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Was nun machen mit den russischen ADR? Teil 3

Nachdem die Abwicklungs- und Verwahrgesellschaft Clearstream die Weitergabe der russischen ADR (American Depositary Receipts, Hinterlegungszertifikate) im September verweigerte, schien es nach einer neuen Clearstream-Verlautbarung am 6. Oktober wieder möglich zu sein, russische ADR zu übertragen und dann in Originalaktien umzutauschen. Falls über Clearstream der ADR-Übertrag erfolgen kann, stehen Anlegern mit Freedom Broker (ehemals Freedom Finance) und Zerich Securities Ltd zwei erfahrene Broker aus Zypern zur Verfügung, die den Umtausch abwickeln. Neu ist, dass auch der Verkauf von Originalaktien über beide Broker möglich ist, sobald die ADR angekommen sind. Möglich ist zudem weiterhin der „russische Weg“ mit eingeschränktem Zeitfenster bis 11. November 2022. Andreas Männicke gibt seine Einschätzungen über die Möglichkeiten der Umwandlung der ADR/GDR in russische Originalaktien.

Foto: Ahmad Ardity / Pixabay.com

Halter von russischen ADR, Osteuropafonds, Russlandfonds, ETF und russischen Anleihen werden durch die Sanktionen benachteiligt

Es ist im Grunde ein Unding, wie westliche Anleger von russischen Anleihen und russischen ADR, aber auch bei Osteuropafonds und ETF so sehr im Regen stehen gelassen werden, was Schuld von Clearstream, den US-Verwahrstellen und vor allem den unsinnigen Sanktionen gegen Russland ist. Das gesamte Volumen der ADR dürfte mehr als 100 Milliarden Euro betragen, die nun brachliegen, mit Anleihen sogar noch mehr. Es ist nicht verständlich, warum die russischen ADR nicht mehr handelbar waren, nachdem die Moskauer Börse am 24. März 2022 wieder eröffnet hatte. Danach konnten die ADR-Halter nicht mehr aktiv werden.

Warum reagiert der Bundesfinanzminister nicht?

Im Grunde müsste jeder Anleger von russischen ADR jetzt Briefe an den deutschen Bundesfinanzminister Christian Lindner schreiben, um Aufklärung und Anlegerschutz einzufordern, was die Schutzvereinigung für Kleinanleger (SDK) bereits gemacht hat. Dieser Brief an Lindner blieb aber bisher unbeantwortet. Hier müssten sich jetzt viel mehr Anleger und deren Rechtsanwälte einschalten und klagen. Denn das, was EU, Bundesregierung und Clearstream machen, kommt fast einer Enteignung gleich. So etwas darf nicht widerstandslos hingenommen werden. Man muss sich auch fragen, ob nicht die US-Amerikaner dahinterstecken, dass der Transfer der ADR zu den Brokern, die helfen können, nicht mehr funktioniert.

Moskauer Börse im Abwärtssog

So sind russische ADR nicht mehr handelbar und alle Osteuropafonds und ETF wurden auf Null gestellt, obwohl es Kurse an der Moskauer Börse gibt. Das ist ein Unding. Der MOEX-Index der Moskauer Börse gab allerdings wie alle Weltbörsen im September kräftig nach und fiel von 2.500 auf unter 2.000 Indexpunkte – ein neuer Tiefststand. Der Index fiel damit um 52 Prozent in einem Jahr. Der RTS-Index fiel auch von 1.250 auf unter 1.000 Indexpunkte, was einen Kursverlust von 49 Prozent in einem Jahr bedeutet. Der Unterschied kommt durch den starken Rubel zustande, der sich bei 60 EUR/RUB stabilisiert.

Angespannte Geld- und Geopolitik hält an

Den Weltbörsen erging es im September und Anfang Oktober nicht besser, da fast alle Indices der großen Weltbörsen jetzt nahe den Jahrestiefstständen notieren. Schuld daran ist die US-Notenbank Fed mit den steigenden Zinsen zur Inflationsbekämpfung, also die restriktive Geldpolitik der Fed und EZB, und auch der immer weiter eskalierende Krieg in der Ukraine, ohne Aussicht auf schnelle Besserung. In Großbritannien gab es vergangene Woche fast einen Zusammenbruch der britischen Pensionskassen, womit unausweichliche, globale Dominoeffekten nur durch das resolute Eingreifen der britischen Notenbank verhindert wurde. Sehr schlecht sieht es auch bei der Credit Suisse mit vielen Leichen im Keller aus. Aufgrund der stark steigenden Zinsen droht nun auch ein Immobilien-Crash und damit weitere Schieflagen bei Banken. Zudem droht eine Insolvenzwelle und Rezession aufgrund der zu hohen Gas- und Strompreise, obwohl ein Öl- und Gaspreisdeckel nun helfen soll. Man darf gespannt sein, was uns nun die Berichtssaison beschert.

Irreführende Verlautbarungen von Clearstream

Am 6. Oktober 2022 verwirrte Clearstream erneut die Anleger mit einer vagen Mitteilung, wie der Transfer von DR (Depositary Receipts, also Hinterlegungszertifikaten) wieder ermöglicht werden könnte. Offensichtlich betrifft das aber keine russischen DR, denn ein Transfer zu Kanzleien oder Brokern, die hernach den Umtausch in Originalaktien ermöglichen, ist nach wie vor nicht gegeben.

So wurden die ADR-Halter lahmgelegt und sind handlungsunfähig. Allerdings sollten Anleger jetzt abwarten, ob sie demnächst doch im Wege des „corporate action event“ Post von ihrer Bank bzw. ihrem Broker bekommen, dass sie ADR umtauschen können. Dann müsste zuvor die Verwahrstelle in den USA zustimmen. Denn durch den „russischen Weg“ weiß die Verwahrstelle in den USA nicht, wer über den „russischen Weg“ bisher umgetauscht hat. Es müsste jetzt einen Datenaustausch zwischen der russischen und der US-amerikanischen Verwahrstelle geben, damit die DR nicht doppelt vergeben werden. Das ist jetzt das Datenproblem, das ungelöst ist, solange der Krieg anhält und die Sanktionen bestehen.

Während Clearstream im August die Weiterleitung von ADR bei der Bank of New York zu Brokern, die einen Umtausch der Hinterlegungszertifikate in Originalaktien ermöglichten, kurzfristig frei gab, geht ein solcher Transfer auch nach der irreführenden Mitteilung vom 6. Oktober immer noch nicht.

Nach Umtausch in Originalaktien gibt es nun die ersten Verkaufsmöglichkeiten bei Freedom Broker und Zerich Securities Ltd.

Dabei hat die russische Verwahrstelle NSD (National Settlement Depository) eingeräumt, dass sie bis Ende des Jahres keine Gebühren von Anlegern verlangen wird, so dass bis dahin im Grundsatz der Weg wieder frei wäre, die ADR einerseits zu transferieren und anderseits in russische Originalaktien umzutauschen. Aber Clearstream will oder kann wegen der US-Verwahrstellen (auf Anordnung der USA?) bisher nicht mitspielen. Trotz der etwas vagen Ankündigung von Clearstream wurden nach dem 6. Oktober bis zum 14. Oktober noch keine russischen ADR übertragen. Möglich ist seit dem 6. Oktober jedoch wieder die Konvertierung, wenn die ADR bei Freedom Broker zuvor gelandet sind, mithin also der Umtausch einiger ADR in russische Originalaktien wie bei Gazprom und Lukoil.

Freedom Broker (ehemals Freedom Finance) bietet nun sogar an, die umgetauschten Originalaktien mit einem gewissen Discount zu verkaufen, so dass man Cash erhält. Zugrunde gelegt wird dann der aktuelle Börsenkurs an den Moskauer Börse und der aktuelle Rubelkurs, der sich bei 60 EUR/RUB stabilisiert. Eine Gazpromaktie ist immer noch über 7 Euro wert.

Der „russische Weg“ steht allem offen, aber nur noch für eine kurze Zeit

Zudem gibt es nach wie vor einen von der Duma bewilligten „russischen Weg“ der Zwangskonvertierung ohne westliche Partner. Dieser Weg ist etwas aufwendiger, weil er mit höheren Kosten für Kanzleien und den Besuch von Notaren für die Apostille verbunden ist. Gegen Entgelt behilflich sind dabei nach wie vor die Kanzleien Goldenstein aus Potsdam und Schirp & Partner aus Berlin, wobei Goldenstein jetzt keine neuen Mandanten aus Zeitgründen mehr annimmt. Denn der russische Weg wurde seitens der Duma auf den 11. November 2022 begrenzt. Es könnte auch sein, dass diese Frist wieder durch Dumabeschluss verlängert wird. Möglich wäre zudem, dass nach dem 11. November 2022 wieder der Weg über Clearstream ermöglicht wird, was abzuwarten gilt.

Wer seine ADR bisher noch nicht umgetauscht hat, dem bieten sich dann vielleicht wieder Möglichkeiten bei Freedom Broker mit Sitz auf Zypern, der ein Büro in Berlin unterhält und alles in Deutsch erklären kann. Voraussetzung dafür ist zunächst die Eröffnung eines Kontos bei Freedom Broker. Auch wenn der Transfer von der Bank bzw. dem Broker wegen Clearstream noch nicht möglich ist, könnte es sich lohnen, schon jetzt ein Konto zu eröffnen, denn im November/Dezember muss es eventuell dann sehr schnell gehen. Man sollte auf alles vorher vorbereitet sein.

Nachdem das Konto eröffnet wurde, muss der Anleger seine Bank bzw. seinen Broker schriftlich auffordern, die DR auf das Konto bei Freedom Broker zu überweisen. Es kann jedoch sein, dass der Übertrag nicht gleich gelingt, sondern erst im November/Dezember. Im November wird der „russische Weg“ beendet. Es kann gut sein, dass dann ein ADR-Übertrag via Clearstream wieder möglich wird. Dann hat man aber auch nur noch Zeit bis Ende des Jahres.

Freedom Broker bietet neuerdings Pre-IPOs an

Ganz unabhängig von der Übertragung von ADR und dem Umtausch in Originalaktien lohnt sich die Eröffnung eines Kontos bei Freedom Broker aus verschiedenen Gründen. Freedom Broker bietet ab einem gewissen Betrag nicht nur die Teilnahme an IPOs an der Nasdaq, sondern neuerdings auch bei Pre-IPO in einem späten Private-Equity-Stadium für zwei sehr aussichtsreiche Gesellschaften an. Zudem lassen sich über Freedom Broker neuerdings Call- und Put-Optionen erwerben und sich damit auch gegen fallende Kurse absichern. Freedom Broker gibt dem Anleger immer wieder neue Investmentideen, wie jetzt aktuell eine Liste von interessanten Übernahmekandidaten. Das Beispiel der geplanten Übernahme von Twitter durch Tesla (Elon Musk) mit einem Kursanstieg von 20 Prozent zeigt, wie chancenreich Übernahmekandidaten auch in schlechten Börsenphasen sein können. Bei Freedom Broker steht immer ein Mitarbeiter zur Verfügung, der Anlageinteressierte berät. Auf einem US-Dollar-Konto werden dem Anleger sogleich 3 Prozent für den Liquiditätsbestand gutgeschrieben, was mehr ist als auf einem deutschen Termingeld-Konto.

Zerich Securities Ltd. bietet den Umtausch und Verkauf von russischen ADR an

Ebenso können Anleger bei Zerich Securities Ltd. über die Plattform Mind Money ein Konto eröffnen, auch bzw. speziell für ADR und sogar auf Deutsch eingerichtet. Auch Zerich Securities Ltd. bietet nach wie vor nicht nur die Umwandlung in Originalaktien, sondern auch den Verkauf mit einem gewissen Discount an. Allerdings müssen die ADR erst zu Zerich Securities Ltd. gelangen, was über Euroclear einfacher möglich ist als – wie oben ausgeführt – über Clearstream.

IPOs und neue Analyse über Gas, Weizen, Fleisch bei Zerich Securities Ltd.

Bei Zerich Securities Ltd bzw. Mind Money lohnt sich ebenfalls eine Kontoeröffnung unabhängig vom Verkauf von russischen ADR, denn der Broker bietet auch die Teilnahme an IPOs an wie zuletzt erfolgreich bei Porsche. Die Porsche-Aktie startete am ersten Börsentag zwar schlecht, stieg hernach jedoch um 14 Prozent sogar gegen den fallenden Dax 40 an. Zerich Securities Ltd. will nun eine Analyse von Rohstoffen wie Gas, Weizen und Fleisch machen, denn auch damit lässt sich mit bestimmten Produkten oder Aktien aus dem Bereich in Bärmärkten wie jetzt Geld verdienen.

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ZUM AUTOR

Andreas Männicke ist Journalist, Buchautor, Verleger, Börsen-Experte und Berater (mit Spezialisierung auf Osteuropa) – bekannt aus TV- und Radio-Sendungen wie N-TV, N24, DAF, Bloomberg, Deutsche Welle. Mehr Information: www.andreas-maennicke.de und www.eaststock.de

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Andreas Ballnus erzählt in seiner Kolumne „Kann passieren“ reale Begebenheiten, fiktive Alltagsgeschichten und manchmal eine Mischung aus beidem. Diese sind wie das Leben: mal humorvoll, mal nachdenklich. Die Geschichten erscheinen jeweils am letzten Freitag eines Monats in business-on.de.

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