Connect with us

Hi, what are you looking for?

Netzwerke & Verbände

Steigende Kosten und Inflation belasten norddeutsche Händler und Dienstleister

Die steigende Inflation sowie zunehmende Personal- und Sachkosten wirken sich negativ auf die Umsatz- und Gewinnsituation der norddeutschen Händler und unternehmensnahen Dienstleister aus. Insgesamt war im dritten Quartal 2022 ein realer Umsatzrückgang von 3,4 Prozent (nominal: plus 6,3 Prozent) zu verzeichnen. Der Ukraine-Krieg, Rekordpreise für Strom, Gas und Sprit, anhaltend gestörte Lieferketten sowie Versorgungsengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten verstärken die Sorgen der Unternehmen. Der Anteil der Firmen, die mit gleichbleibenden oder gar sinkenden Umsätzen und Gewinnen in den nächsten sechs Monaten rechnen, ist weiter gestiegen. Das sind die zentralen Ergebnisse des AGA-Wirtschaftstests. Die Umfrage wurde zwischen dem 5. September und 7. Oktober 2022 durchgeführt.

Dr. Hans Fabian Kruse, Präsident des AGA Unternehmensverbands. Foto: Ulrich Perrey

Trotz steigender Verkaufspreise rechnen für die kommenden sechs Monate lediglich 15 Prozent der Händler und Dienstleister mit steigenden Brutto-Umsätzen (Vorquartal: 28 Prozent). Mehr als die Hälfte (52 Prozent) geht von zumindest gleichbleibenden Umsätzen aus (Vorquartal: 49 Prozent), ein Drittel der Unternehmen erwartet einen Umsatzrückgang (Vorquartal: 23 Prozent). Die Mehrheit der Firmen erwartet demnach einen deutlichen Nachfragerückgang. Hinzukommt, dass bei 79 Prozent der Unternehmen die Personalkosten und bei 72 Prozent die Sachkosten gestiegen sind. Die höheren Kosten führen dazu, dass nur 12 Prozent der befragten Unternehmen für das nächste halbe Jahr steigende Gewinne erwarten (Vorquartal: 10 Prozent). 40 Prozent gehen von gleichbleibenden Gewinnen (Vorquartal: 44 Prozent) aus, 48 Prozent kalkulieren mit einem Gewinnrückgang (Vorquartal: 46 Prozent).

„Die Groß- und Außenhändler haben bislang Robustheit und hohe Anpassungsfähigkeit in der Krise bewiesen“, kommentiert AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse die Ergebnisse. Und weiter: „Die enorme Unsicherheit und die vielen Herausforderungen durch die Energiekosten, die Inflation, die anhaltenden Logistikprobleme sowie die zunehmende Überregulierung machen gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen das Leben sehr schwer. Sie wünschen sich schnelle und zielgerichtete Unterstützung durch die Politik. Gerade bei der Energieversorgung müssen wir die Angebotsseite mit Hilfe der vorhandenen Kohle- und Kernkraftwerke stärken. Nur so können die Energiepreise effektiv sinken. Dies fordern auch unsere europäischen Nachbarn, die Wirtschaftsweisen, ja sogar Greta Thunberg.“

Darüber hinaus wurden die norddeutschen Händler und Dienstleister im dritten Quartal zur Ausbildungs- und Personallage sowie zu Investitionen in ihrem Unternehmen befragt. Fast die Hälfte (48 Prozent) konnte in diesem Jahr ihre Ausbildungsplätze nicht passgenau besetzen (Vorjahr: 31 Prozent). 41 Prozent der Firmen haben noch freie Ausbildungsplätze (Vorjahr: 26 Prozent). Dies macht deutlich, dass auch die Personallage weiterhin angespannt bleibt und sich im Vergleich zum Vorjahr weiter zugespitzt hat. Darüber hinaus zeigt der Wirtschaftstest, dass in diesem Jahr bei lediglich 3 Prozent der Betriebe die Investitionen höher ausgefallen sind als geplant (Vorjahr: 5 Prozent), bei 21 Prozent geringer (Vorjahr: 19 Prozent) und bei 76 Prozent so wie erwartet (Vorjahr: 76 Prozent).

Die norddeutschen Bundesländer: Im dritten Quartal 2022 fiel der Umsatz in Hamburg um real 1,5 Prozent (nominal: plus 8,2 Prozent), in Bremen sank er um real 1,4 Prozent (nominal: plus 6,3 Prozent). In Schleswig-Holstein ging er um real 4,5 Prozent nach unten (nominal: plus 5,2 Prozent), in Mecklenburg-Vorpommern sank der Umsatz um real 2,8 Prozent (nominal: plus 6,6 Prozent) und in Niedersachsen ging er um real 2,7 Prozent zurück (nominal: plus 6,1 Prozent).

Bildquellen

  • Dr. Hans Fabian Kruse: Ulrich Perrey
Anzeige

Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

Anzeige

Weitere Beiträge

Netzwerke & Verbände

Hohe Kosten belasten weiterhin die Umsatz- und Gewinnlage der norddeutschen Händler und unternehmensnahen Dienstleister, wie der AGA Unternehmensverband auf Basis seines aktuellen Wirtschaftstests vermeldet.

Recht & Steuern

Muss der Arbeitgeber einem oder mehreren Arbeitnehmenden aus wirtschaftlichen Gründen kündigen, muss er dabei stets Beschäftigte auswählen, die sozial am wenigsten schutzwürdig sind. Ein...

Recht & Steuern

Der Europäische Gerichtshof hat in drei Fällen aus Deutschland entschieden, dass der Urlaubsanspruch in bestimmten Fällen doch nicht verfällt beziehungsweise verjährt und hat damit...

Netzwerke & Verbände

Europa: #zusammengross in herausfordernden Zeiten. Unter diesem Titel begrüßte der AGA Unternehmensverband den Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Dr. Robert Habeck zum...

Netzwerke & Verbände

Sechs Jungkaufleute wurden in diesem Jahr ausgezeichnet: Fünf in den Kategorien Außenhandel, Großhandel, Einzelhandel, E-Commerce und Dienstleistung. Außerdem gab es einen Förderpreis. Der AGA...

Recht & Steuern

Die allgemeine Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit aller Mitarbeitenden beschäftigt seit geraumer Zeit die Personalabteilungen dieses Landes. Bislang stellte sich vor allem die Frage,...

Recht & Steuern

Nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) besteht dann kein Anspruch auf Entschädigung für eine Altersdiskriminierung, wenn das Gesamtbild der Bewerbung ergibt, dass eine Absage...

Netzwerke & Verbände

Laut einer Vergleichsstudie des AGA Unternehmensverbands spricht sich ein Großteil der Unternehmen gegen den im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien vereinbarten Erörterungsanspruch über mobiles Arbeiten und...

Anzeige