaterial und Einwegartikel vertreiben.

Die Studie skizziert sechs zentrale Transformationsprozesse, denen sich die Branche stellen muss:

  1. Von klassischen papierbasierten hin zu vernetzten digitalen Prozessen
  2. Personalisierte Behandlung und erfolgsbasierte Abrechnung anstatt einer servicebasierten
  3. Prävention und ambulante Versorgung rücken stärker in den Fokus
  4. Wirtschaftlicher Mehrwert von medizintechnischen Lösungen gewinnt an Bedeutung
  5. Omnichannel-Vertrieb und zunehmende Konsolidierung hin zu Krankenhausnetzwerken, die Einkäufe im Verbund tätigen
  6. Konzentration in Forschung und Entwicklung auf echte Innovationssprünge für neue Technologien anstatt auf inkrementelle Fortschritte, die das bestehende Portfolio geringfügig verbessern

„Gerade Firmen, die in den letzten Jahrzehnten stark in Innovation investiert haben, zeigen sich heute wirtschaftlich am leistungsstärksten”, so Marco Bühren, Principal bei Roland Berger. „Daher sollten Unternehmen auch in Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs sehr genau evaluieren, ob sie hier den Rotstift ansetzen wollen. Budgets für Forschung und Entwicklung müssen mehr denn je echter Innovation zugutekommen.”

Bildquellen

  • Roland Berger: Global MedTech, Pressegrafik: Roland Berger, Capital IQ
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