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Mobiles Arbeiten bleibt im Mittelstand auf hohem Niveau

Laut einer Vergleichsstudie des AGA Unternehmensverbands spricht sich ein Großteil der Unternehmen gegen den im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien vereinbarten Erörterungsanspruch über mobiles Arbeiten und Homeoffice aus.

Foto: Anrita / Pixabay.com

Nach dem Wegfall der pandemiebedingten „Homeoffice-Pflicht“ haben 53 Prozent der norddeutschen Unternehmen die mobile Arbeit reduziert. Gleichzeitig halten sie aber an einem deutlich höheren Anteil als vor der Pandemie fest. Mit durchschnittlich 50,3 Prozent liegt der Anteil mobilen Arbeitens spürbar über dem Vor-Pandemieniveau. Während 26 Prozent der Firmen den Umfang mobilen Arbeitens beibehalten oder sogar ausbauen wollen, beabsichtigen lediglich 15 Prozent, es auf das Maß vor Corona zurückzufahren. Das sind die zentralen Ergebnisse der Vergleichsstudie „Mobiles Arbeiten 2022“, die der AGA Unternehmensverband zwischen dem 16. Mai und 6. Juni 2022 unter norddeutschen Betrieben durchgeführt hat.

Mobiles Arbeiten pendelt sich ein

Im Durchschnitt lag der Anteil der Beschäftigten, die vor der Pandemie zumindest zum Teil mobil arbeiteten, bei 21,4 Prozent. Mit Einführung der Homeoffice-Pflicht – sie galt von März 2020 bis März 2022 – stieg dieser Wert stark auf 62,1 Prozent an. Nach dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht hat sich der Anteil der Beschäftigten, die wenigstens teilweise mobil arbeiten, auf 50,3 Prozent eingependelt. Vor, während und auch nach der Homeoffice-Pflicht war bzw. ist der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, die teilweise mobil arbeiten, höher als in den Handelsbranchen.

Orts- und zeitflexibles Arbeiten – ohne Erörterungsanspruch

Das Vorhaben der Bundesregierung, einen „Erörterungsanspruch über mobiles Arbeiten und Homeoffice“ einzuführen, lehnen 83 Prozent der befragten Firmen ab. Dazu AGA-Hauptgeschäftsführer Volker Tschirch: „Ein solcher Erörterungsanspruch greift in die Vertragsfreiheit ein und trägt ohne Not Konfliktpotenzial in die Firmen. Auch ohne bürokratischen Druck setzen immer mehr Unternehmen auf orts- und zeitflexibles Arbeiten. Erstens haben sie damit – wo möglich und sinnvoll – gute Erfahrungen in der Pandemie gemacht. Zweitens wollen sie als Arbeitgeber für Beschäftigte attraktiv bleiben. Der Anteil mobiler Arbeit wird daher in den nächsten Jahren automatisch weiter steigen.“ Zahlreiche Tätigkeiten lassen sich nicht in die mobile Arbeit bringen, so beispielsweise in der Lagerlogistik oder die wichtige Arbeit von Kassiererinnen und Kassierern im Einzelhandel.

Mit 33 Prozent am meisten verbreitet ist das Arbeitszeitmodell 2 bis 3 Tage mobiles Arbeiten und 2 bis 3 Tage Arbeit im Büro. Die Befragung zeigt, dass der Anteil „vor Ort im Büro“ den Anteil der mobilen Arbeit übersteigt. Ein Drittel der Firmen gibt aber auch an, dass die Arbeitszeitmodelle individuell mit den Beschäftigten abgestimmt werden und es nicht immer betriebsweite Regelungen gibt.

Wie auch in der Vergleichsstudie von 2020, die zum Beginn der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, bleiben das Entfallen der Anreise bzw. des Pendelns, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatem sowie die höhere Zufriedenheit der Beschäftigten die größten Vorteile des mobilen Arbeitens. Als stärkste Nachteile werden dagegen der fehlende persönliche Austausch, die erschwerte Konfliktlösung und die virtuelle Führung wahrgenommen.

Darüber hinaus wurden die Unternehmen zu Unterstützungsmaßnahmen, die sie ihren Beschäftigten in Bezug auf das mobile Arbeiten anbieten, befragt. Am häufigsten genannt werden die grundsätzliche IT-Ausstattung sowie zusätzliche Ausstattung und Weiterbildungsmaßnahmen. Zur Förderung der informellen Kommunikation bieten die meisten Unternehmen regelmäßige Videokonferenzen, aber auch festgelegte Tage für Präsenzarbeitszeiten an.

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