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Aktienmarkt: Jahresendrallye trotz Israel-Krieg und Geldpolitik der US-Notenbank?

Beim gut besuchten Hamburger Börsentag am 11. November 2023 mit vielen Referenten und Ausstellern waren der Israel-Krieg und die zukünftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed das beherrschende Thema. Dennoch glaubten die meisten Referenten an eine Jahresendrallye. Ein Gastbeitrag des Osteuropa-Börsenexperten Andreas Männicke.

Am 11. November 2023 fand der Börsentag Hamburg im Börsensaal der Handelskammer Hamburg statt. Die jährliche Messe richtet sich an Privatanleger und Profis. Foto: Favorit-Media-Relations GmbH

Kommt nun trotz Israel-Krieg und restriktiver Geldpolitik der Fed eine Jahresendrallye?

Die Stimmung beim Hamburger Börsentag 11. November war gemischt. Die überwiegende Zahl der Referenten setzt aber auf eine Jahresendrallye und auch ein positives Szenario für das nächste Jahr. Der bekannte Investmentguru Heiko Thieme glaubt an eine Jahresendrallye und einen Dax von über 16.000 Indexpunkten. Gefragt sind weiterhin von allem „KI-Aktien“ wie Microsoft, die sogar einen neuen Jahreshöchstkurs erreichten. Ohne KI-Aktien wäre aber auch die Wall Street bei gleich gewichteten Indices im Minus. Nebenwerte sind kaum gefragt. Es mangelt hier an Liquidität.

Ob es nun tatsächlich zu einer allseits erhofften Jahresendrallye kommt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob der Israel-Krieg in einen Nahost-Krieg mündet, also ob Iran und einige arabische Länder sowie die Türkei mit in dem Krieg einbezogen werden oder nicht. Der französische Präsident Emmanuel Macron plädiert für einen sofortigen Waffenstillstand, wohl auch aus Angst, dass der Krieg zwischen Juden und Arabern später auch auf französischen Boden gewaltsam ausgetragen werden könnte. Die Übergriffe auf Juden waren selten so hoch wie jetzt in Frankreich. Das Land ist ein Pulverfass, da sich dort die größte jüdische Gemeinde und größte arabischen Gemeinde zum Teil feindlich gestimmt gegenüberstehen.

Gewalt mit massiver Gegengewalt zu beantworten, kann zur Eskalation führen

Dabei ist gegenseitiger Hass in dieser Situation genau der falsche Weg und führt nicht zur Problemlösung. Der abscheuliche und grausame Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober, bei dem mehr als 1.400 Menschen auf zum Teil barbarische Weise starben, ist genauso zu verurteilen und mit nichts zu rechtfertigen, wie die gegenwärtige breitflächige Bombardierung von Krankenhäusern, Flüchtlingsheimen und vielen zivilen Wohnungen in Gaza, wo angeblich schon über 4.000 Kinder sinnlos schon starben. Auch wenn die Hamas zum Teil die eigene Bevölkerung als Schutzschilder benutzt, ist ein derartiges gewaltsames Vorgehen mit nichts zu rechtfertigen, erst recht nicht mit dem Recht der Selbstverteidigung, das außer Frage steht. Hier müsste das Völkerrecht mehr eindeutige und klare Grenzen setzen und auch sanktionieren, damit so ein Massenmord an Zivilisten in so kurzer Zeit nicht wieder passiert. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel wurde hier nicht gewahrt.

Der Schutz der Unversehrtheit des Lebens und die menschliche Würde dürfen beide Kriegsparteien gleichermaßen für sich beanspruchen und einklagen, zumal was die friedliebende Zivilbevölkerung angeht. Da darf es keine Unterschiede bezüglich der Religionszugehörigkeit geben. Hier müssten jetzt auch Sanktionen gegenüber Israel gemacht werden, was aber nicht geschehen wird. Auch die oft gewaltsame und völkerrechtswidrige Siedlungspolitik von Israel müsste sanktioniert werden und wer diese Siedlungspolitik kritisiert, dürfte nicht als Antisemit verleumdet werden.

So wie es aussieht, dürfte der Israel-Krieg die Anleger noch bis Jahresende oder länger beschäftigen und es bleibt die bange Hoffnung, dass sich der Iran oder andere Staaten wie die Türkei nicht aktiv in den Krieg mit Militärgewalt einmischen. Dabei geriet der Ukraine-Krieg jetzt in den Hintergrund, wo aber auch die Gefahr besteht, dass der Krieg weiter eskaliert und sogar ein dritter Weltkrieg droht, wenn Polen oder Großbritannien hier aktiv militärisch eingreifen, was über Söldner zum Teil schon geschieht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selinskyi setzt nun immer mehr auf den Einsatz von Kampfjets und Mittelstreckenraketen im nächsten Jahr. Beim Drohnenkrieg scheint Russland nun allmählich die Überhand zu gewinnen. In beiden Fällen sollten westlichen Politiker jetzt einen sofortigen Waffenstillstand und diplomatische Gespräche auf allen Ebenen fordern, um weitere Eskalationsstufen und ein unnötiges Massensterben zu verhindern.

Börsen reagieren bisher gelassen auf mögliche Eskalationsgefahren

Die Börsen nehmen beide Kriegsgefahren bisher relativ gelassen auf. Ungemach droht aber auch weiterhin durch die fortan restriktive Geldpolitik der US-Notenbank. Sorgen machen auch die Gewerbeimmobilien in den USA, wo die Leerstände immer größer werden, zum Teil aber auch schon in europäischen Großstädten. Die Anleger sollten zudem darauf achten, ob ab dem 17. November ein „Shutdown“ in den USA droht, was auch die Wall Street und in Folge dessen auch die Weltbörsen belasten würde. Die US-Rating-Agentur Moody´s gab am Freitag einen negativen Ausblick auf US-Staatsanleihen, weil das US-Haushaltsbilanzdefizit zu hoch bleibt.

Bitcoin und KI-Aktien bleiben gefragt, Gold jedoch weniger

Die großen Weltbörsen wie der S&P-Index oder der Dax korrigierten schon in den Monaten September und Oktober um über 10 Prozent, erholten sich aber wieder ein wenig im November. So erholte sich der „Dax 40“ zuletzt wieder von 14.800 auf über 15.300 Indexpunkte, was immerhin ein Plus von über 8 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet. Der S&P Index erholte sich im November von 4.200 auf 4.400 Indexpunkte, womit der S&P-Index jetzt wieder mit 15,5 Prozent seit Jahresbeginn im Plus ist. Am besten schnitt weiter der Nasdaq-Index mit einem Plus von 32,8 Prozent, wobei auch hier wieder nur einige wenige KI-Aktien den Nasdaq-Index nach oben trieben. So erreichte Microsoft durch die „KI-Fantasie“ sogar ein neues Allzeithoch. Gefragt war auch weiterhin der Bitcoin, der auf das neue Jahreshoch von über 37.000 BTC/USD und damit um über 120 Prozent (!) seit Jahresbeginn anstieg. Gold korrigierte hingegen wieder von über 2000 auf nur noch 1.937 USD/Unze wegen neuer Zinsängste.

Osteuropabörsen bleiben Outperformer

Sehr erfreulich entwickelten sich die Börsen in Osteuropa, wobei viele Osteuropabörsen den Dax klar outperformen konnten. Ein Drittel der 30 am besten Börsen performenden Börsen der Welt stammen aus Osteuropa. Osteuropa bleibt damit einer der besten und aussichtsreichsten Anlagerregionen der Welt, die aber in den Medien immer noch sehr stiefmütterlich behandelt werden.

Budapester Börse plus 42 Prozent

So stieg der HTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für ungarische Aktien, bereits um 42 Prozent auf das neue Jahreshoch von 4.930 Indexpunkten. Nicht viel schlechter schnitt der PTX-Index für polnische Aktien mit einem Plus von 27 Prozent, der aber erst nach dem Wahlsieg der Opposition wieder Aufwind bekam. Der CECE-Index mit Ungarn, Polen und Tschechien im Boot konnten auch bereits um 25 Prozent zulegen – weit besser als der Dax oder S&P-Index! Sehr positiv entwickeln sich auch die Börsen in Südosteuropa, was Anleger über ein SETX-Zertifikat abdecken, das auch bereits um über 22 Prozent anstieg. Ebenso positiv entwickelten sich die Börsen im baltischen Raum. Merke: In Haussephasen gibt es immer wieder deutliche Outperformancechancen an den Börsen Osteuropas.

Neue Chancen in Kasachstan

Eine gute Alternative zu den russischen ADR/GDR, die an westlichen Börsen wegen der gegenseitigen Sanktionen nach wie vor nicht handelbar sind, sind jetzt weiter Aktien aus Kasachstan wie von allem der Ölwert Kazmuniagas, der Uranproduzent Kazatomprom und die beiden Großbanken Halyk Bank und Kaspi.kz. Jetzt kamen aber auch derb Goldproduzent Polymetal und die Konsumkette Fix Price aus Russland hinzu.

Der Broker Freedom Finance ermöglichte den direkten Marktzugang zu den Börsen in Kasachstan, was Anleger nutzen sollten. Aber auch einige russischen ADR/GRD sind jetzt außerbörslich mit einem Discount von bis zu 50 Prozent über die Broker Zerich Securities Ltd. oder Freedom Broker erwerbbar, was sich mittelfristig auszahlen dürfte.

Schnäppchenkurse bei russischen ADR im OTC-Markt

Immer mehr Unternehmen aus Russland wollen nun, wie zuvor Polymetal, an die Börse in Kasachstan wechseln, um dort wieder für westliche Anleger handelbar zu sein. Nach Polymetal wechselte nun auch der russische Discounter Fix Price an die Börse in Kasachstan und ist nun dort für unter 3 US-Dollar zu haben, während der Kurs an der Moskauer Börse umgerechnet über 4 US-Dollar beträgt.https://youtu.be/r7w9gJERT0Y?feature=shared

Es können jetzt auch wieder einige russische ADR in Originalaktien umgewandelt werden, wenn der Anleger zuvor eine Ausnahmengenehmigung bei der Bundesbank erhalten hat und ein Rubelkonto in Russland eröffnet hat. Die Eröffnung eines Rubelkontos ist wieder möglich durch die Broker Zerich Securities Ltd. und Freedom Broker.

Andreas Männicke hielt beim diesjährigen Hamburger Börsentag einen Vortrag über die neuen Chancen in Osteuropa, vor allem in Kasachstan und für einige russische ADR im OTC-Markt.

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ZUM AUTOR

Andreas Männicke ist Journalist, Buchautor, Verleger, Börsen-Experte und Berater (mit Spezialisierung auf Osteuropa) – bekannt aus TV- und Radio-Sendungen wie N-TV, N24, DAF, Bloomberg, Deutsche Welle. Mehr Information: www.andreas-maennicke.de und www.eaststock.de

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