Unnötige Plastik- und Umverpackungen, niedrige Sparzinsen, Werbemails und zu langes Wartezeiten auf einen Facharzt-Termin sind die drängendsten Probleme im Konsumalltag der Hamburger Verbraucherinnen und Verbraucher. Das geht aus den Ergebnissen des „Verbraucherschutz-Pegels“ hervor.
Im Rahmen des dritten Verbraucherschutz-Pegels wurden verschiedene Themen etwa aus den Bereichen Lebensmittel, Verpackungen, Gesundheit und Patientenschutz, Finanzen und Versicherungen, Telefon und Internet, Verkehr und Reisen sowie Energie online abgefragt. Wie bereits im vergangenen Jahr waren die Bereiche Lebensmittel und Verpackungen besonders bedeutend: Nahezu 100 Prozent der Befragten nannte jeweils zumindest eine Beschwerde in diesen Bereichen.
Die Behörde für Gesundheit- und Verbraucherschutz (BGV) führte die Befragung zusammen mit der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. (vzhh) durch und gab nun das Ergebnis bekannt. Insgesamt 2.040 Bürgerinnen und Bürger haben sich demnach zum Jahreswechsel 2017/2018 daran beteiligt. „Ich freue mich, dass sich die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vergleich zum Vorjahr nochmals verdoppelt hat. Das zeigt, dass immer mehr Hamburger Verbraucherinnen und Verbraucher einen großen Bedarf an Verbesserungen im Konsumalltag sehen. Die vielen Rückmeldungen helfen uns, unsere Politik eng an den alltäglichen Problemen der Menschen auszurichten. Wir haben entsprechende Initiativen gestartet und werden dies weiter tun“, so Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Wenngleich die Umfrage keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebe, liefere sie als Sensor wichtige Erkenntnisse zu Verbraucherschutzproblemen und der Zufriedenheit mit dem Verbraucherschutz der öffentlichen Hand, heißt es.
Mangelnde Funktions- und Verwertungsfähigkeit von Verpackungen
Der Bereich Verpackungen zählt zu den größten Ärgernissen im Hamburger Verbraucheralltag: Zu viele Plastikverpackungen (83,6 Prozent) und unnötige Umverpackungen (82,8 Prozent) werden am häufigsten genannt. Ein Großteil der Befragten kritisiert in diesem Zusammenhang die mangelnde Funktions-, Trennungs- bzw. Verwertungsfähigkeit und wünscht sich ein Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher. Hier ist Hamburg bereits aktiv: Derzeit läuft eine von der Bürgerschaft in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zur Einführung eines pfandgestützten Mehrwegbechersystems in Hamburg. Im Rahmen der KEHR.WIEDER-Kampagne unterstützen zudem bereits zahlreiche Cafés und Bäckereien die Befüllung mitgebrachter Mehrwegbecher mit einem Rabatt.
Mogelpackungen und wenig Inhaltstransparenz bei Lebensmitteln
Im Themenfeld Lebensmittel ärgern sich die Befragten über versteckte Preiserhöhungen durch veränderte Füllmengen (57,2 Prozent) und irreführende Inhaltsangaben (50,3 Prozent). Hamburg habe zum Thema „Mogelpackungen“ bereits auf der vergangenen Verbraucherschutzministerkonferenz einen entsprechenden Antrag eingebracht, mit dem der Bund aufgefordert werde, zu prüfen, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert werden können, um das Problem der versteckten Preiserhöhungen und der sogenannten Luftverpackungen in den Griff zu bekommen, so die Senatsinformation.
Im Zusammenhang mit Lebensmitteln wurden auch Wünsche nach mehr Transparenz geäußert – beispielsweise in Richtung einfacher Erklärungen, wie einem Ampel-Modell bei der Nährwertkennzeichnung. Auf Initiative Hamburgs sei ein solches Vorhaben in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden. Die neue Ampelcheck-Karte, die BGV und VZHH kostenlos für das Portemonnaie zur Verfügung stellen, sei ein erster Schritt zu mehr Transparenz in diesem Bereich. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten damit die Gehalte an Zucker, Salz oder Fett in Lebensmitteln einfacher beurteilen.
„Die Hamburgerinnen und Hamburger haben sich wieder sehr aktiv und kritisch eingebracht. Davon zeugen die fast 25.000 Problemnennungen und 769 abgegebenen Freiantworten. Angesichts des hohen Problembewusstseins sind wir besonders stolz darüber, wie zufrieden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Verbraucherzentrale Hamburg waren. Ihre Rückmeldungen helfen uns, unsere Angebote weiter am Bedarf der Menschen auszurichten und zu verbessern“, sagt Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg.
Niedrige Sparzinsen, unerwünschte Werbemails und Werbeanrufe
88 Prozent thematisierten mindestens ein Problem im Bereich Finanzen und Versicherungen – allen voran niedrige Sparzinsen (63,1 Prozent), die insgesamt auf dem dritten Platz der meist genannten Ärgernisse landeten. Ebenfalls drängende Probleme im Verbraucheralltag zeigen sich in Bezug auf Telefon und Internet. 88,7 Prozent ärgern sich mindestens über einen Aspekt in diesem Bereich, ganz vorne dabei: unerwünschte Werbemails (59,5 Prozent) und Werbeanrufe (53,4 Prozent).
Gesundheitsbereich: lange Wartezeit auf Arzttermin und im Wartezimmer, aufgedrängte Igel-Leistungen, Falschbehandlungen
Im Bereich Gesundheit stieg die Thematisierung von Ärgernissen gegenüber dem Vorjahr leicht an: 84,8 Prozent nannten mindestens ein Problem, in erster Linie sind die Patientinnen und Patienten von zu langen Wartezeiten genervt – sowohl auf einen Termin beim Facharzt (59,5 Prozent) als auch direkt vor Ort in der Arztpraxis (38,7 Prozent). Aufgedrängte individuelle Gesundheitsleistungen (Igel-Leistungen) und Falschbehandlungen wurden im Vergleich zum vergangenen Jahr weniger häufig genannt.
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