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Lokale Wirtschaft

Wirtschaft im Norden rechnet mit Geschäftsrückgang bei hartem Brexit

Nach Umfrage-Ergebnissen der IHK Nord fühlt sich rund die Hälfte der befragten Unternehmen sich jedoch gut oder sehr gut auf die möglichen Brexit-Szenarien ab 1. Januar 2021 vorbereitet.

Der Übergangszeitraum nach Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (EU) läuft zum Jahresende aus. Damit rückt der Brexit näher, mit oder ohne Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Ein Vertrag für einen Brexit, der das Verhältnis der Vertragsparteien ab Januar 2021 regelt, ist aber auch nach langen Verhandlungsrunden zwischen Brüssel und London noch immer nicht in Sicht. Diese Planungsunsicherheit stellt viele Unternehmen der norddeutschen Außenwirtschaft, die eng mit dem Vereinigten Königreich verflochten ist, vor große Herausforderungen.

Im Oktober führte die IHK Nord deshalb eine Brexit-Umfrage in Norddeutschland durch, um ein Stimmungsbild unter den Betrieben in den fünf norddeutschen Bundesländern Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu erhalten und um zu erfahren, wie vorbereitet sich die Betriebe auf die Umstellung der Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich fühlen. 571 Unternehmen machten bei der Umfrage mit.

Laut IHK-Presseinformation gaben 26 Prozent der Betriebe an, sich teilweise vorbereitet zu haben. 49 Prozent, also knapp die Hälfte der Betriebe, fühlen sich entweder gut (34 Prozent) oder sehr gut (15 Prozent) auf das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt vorbereitet. 23 Prozent fühlen sich eher schlecht (8 Prozent) oder schlecht (15 Prozent) gerüstet.

Mit Abkommen befürchten noch 14 Prozent einen Rückgang der Geschäfte

Die Sorge vor einer Verschlechterung der Geschäfte ist insgesamt groß: 64 Prozent, also fast zwei Drittel der befragten Unternehmen, erwarten eine eher ungünstige Geschäftsentwicklung mit dem Vereinigten Königreich im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen. Auch falls es noch ein Freihandelsabkommen geben sollte, rechnen noch 14 Prozent mit einem Geschäftsrückgang. Konkrete Prognosen zu möglichen Verlagerungen von Investitionen oder zu einem Beschäftigungsabbau im Vereinigten Königreich sind für die Unternehmen angesichts der aktuellen Unsicherheiten schwierig.

Was mögliche Risiken für Ihre Geschäftstätigkeit betrifft, so sagten 83 Prozent der Befragten, dass zusätzliche Handelsbeschränkungen das größte Risiko für ihre Geschäfte darstellen. Als weitere Risiken nennen 39 Prozent mögliche Rechtsunsicherheiten für die Geschäftstätigkeit, 38 befürchten Wechselkursschwankungen und 35 Prozent eine sinkende Nachfrage. 33 Prozent sehen in regulatorischen Unterschieden ein mögliches Geschäftsrisiko.

Plädoyer für freien Warenverkehr

Mit Blick auf die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sprachen sich 85 Prozent der befragten Unternehmen für einen freien Warenverkehr aus. 83 Prozent plädierten dafür, die zusätzliche Bürokratie nach dem Brexit gering zu halten. 51 Prozent der befragten Unternehmen fordert eine zügige Umsetzung der finalen Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen, um Unsicherheiten für die Geschäftstätigkeit zu vermeiden. Einen freien Kapitalverkehr fordern 45 Prozent der Unternehmen, 44 Prozent eine weitere Gewährleistung der Personenfreizügigkeit.

Janina Marahrens-Hashagen, Vorsitzende der IHK Nord, sagt mit Blick auf die Umfrage-Ergebnisse: „Die im Vereinigten Königreich aktiven Unternehmen aus dem norddeutschen Raum brauchen für ihre Investitionen und Geschäftsaktivitäten langfristige Rechtssicherheit und möglichst wenig neue Bürokratie. Die norddeutschen Industrie- und Handelskammern stehen den Unternehmen mit vielfältigen Beratungs- und Veranstaltungsangeboten zum Brexit zur Seite.“ Vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse plädiert die IHK Nord für eine rasche Umsetzung der kommenden Verhandlungsergebnisse, um negative Auswirkungen auf die norddeutsche Wirtschaft gering zu halten.

Weitere Ergebnisse der IHK Nord-Unternehmensumfrage 2020 zum Brexit gibt es zum Herunterladen auf der Webseite www.ihk-nord.de, Stichwort: Brexit-Unternehmensumfrage.

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