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Statement von Jaron Lanier zu Facebook und den Äußerungen von Mark Zuckerberg

Jaron Lanier bezieht Stellung zu Aussagen des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. Dieser hatte in einem Interview mit dem amerikanischen Tech-Blog Recode erklärt, dass er Beiträge von Holocaust-Leugnern nicht von seiner Plattform löschen wolle.

Jaron Lanier bezieht Stellung zu Aussagen des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. Dieser hatte in einem Interview mit dem amerikanischen Tech-Blog Recode erklärt, dass er Beiträge von Holocaust-Leugnern nicht von seiner Plattform löschen wolle.

New York, 02. August 2018. „Wie konnte es passieren, dass ein Unternehmen zur Hauptquelle für Informationen, soziale Kontakte und die Lebensplanung von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt geworden ist, welches gleichzeitig erwiesenermaßen Falschinformationen verbreitet, die Leben ruinieren und zu Blutvergießen führen?

Natürlich gibt es auch positive Aspekte von Facebook, aber im Grunde sind dies alles Dinge, die zu den Vorteilen des Internets gehören und nicht spezifisch von Facebook abhängen. Man kann die Sportereignisse der Kinder koordinieren oder Treffen mit Gleichgesinnten organisieren – es ist sehr praktisch, solche Dinge online zu tun. Das war einer der Hauptgründe für die Erfindung des Internets. Facebook hat dem keine neuen Errungenschaften hinzugefügt.

Stattdessen hat Facebook das Internet in etwas Böses verwandelt. Es gibt keine andere Beschreibung dafür.
Jetzt haben wir dieses fragwürdige Unternehmen, das sich als unabhängig und Teil der Öffentlichkeit ausgibt, obwohl es von einer einzigen Person kontrolliert wird, welche entweder ein Roboter sein muss, ohne jegliches Verständnis für menschliche Empfindungen oder zumindest vorgibt, einer zu sein.

Laut Zuckerberg lässt sich die Welt einteilen in große Technologiefirmen wie Facebook und in Individuen. Zuckerberg verlangt, dass falsche und grausame Propaganda auf Facebook verbreitet werden kann und er davon profitieren darf. Andernfalls würde er in das Leben der Individuen eingreifen. Sicherlich wäre es merkwürdig, wenn ein Konzern bestimmt, was man sagen kann.
Tatsächlich wurde gesellschaftlicher Anstand nie allein durch Verbote geschaffen. Ja, eine Regierung kann die Leugnung des Holocausts verbieten, aber das kann nicht genug sein. Anstand muss auch positiv entwickelt werden, nicht allein durch Verbote und Strafen.

Akteure, die zu einer positiven Entwicklung beigetragen haben, waren schon immer Institutionen wie Schulen, Zeitschriften, Universitäten, Gewerkschaften und andere Organisationen, die Normen und Ideale vertreten.
Wenn die Regierung oder Facebook verkünden, dass die Menschen höflich sein müssen, dann ist das autoritär. Wenn eine Institution das tut, der Menschen freiwillig beitreten, dann handelt es sich um das Herz der Zivilisation.

„Die unabhängige Presse macht mehr Gutes für die Welt als all das Gute, das durch Tausende Facebooks zusammengenommen jemals entstehen könnte. Wir müssen einen Weg finden, um den Schaden rückgängig zu machen, der dem Journalismus und anderen Institutionen, die für Anstand einstehen, zugefügt wurde.“
Jaron Lanier

Hier kommen wir zu den Mechanismen, die unsere Welt zerstören. Facebook hat es sich zum Geschäftsmodell gemacht, diese Institutionen systematisch zu attackieren und zu schwächen. Wie sonst sollte man das Gründungsmotto der Firma move fast and break things verstehen?

Die unabhängige Presse wurde beispielsweise dazu genötigt, Rahmenbedingungen zu akzeptieren, die dafür sorgen, dass sich solche Neuigkeiten am meisten verbreiten, die die Nutzung von Facebook erhöhen. Damit reduziert sich nicht nur die Selbstbestimmtheit der Journalisten, diese Bedingungen fördern auch die Sichtbarkeit von Quellen mit Gewalt provozierender Propaganda, da auch die unabhängige Presse Klickzahlen braucht, um im Geschäft zu bleiben.

Als Facebook die Bedeutung des Journalismus herunterspielte, um der Verantwortung für die verworrenen Wahlen zu entgehen, und somit dafür, dass unser Alltag zu einem Spielplatz für feindliche Nachrichtendienste geworden ist, gab es keinen Plan B. Die Nachricht verselbstständigte sich in verschiedene Richtungen.

Die unabhängige Presse macht mehr Gutes für die Welt als all das Gute, das durch Tausende Facebooks zusammengenommen jemals entstehen könnte. Böse Menschen sehen sich selbst selten als böse, weshalb sie sich Geschichten ausdenken, an die sie glauben können – Geschichten, die das, was sie tun, richtig erscheinen lassen und verhüllen, was sie in Wirklichkeit tun. Darum gibt es eine boshafte Bewegung, die, durch Facebook unterstützt, behauptet, bei den Eltern der während des Sandy-Hook-Massakers getöteten Kinder würde es sich um bezahlte Schauspieler handeln. Darum wird der Holocaust geleugnet. Darum gibt es gewisse Leute, die den Klimawandel als Schwindel bezeichnen.

Die Wahrheit ist keine Option, sondern der einzige Weg zu Anstand und Überleben. Warum darf Facebook in Deutschland Geld verdienen, wenn dessen Geschäftsmodell im Rest der Welt darauf ausgerichtet ist, von der Leugnung des Holocausts zu profitieren? Oder von der Leugnung des Klimawandels?

Zu fordern, dass Facebook es unterlassen soll, vom menschheitszerstörenden Bösen zu profitieren, ist nicht genug. Wir müssen einen Weg finden, um den Schaden rückgängig zu machen, der dem Journalismus und anderen Institutionen, die für Anstand einstehen, zugefügt wurde. Wir sind in ein Loch gefallen, aus dem wir schwer wieder herauskommen. Aber wir müssen etwas unternehmen, bevor wir noch tiefer fallen.“

 

Jaron Lanier

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Kolumne Kann passieren

KOLUMNE KANN PASSIEREN

Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Beiträge, die von Andreas Ballnus erschienen sind.

Lesen Sie auch die  Buchbesprechung zur Antologie „Tierisch abgereimt“.

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