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Kolumnen & Glossen

Kolumne „Kann passieren …“ – Auf der grünen Wiese

Diese Kolumne unseres Autors Andreas Ballnus ist mal etwas Außergewöhnliches. Die Geschichte: Eine Familienbegebenheit beim sommerlichen Picknick. Das Außergewöhnliche: Der Text enthält ein Suchspiel – für Menschen, die Freude an Buchstaben und Wörtern haben.

Christian Calhoun / Pixabay.com

In Andreas Ballnus‘ Geschichte sind 20 Autorennamen (sowohl Klar- als auch Nicknamen) aus dem Literaturforum „Leselupe.de“ versteckt (Stand 2016). In diesem Forum veröffentlicht unser Autor schon seit dem Jahr 2006 unter dem Nicknamen „anbas“ seine Texte. Die zu suchenden Namen wurden teilweise auf mehrere Worte und/oder über Satzzeichen hinweg eingebaut.

Damit Sie überhaupt eine Chance haben, die – zum Teil auch sehr fantasievollen – Namen zu finden, werden sie nun in der Reihenfolge aufgeführt, in der sie im Text versteckt wurden (Groß- und Kleinschreibung wurde hierbei nicht berücksichtigt): orlando – gareth – Papalagi – MIO – aligaga – Miro – revilo – JoteS – Zeder – werther – Walther – Franke – Sta.tor – Hagen – anbas – Tigerauge – Ralf Langer – Metino – Monochrom – Label.  

Und nun: Viel Spaß beim Lesen und Suchen! Die Auflösung finden Sie am Ende des Textes.

Auf der grünen Wiese

Ein heißer Sommertag ging zu Ende. Die tiefstehende Sonne warf lange Schatten auf den Stadtpark und das kleine angrenzende Stück Moorland. Obwohl es mitten in der Woche war, schien niemand der Menschen, die sich hier tummelten, ans Nachhausegehen zu denken. Stattdessen verdrängte der Geruch von scharf gegrilltem Fleisch den Duft der Blumen, und das Gewirr von all den Stimmen übertönte den Gesang der Vögel.

Tommi war hungrig und schaute sehnsuchtsvoll zu dem Picknickkorb, den seine Eltern mitgenommen hatten. Seine Mama hatte, gleich nachdem sie im Park angekommen waren, ihre beste Freundin Manuela getroffen. Seitdem standen die beiden Frauen zusammen und redeten und redeten und redeten. Tommi kannte das schon. Er verdrehte die Augen und knetete lustlos auf einem Flummi herum, den er vor kurzem gefunden hatte. Ihn langweilten die Gespräche – besonders, wenn Worte fielen, die er noch nie gehört hatte. Wie eben, als Manuela von ihrem neuen Freund Tilo schwärmte und fast andächtig sagte, man könne sogar ethische Fragen mit ihm diskutieren.

„Ethische Fragen“? Tommi hatte keine Ahnung wovon die sprachen. Genervt schaute er sich um. Papa lag im Schatten eines Baumes und döste, anstatt sich um das mitgebrachte Essen zu kümmern. Neben ihm im Gras lag ein Krimi – ohne etwas zum Lesen dabeizuhaben, ging er nie aus dem Haus. Papa hatte die Nacht über wieder vor dem PC gesessen und online Canasta gespielt. Seit er sich dort einer Liga angeschlossen hatte, war er am Wochenende oft noch müder als in der Woche. Mama und er hatten deswegen in der Vergangenheit schon öfters Streit gehabt. Und wegen dieser blöden Canasta-Liga gab es jetzt nichts zu essen. Denn sonst hätte Papa schon längst alles aus dem Picknickkorb ausgepackt und würde nicht einfach so daliegen und schlafen.

Unter einer Bank entdeckte Tommi eine Katze, die es sich dort bequem gemacht hatte. Langsam näherte er sich dem Tier, das ihn aufmerksam beobachtete. Als er sich zu ihr hinunter beugte, um sie zu streicheln, stand sie widerwillig auf und zog sich etwas weiter zurück. Er hielt inne und wartete. Auch die Katze blieb stehen und schaute zu ihm hinüber. Tommi rollte ihr nun den Flummi zu. Gerade, als sie sich den kleinen Ball näher ansehen wollte, jubelte Mama laut auf.

„Das ist aber toll, dass du uns helfen willst!“, rief sie leicht theatralisch seiner kleinen Schwester Evi lobend zu.

Diese hatte sich über den Picknickkorb hergemacht. Nun lagen um ihn herum eine aufgerissene Kekspackung, ein Glas mit Gewürzgurken, das sie nicht aufbekommen hatte, alle mitgebrachten Pappteller und die, zum Glück noch verschlossene, Tupperdose mit dem Nudelsalat. In der Hand hielt sie eine Tube mit Mayonnaise und war dabei, den Deckel aufzudrehen.

Tommi wusste, hätte er das getan, würde es jetzt Ärger geben. Denn er kam ja bald zur Schule und war deshalb ein großes Kind – jedenfalls hatte Mama das so gesagt. Und große Kinder würden nicht einfach an alle Sachen rangehen. Das hatte er sich gemerkt. Evi dagegen war noch klein. Fast alles, was sie tat, fanden die Eltern nur süß. Auch jetzt, als sie die Majo testete und sich dabei das Gesicht einschmierte, lachte Mama nur.

Der schrille Jubelruf von Mama hatte die Katze derart erschreckt, dass sie in die nahegelegenen Büsche geflüchtet war, die den Park von dem moorigen Nachbargelände abgrenzten. Tommis Hunger wuchs immer mehr an. Doch Mama ließ sich weiter von Manuela über deren doofen Freund berichten. Langsam wurde Tommi wütend. Als Manuela dann auch noch damit anfing, von dessen Krankheit zu berichten, die nur ‚schwer therapierbar‘ sei – wieder ein Wort, das er nicht kannte – brach sein Ärger mit aller Gewalt heraus.

„Ich habe Hunger!“, brüllte er und stampfte wütend mit den Füßen auf den Boden. Dann schubste er Evi zur Seite, die sofort laut zu brüllen anfing, und machte sich über den Picknick-Korb her. Ihm war es jetzt egal, was ein großer Junge tat oder nicht tat. Er wollte endlich etwas essen. Als erstes machte er sich an das Sandwich mit dem Roastbeef ran – keiner machte solch tolle Sandwichs wie Mama.

„Du spinnst wohl, deine Schwester so herumzuschubsen! Und leg das sofort wieder zurück!“, schnauzte diese ihn sogleich an.

„Aber Evi hat …“, weiter kam er nicht.

„Du wartest, bis wir soweit sind, und damit basta. Torsten, kannst du dich bitte auch mal um deine Kinder kümmern? Du siehst doch, dass Manuela und ich etwas zu besprechen haben!“

Ärgerlich schaute sie zu Papa hinüber. Dieser erhob sich langsam und stöhnte laut hörbar: „Gesehen habe ich nichts – aber gehört!“

Mama warf ihm einen bösen Blick zu, sagte aber nichts. Stattdessen setzte sie ihr Gespräch mit Manuela fort. Allerdings sprachen sie nun deutlich leiser.

Papa begann, die mitgebrachte Decke auszubreiten, die Teller wieder einzusammeln und das Essen aus dem Korb zu nehmen. Dann wischte er Evi den Mund ab und wandte sich anschließend wieder Mama zu.

„Natascha, genügt das, oder soll ich gleich alles auspacken?“

Diese antwortete nicht. Stattdessen sprach sie nun demonstrativ wieder lauter, während Manuela leise weiterredete.

„Wirklich? … Woran bastelt Tilo genau? … Ein Vogelhäuschen für deinen Vater? … Und er kennt sich mit der Astronomie aus? … Er nennt dich wie? … ‚Mein prächtiger Augenstern‘? … Und wie nennst du ihn? … ‚Deinen Kometen‘ … Ach, das ist ja so romantisch! … Leider ist da Torsten ganz anders. Der hat mit Romantik nichts am Hut. Er könnte zwar über Figuren aus dem Fernsehen wie Al Bundy, Homer Simpson oder Alf lange referieren – aber wen interessiert das schon? Und romantisch ist das erst recht nicht.“

„Aber dafür sieht er ein wenig aus wie Alf“, platzte es kichernd aus Manuela heraus. Beide Frauen lachten laut auf.

Papa erstarrte. Dann schnaufte er: „Das sagt genau die Richtige! Dieser Tilo, dein Komet, tut mir jetzt schon leid. Aus meiner Sicht gehört dieser Komet in ordentlichere Bahnen. Er sollte jedenfalls nicht um dich kreisen. Und du redest von Romantik? Man kann sogar an einem alten Fahrraddynamo noch romantischere Seiten entdecken als an dir, Manuela – und dich kenne ich ja auch schon seit einiger Zeit.“

Manuela erblasste, während Mama rot vor Wut wurde. Sie rang nach Luft und Worten. Papa räumte unterdessen wieder alles ein und legte die Decke zusammen.

„Ich denke“, sagte er, „das war’s dann wohl mit dem Picknick. Ich gehe jetzt mit den Kindern zu McDoof. Soll ich euch den Korb hierlassen, damit noch was zu futtern da ist, während ihr euch gleich weiter das Maul über mich zerreißt?“

„Du kannst mich mal“, zischte Mama und zog mit Manuela beleidigt ab.

Als die beiden außer Sichtweite waren, packte Papa den Korb wieder aus.

„So“, sagte er ganz ruhig, „jetzt kann es doch noch ein netter Abend werden“.

– Andreas Ballnus —

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ZUM AUTOR

Andreas Ballnus
Jahrgang ’63, Liedermacher und Autor. Außerdem ist er Gründungs- und Redaktionsmitglied der Stadtteilzeitung „BACKSTEIN“. Unter dem Nick „anbas“ hat er in dem Literaturforum „Leselupe.de“ eine Vielzahl seiner Texte veröffentlicht. Er lebt in Hamburg und verdient sein Geld als Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst. Weitere Informationen: andreasballnus.de.tl

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Haben Sie die Namen entdeckt? – Auflösung des Suchspiels:

  • Ein heißer Sommertag ging zu Ende. … Moorland. Obwohl es mitten in der Woche war, schien niemand der Menschen, …
  • Tommi war hungrig … Wie eben, als Manuela von ihrem neuen Freund Tilo schwärmte und fast andächtig sagte, man könne sogar ethische Fragen mit ihm diskutieren.
  • „Ethische Fragen“? … Papa lag im Schatten eines Baumes … Neben ihm im Gras lag ein Krimi – ohne etwas zum Lesen dabeizuhaben, … Und wegen dieser blöden Canasta-Liga gab es jetzt nichts zu essen.
  • Unter einer Bank entdeckte Tommi eine Katze … Tommi rollte ihr nun den Flummi zu.
  • „Das ist aber toll, dass du uns helfen willst!“, rief sie leicht theatralisch seiner kleinen Schwester Evi lobend zu.
  • Tommi wusste, hätte er das getan … Fast alles, was sie tat, fanden die Eltern nur süß. Auch jetzt, als sie die Majo testete und sich dabei das Gesicht einschmierte, lachte Mama nur.
  • Der schrille Jubelruf von Mama hatte die Katze derart erschreckt, dass … Als Manuela dann auch noch damit anfing, von dessen Krankheit zu berichten, die nur ‚schwer therapierbar‘ sei – wieder ein Wort, das er nicht kannte – brach sein Ärger mit aller Gewalt heraus.
  • „Ich habe Hunger!“, brüllte er und stampfte wütend mit den Füßen auf den Boden … Als erstes machte er sich an das Sandwich mit dem Roastbeef ran – keiner machte solch tolle Sandwichs wie Mama.
  • „Du wartest, bis wir soweit sind, und damit basta. Torsten, kannst du dich bitte auch mal um deine Kinder kümmern?
  • „Natascha, genügt das, oder soll ich gleich alles auspacken?“
  • „Wirklich? … Woran bastelt Tilo genau? … Ein Vogelhäuschen für deinen Vater? … Und er kennt sich mit der Astronomie aus? … Er nennt dich wie? … ‚Mein prächtiger Augenstern‘? … Und wie nennst du ihn? … Er könnte zwar über Figuren aus dem Fernsehen wie Al Bundy, Homer Simpson oder Alf lange referieren …
  • Papa erstarrte. Dann schnaufte er: „Das sagt genau die Richtige! Dieser Tilo, dein Komet, tut mir jetzt schon leid. Aus meiner Sicht gehört dieser Komet in ordentlichere Bahnen … Man kann sogar an einem alten Fahrraddynamo noch romantischere Seiten entdecken …
  • „Du kannst mich mal“, zischte Mama und zog mit Manuela beleidigt ab.

 

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Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

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