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Biden-Putin-Treffen und Börsengeschehen

Nach dem Treffen von US-Präsident Joe Biden und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geht der Kampf um eine neue Weltordnung in die nächste Runde. Die US-Notenbank Fed gibt den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik bekannt. Weltbörsen sind nach neuem Allzeithoch durch die Fed verunsichert. Osteuropa-Börsen sind Outperformer; Exotenbörsen aus Osteuropa kommen. Börsenexperte Andreas Männicke gibt seine Einschätzungen.

Am 16. Juni 2021 trafen sich der US-Präsident Joe Biden und der russische Präsident Wladimir Putin erstmals auf neutralem Boden in Genf. Das Gespräch wurde mit Spannung erwartet und war auch dringend nötig, denn das Verhältnis zwischen den USA und Russland – immerhin zwei hoch aufgerüstete atomare Großmächte – war in der Nachkriegszeit noch nie so schlecht wie jetzt. Schon vor dem Gespräch hatte Biden „rote Linien“ aufgezeigt, die nicht überschritten werden dürfen wie ein Militäreinsatz Russlands in der Ukraine oder der Tod des oppositionellen Rechtsanwalts Nawalny im russischen Gefängnis.

Viele Weltbörsen befinden sich aufgrund der Geldflut der Notenbanken jetzt nahe dem Allzeithoch wie der deutsche Aktienindex Dax und der US-amerikanische S&P 500 Index. Aber acht Börsen in Osteuropa konnten sogar den Dax und den S&P-Index in diesem Jahr outperformen – an der Spitze die Börse aus Kasachstan mit einem Plus von 41 Prozent. Und auch der russische RDX-Index stieg bereits um 25 Prozent in Euro aufgrund stark gestiegener Ölpreise.

Besser Worte als Waffen sprechen lassen

Der US-Präsident Joe Biden hatte beim G7-Gipfel sowohl China als auch Russland als Feinde und neue Bedrohungen für die NATO bezeichnet. Er hat versucht, auch Europa auf seine Seite beim Kampf gegen China und Russland zu gewinnen, wobei Europa auch den wirtschaftlichen Handel mit China und Russland ausbauen will.

Eines ist nun klar: Biden Putin wollen im Gespräch bleiben, was gut ist. Es ist schwer zu sagen, wer bei dem Treffen am 16. Juni von Biden und Putin in Genf als Sieger hervorging. Beide Seiten haben ihre Meinungsunterschiede und Differenzen in einem freundlichen, aber nicht freundschaftlichen Ton zur Sprache gebracht. Ob dies sofort zu einer Entspannung führen wird, ist zweifelhaft. Immerhin dürfen beide Botschafter wieder ihre Arbeit aufnehmen, was zu begrüßen ist. Es ist jetzt sehr wichtig, dass der Gesprächsfaden nicht abreißt. Dies ist besonders wichtig, wenn es Stellvertreterkriege gibt oder neue geben könnten wie zuvor in Syrien und der Ukraine, die auch noch nicht befriedet sind. Denn aus einem Stellvertreterkrieg könnte irgendwann einmal ein Weltkrieg der militärischen Großmächte werden, was es unbedingt zu vermeiden gilt.

Eine neue Weltordnung entsteht, wer hat in Zukunft das Sagen?

Bei dem Gespräch mit Putin und Biden ging es auch um eine neue Weltordnung, wo neben den USA auch China und Russland ein Wort mitreden wollen. Das gemeinsame Ziel von China und Russland ist, die Weltherrschaft der USA abzubauen und selbst ein gewichtiges Wort mitzureden. Rein wirtschaftlich wird das China besser gelingen als Russland. In der Arktis gibt es neue Rohstoffpotenziale, die sowohl für Russland als auch den USA von großem Interesse sind. Es wäre fatal für die ganze Welt, wen der Versuch unternommen wird, diese Interessenkonflikte militärisch zu lösen ,so wie es bei vielen Stellvertreterkriegen schon der Fall war und ist – wie in Syrien und der Ukraine.

Russland ist auf kommende Krisen gut vorbereitet, die USA aber auch?

Der Versuch der Isolierung Russlands durch fortgesetzte Sanktionen, wo die Daumenschrauben immer mehr angezogen werden (ähnlich wie im Iran), kann irgendwann zu einer militärischen Auseinandersetzung führen, der für die ganze Welt gefährlich ist. Sowohl die USA als auch China und Russland haben enorm aufgerüstet und der Waffenexport ist weiterhin eine wichtige Einnahmequelle, für Deutschland ebenfalls. Dabei stieg die Verschuldung auch durch die Corona-Krise weltweit enorm an. Ob das globale Verschuldungsproblem nur durch mehr Wachstum gelöst werden kann, ist fraglich. Eine zu hohe dauerhafte Inflation kann schnell zu einem enormen Problem für alle Kapitalmärkte werden.

Hier ist Russland aber wesentlich geringer verschuldet und sogar besser abgesichert als die USA, da Russland ständig im Krisenmodus ist und sich aufkommende Krisen auch besser vorbereitet. So hat Russland als Puffer einen Wohlstandsfonds im Volumen von 160 Milliarden US-Dollar und Währungsreserven von über 600 Milliarden US-Dollar und dies bei Leistungsbilanzüberschüssen und einer Verschuldung von nur 20 Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP), wobei die USA schon mit 125 Prozent des BSP verschuldet sind.

Kommt nach der Coronakrise eine Cyberkrise oder ein Blackout?

Die Digitalisierung ist für alle Länder der Welt wichtig, auch für Russland, obwohl die digitale Welt von den Großkonzernen der USA eindeutig beherrscht wird. Sie schafft aber auch neue Verwundungspotenziale, wenn Cyberattacken überhand nehmen oder wenn es zu lokalen Blackouts kommen sollte. Dies wird gerade unter der Leitung der Sberbank virtuell im Internet geübt mit dem Planspiel des Weltwirtschaftsforums Polygon erprobt und getestet. Kommt etwa nach der Coronakrise nicht nur eine Klimakrise, sondern auch eine Cyberkrise – und wenn ja, von wem wird sie gesteuert bzw. initiiert? Hier ist viel Spielraum für neue Verschwörungstheorien.

Der Gesprächsfaden zwischen Biden und Putin darf nicht abreißen

Es war ein Gespräch auf Augenhöhe zischen Biden und Putin. Dies ist sehr wichtig für Putin, der damit auf die Weltbühne zurückkehren kann. Bidens Anklagepunkte, die auch zur Begründung der Sanktionen dienen, sind zahlreich, wie das angeblich aggressive Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine und die Cyberattacken von Russen auf US-amerikanische Firmen und die angebliche Einmischung in den US-Wahlkampf. Alles das ist aus Putins Sicht jedoch bisher nicht beweisen und daher seien die ständigen Sanktionen auch nicht angebracht. Es ist aber kaum damit zu rechnen, dass die US-Sanktionen schnell beendet werden.

China bleibt der „Hauptfeind“ der USA, dann kommt gleich Russland

Der wirtschaftlich bedeutsamere Konkurrent für die USA beim Kampf um eine neue Weltordnung ist sicherlich China, wobei Biden auch nicht will, dass Russland in Zukunft sich sowohl wirtschaftlich als auch militärisch mehr an China bindet. Biden will zudem vermeiden, dass Russland wieder ein strategischer Partner von Deutschland wird, wie es im Fall vom Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder der Fall war. Bei den bisherigen Sanktionen gegen den Bau der Nordischen Pipeline wird Biden keinen Abstand von den Sanktionen nehmen, aber wohl in Absprache mit Bundeskanzlerin Angela Merkel keine neuen Sanktionen gegen europäische Unternehmen aussprechen, so dass davon auszugehen ist, dass die von Gazprom gebaute Nordirische Pipeline bis Ende des Jahres fertiggestellt wird. Allerdings gibt es auch nach wie vor starke Gegner in der EU gegen den Bau dieser Pipeline, vor allem bei den Politikern der Grünen.

Die Coronakrise beschäftigt die USA und Russland weiterhin mit unterschiedlicher Impfbereitschaft

Die Coronakrise beschäftigt nach wie vor beide Länder, USA und Russland. Russland hatte im Vergleich zu den USA jedoch im letzten Jahr nicht so hohe Einbrüche zu verzeichnen. Russland hatte zwar bisher keinen zweiten Lockdown, dafür gab es jetzt in Moskau eine vom Moskauer Bürgermeister angeordnete freie Arbeitswoche in Moskau, weil dort die Zahl der Coronainfizierten wieder sprunghaft auf 6.000 am Tag angestiegen ist. Im Gegensatz zu den USA ist die Impfbereitschaft in Russland weiter hin sehr gering. Nur 12 Prozent der Bevölkerung sind bisher in Russland mit Sputnik V geimpft. In Deutschland wurden bereits 30 Prozent zweimal und 50 Prozent einmal geimpft. In den USA wurden schon 311 Millionen Personen geimpft, mehr als in der EU mit etwas über 300 Millionen Personen. In den USA sind damit 58 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Jetzt lässt die Impfbereitschaft auch in den USA nach.

Die Fed gibt erste Signale zur Beendigung der ultralockeren Geldpolitik

Neben dem mit Spannung erwarteten Gespräch zwischen Putin und Biden war auch die letzte Sitzung der US-Notenband Fed von Bedeutung. Die Fed gab erstmals bekannt, dass sie die Zinsen wegen der guten Konjunktur schon im Jahr 2023 in zwei Zinsschritten erhöhen wird. Zudem wurde diskutiert, ob und wann der Aufkauf von Wertpapieren in dem Umfang wie zuvor weiterhin fortgesetzt wird. Die Bundesbank ist schon lange für die baldige Beendigung des Wertpapier-Aufkaufprogramms der Europäischen Zentralbank EZB im Volumen von 120 Milliarden Euro.

Sobald die Drogenpolitik der Notenbanken beendet wird und dem Markt weniger Liquidität zugeführt wird, wird es auch eng für die Aktien- und Rohstoffmärkte in Zukunft. Durch das „Tapering“ könnte auch die Aktien-Hausse beendet werden. Aber auch die Höhe der Inflationsrate ist für die Zukunft der Aktien- und Anleihenmärkte bedeutsam.

Die Fed betrachtet die Inflation nur als temporäres Problem, das später wieder verschwinden wird. Die Rohstoffpreise waren innerhalb eines Jahres stark gestiegen und auch die Löhne werden jetzt wieder ansteigen, so dass zunächst der Inflationsdruck erhalten bleibt. Die Aktienmärkte korrigierten wegen der Inflationsgefahren und Zinsängste bereits am Freitag, dem 18. Juni kräftig. So gab der deutsche Aktienindex Dax um 1,78 Prozent auf 1,78 Prozent und der US-amerikanische Aktienindex Dow-Jones-Index (DJI) um 1,58 Prozent auf 33.290 Indexpunkte nach. Damit stieg der Dax seit Jahresbeginn „nur“ noch um 12,45 Prozent und der DJI um 10,14 Prozent.

8 Osteuropa-Börsen können den Dax schon wieder klar outperformen!

Sehr gut konnten sich hingegen einige Aktienmärkte in Osteuropa behaupten, die schon zuvor den Dax und DJI klar outperformen konnten. So stiegen die Aktienmärkte in Kasachstan, der Ukraine, Russland, Bosnien und Polen am 18. Juni leicht an, während die westlichen Weltbörsen stark nachgaben. Acht Börsen in Osteuropa konnten auch schon vorher den Dax und DJI klar outperformen. So stieg der KTX-Index für Kasachstan bis zum 19. Juni um 41,0 Prozent auf 564 Indexpunkte, der UTX-Index für die Ukraine um 30,89 Prozent auf 160 Indexpunkte, der RDX-Index für Russland um 27 Prozent auf 1.797 Indexpunkte, der BTX-Index für Bulgarien um 26,5 Prozent auf 1.622 Indexpunkte, der CTX-Index für Tschechien um 21,25 Prozent auf 1.475 Indexpunkte, der ROTX-Index für Rumänien um 19,44 Prozent auf 14.314 Indexpunkte, der BATX-Index für Bosnien um 17,10 Prozent auf 862 Indexpunkte und der HTX-Index für Ungarn um 19,96 Prozent auf 4.402 Indexpunkte, alles wohlgemerkt auf Eurobasis und nicht in Landeswährung. Aber auch die baltischen Börsen aus Estland, Lettland und Litauen liegen schon seit Jahren immer ganz vorne unter den Top-Performern der Welt und werden dennoch kaum beachtet. Etwas schlechter als der Dax schnitt in Osteuropa nur der CROX-Index für Kroatien mit einem Plus von 11,57 Prozent und der PTX-Index für Polen mit einem Plus von 9,64 Prozent auf 1.031 Indexpunkte ab.

Fazit: Sie können mit Aktien aus Osteuropa immer wieder klar outperformen; nur erzählt Ihnen das kein Bankberater und auch nur wenige Vermögensberater. Auch in den Medien werden die Börsen aus Osteuropa immer noch sehr stiefmütterlich behandelt.

 

— Andreas Männicke —

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ZUM AUTOR

Andreas Männicke ist Journalist, Buchautor, Verleger, Börsen-Experte und Berater (mit Spezialisierung auf Osteuropa) – bekannt aus TV- und Radio-Sendungen wie N-TV, N24, DAF, Bloomberg, Deutsche Welle. Mehr Information: www.andreas-maennicke.de und www.eaststock.de.

 

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