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Hamburgs Wirtschaft zeigt sich konjunkturell uneinheitlich

Geschäftslage noch positiv, aber sehr skeptischer Blick in die Zukunft: Die Situation in Hamburgs Wirtschaft ist im Sommer 2022 sehr zweigeteilt, wie aus dem aktuellen Konjunkturbarometer der Handelskammer hervorgeht.

Hamburgs Wirtschaft bewertet die Geschäftslage im zweiten Quartal 2022 noch positiv, blickt aber skeptisch in die Zukunft. Im Gegensatz zu anderen Branchen steht das Hamburger Gastgewerbe überdurchschnittlich gut dar. Foto: Favorit-Media-Relations-GmbH

Die aktuelle Geschäftslage wird laut Handelskammer-Konjunkturbarometer insgesamt noch positiv bewertet. Acht von zehn Unternehmen geben an, es laufe derzeit mindestens „saisonüblich“ oder sogar „gut“. Beim Ausblick auf die kommenden Monate seien aber dunkle Wolken sichtbar. Für sieben von zehn befragten Unternehmen gehörten die Energie- und Rohstoffpreise derzeit zu den größten Geschäftsrisiken und seien damit genauso herausfordernd wie der Fachkräftemangel.

Der Geschäftsklimaindex der Hamburger Wirtschaft liegt zum Ende des zweiten Quartals 2022 bei 89,3 Punkten und damit mehr als sechs Punkte unter dem Ergebnis der Befragung von vor drei Monaten. 600 Unternehmen haben sich im Zeitraum vom 21. Juni bis 7. Juli beteiligt. Bei einzelnen Branchen zeigen sich dabei teils große Unterschiede. Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft kommen auf einen Geschäftsklimaindex von 59 Punkten. Das Gastgewerbe liegt mit knapp 116 Punkten deutlich über dem Durchschnitt. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen bezeichnet die aktuelle Lage als „befriedigend bzw. saisonüblich“. Für 36 Prozent ist die Lage „gut“, für 17 Prozent „schlecht“.

Die Abweichung zwischen den beiden letztgenannten Werten (Saldo: plus 18,7) – sprich der Überhang an positiven Stimmen bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage – ist noch größer als bei der vorherigen Befragung (Saldo zum Ende des ersten Quartals 2022: plus 8,5). Die aktuelle Lage ist jedoch von Branche zu Branche recht unterschiedlich. Überdurchschnittlich viele positive Einschätzungen stammen unter anderem aus dem Grundstücks- und Wohnungswesen  (Saldo: plus 59,5), dem Baugewerbe (plus 52,5), von Public-Relations- und Unternehmensberatungen (plus 36,4), aus dem Gastgewerbe (plus 33,7) und dem Verkehrssektor (plus 29,2). Andererseits gibt es Branchen, in denen die Beurteilungen der aktuellen Lage nicht nur unterdurchschnittlich, sondern sogar per saldo negativ ausfallen — so etwa im Einzelhandel (Saldo: minus 14,8), bei überwiegend personenbezogenen Dienstleistern (minus 10,0) oder im Verarbeitenden Gewerbe (minus 4,3).

Pessimismus in verschiedenen Branchen

Die Geschäftserwartungen in der Hamburger Wirtschaft haben sich merklich verschlechtert. 42 Prozent der befragten Unternehmen gehen für die kommenden zwölf Monate von einer „eher ungünstigeren“ Lage aus. Besonders groß ist der Pessimismus zum Beispiel im Baugewerbe und in der Gesundheitswirtschaft. Die beiden größten genannten Geschäftsrisiken sind die Energie- und Rohstoffpreise (69 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (68 Prozent).

Lag der Überhang an pessimistischen Stimmen vor drei Monaten noch bei minus 15,7, ergibt sich zum Ende des zweiten Quartals 2022 ein Saldowert von minus 32,8. Denn während 8,8 Prozent der antwortenden Hamburger Unternehmen eine „eher günstigere“ Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten erwarten, sehen 41,6 Prozent eine „eher ungünstigere“ Geschäftslage voraus. Die übrigen Unternehmen (49,6 Prozent) gehen von einer in etwa gleichbleibenden Geschäftslage aus. Mit besonders großem Pessimismus stechen unter den Branchen nicht zuletzt der Handel (Saldo: minus 44,5), der Verkehrssektor (minus  48,6), das Baugewerbe (minus  54,7) sowie die Gesundheitswirtschaft (minus  64,9) hervor. Auffällig sei, dass es zum Ende des zweiten Quartals 2022 unter den auswertbaren Branchen keine gibt, in der mehr optimistische als pessimistische Geschäftserwartungen von den Unternehmen mit Blick auf die kommenden zwölf Monate gehegt werden, so die Handelskammer.

Notwendige Maßnahmen umzusetzen, um die Energieversorgung für Unternehmen zu sichern!

„Hamburgs Unternehmen befinden sich in einer ernsten Situation, die Energieversorgung ist von erheblichen Unsicherheiten geprägt“, fasst Jan-Oliver Siebrand, Bereichsleiter Nachhaltigkeit und Mobilität der Handelskammer Hamburg, zusammen. „Wir appellieren an die alle zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung, sämtliche notwendigen Maßnahmen unmittelbar umzusetzen, um die Energieversorgung für die Unternehmen zu sichern. Die Abschaltreihenfolge im Falle einer Gasmangellage sollte berücksichtigen, dass wir unseren Wohlstand gefährden, wenn wir unwiederbringlich unsere tragenden Wirtschaftsstrukturen gefährden, zum Beispiel im produzierenden Sektor.“ Hamburgs Wirtschaft stehe bereit, schon jetzt – drei Monate vor Beginn der Heizperiode – ihren vertretbaren Anteil an den notwendigen Strom- und Gaseinsparungen zu leisten. Die Handelskammer biete Unternehmen hierzu umfangreiche Beratungen an. Die Situation mache auch deutlich, wie wichtig es ist, sowohl den kurzfristigen Bezug von Kohle und Gas sicherzustellen und zugleich die Nutzung regenerativer Energiequellen mit Hochdruck vorantreiben.

Explodierende Prese für Rohstoffe und gestörte Lieferketten

Bei Hobum Oleochemicals in Hamburg-Harburg werden Pflanzenöle zu technischen Rohstoffen für die chemische Industrie verarbeitet. So entstehen zum Beispiel Weichmacher für die Verpackung von Nahrungsmitteln oder Haftvermittler für Anwendungen im Kfz-Unterbodenschutz oder in der Luftfahrt. Dafür braucht das Familienunternehmen etwa  Sonnenblumenöl aus der Ukraine und Erdgas zur Herstellung von Hochdruckdampf. „Wenn wir kein Gas mehr bekommen, können wir nicht eine Tonne produzieren“, sagt Geschäftsführer Arnold Mergell. „Wir stellen uns dennoch auf einen Lieferstopp von russischem Gas ein. Als Alternative schaffen wir derzeit einen Zweistoffbrenner an, der auch mit Heizöl läuft. Mittelfristig setzen wir auf Wasserstoff und hoffen auf eine dramatische Beschleunigung der laufenden Initiativen in Hamburg“. Ein weiteres Problem für Arnold Mergell: Die explodierenden Preise für Pflanzenöle, durch den Krieg in der Ukraine.

Progonstizierte Wirtschaftswachstum nur noch 1,75 Prozent

Insgesamt tragen auch gestörte Lieferketten weiter zur Unsicherheit in der Wirtschaft bei. Das ist ein Aspekt der jüngsten Konjunkturprognose des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Eingeschränkte Handelsbeziehungen und durch die Inflation gesunkene reale Kaufkraft drücken das Wirtschaftswachstum. Das HWWI geht für dieses Jahr noch von 1,75 Prozent aus. Für 2023 – vorausgesetzt die Krisenprobleme entspannen sich – wird mit einem Wachstum von 2,5 Prozent gerechnet.

 

Bildquellen

  • HafenCity Hamburg: Favorit-Media-Relations-GmbH
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