Laut einer Online-Befragung der Handwerkskammer Hamburg unter ihren Mitgliedern sind die Handwerksbetriebe in der Hansestadt derzeit in „passabler wirtschaftlicher Verfassung”, wenngleich der Konjunkturmotor in Teilbereichen des Handwerks schlechter laufe als im letzten Winterhalbjahr. Die Befragung wurde laut Mitteilung vom 15. bis 31. März 2021 durchgeführt. Antworten lieferten demnach 170 der 300 angefragten Mitgliedsbetriebe.
Das eingeholte Stimmungsbild ist davon geprägt, dass die einzelnen Branchen unterschiedlich von der Pandemie betroffen sind. Etwa die Hälfte der Betriebe beklagt laut Mitteilung sinkende Umsätze. Vergleichsweise dramatisch ist die Lage bei Kosmetik- und Friseurbetrieben, in der Textilreinigungsbranche sowie im Kfz-Gewerbe.
Immerhin ein Drittel der Betriebe beurteilten ihre geschäftliche Entwicklung im ersten Quartal als „gut“. Jedoch ging die Anzahl der Handwerkerinnen und Handwerker zurück, die sich als „zufrieden“ bezeichneten. Mit 71 Prozent liegt sie deutlich unter dem Herbstwert: Da waren es noch 88 Prozent, die sich zufrieden zeigten. Fazit: Die Krise drückt zunehmend auf die Stimmung.
Stimmungsbild in einzelnen Branchen
Konjunkturabkühlung im Bauhauptgewerbe: Bei Maurern und Betonbauerinnen, Zimmerern und Dachdeckerinnen, Straßen- und Gerüstbauern kühlt sich die Stimmung von einem hohen Niveau kommend ab: Nur noch 35 Prozent der Bauhandwerksmeister und -meisterinnen bewerten die geschäftliche Entwicklung am Ende des ersten Quartals 2021 mit „gut“: Im Herbst waren es noch 70 Prozent. Der Blick in die Zukunft ist optimistischer: 53 Prozent erwarten Zuwächse, nur 6 Prozent rechnen mit einem Abschwung.
Lage im Ausbauhandwerk recht gut, Prognose gedämpft: 46 Prozent der befragten Ofen-und Luftheizungsbauer, Maler- und Lackiererinnen, Installateure und Heizungsbauer, Klempnerinnen, Elektrotechniker, Tischlerinnen, Stuckateure, Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerinnen, Glaser, Raumausstatter sowie Rollladen- und Sonnenschutztechnikerinnen bewerten die Lage im ersten Quartal 2021 positiv. Die Zukunftsprognose fällt nach Angaben gedämpfter aus: Lediglich 16 Prozent erwarten eine weitere Belebung ihrer Geschäfte.
Angespannte Situation im Handwerk für den gewerblichen Bedarf: Metallbauerinnen, Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauerinnen, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Informationstechniker, Gebäudereiniger, Landmaschinenmechanikerinnen und Modellbauer beurteilen ihre Lage angespannter als im Herbst: Nur noch 27 Prozent bezeichnen sie als „gut“; im Herbst waren es noch 37 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten rechnet künftig mit einer unveränderten Geschäftslage.
Skepsis im Kfz-Gewerbe: Karosserie- und Fahrzeugbauer sowie Kraftfahrzeugtechnikerinnen äußern sich verhalten. 66 Prozent sind positiv gestimmt, 33 Prozent berichten von negativen Entwicklungen. Der Blick in die nahe Zukunft ist eher skeptisch: 67 Prozent der Befragten gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung im nächsten Quartal aus, 22 Prozent rechnen mit einem negativen Geschäftsverlauf.
Lebensmittelhandwerk mit stabilem Geschäftsverlauf: Bäcker, Konditorinnen und Fleischer befinden sich weiterhin in stabilem Konjunkturfahrwasser. Die Stimmungslage ist gut; nur 22 Prozent der Befragten melden eine eher schlechte wirtschaftliche Situation. Mit 78 Prozent rechnet der größte Teil der Befragten in Zukunft mit einer gleichbleibenden Entwicklung.
Gesundheitshandwerk mit verschlechterter Lage: Augenoptikerinnen, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker und Orthopädieschuhmacherinnen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage im ersten Quartal 2021 als insgesamt etwas schlechter: 43 Prozent sagen „gut“, 29 Prozent „zufriedenstellend“. Im Herbst waren es noch 56 bzw. 44 Prozent. Die Zukunftsaussichten werden sich 44 Prozent der befragten Handwerksbetriebe zufolge verbessern. 22 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.
Personenbezogenes Dienstleistungsgewerbe leidet: Für Kosmetikerinnen, Friseure, Uhrmacher, Maßschneider, Schuhmacherinnen, Fotografen und Textilreiniger ist die Lage insgesamt schwierig. Ihre Betriebe waren teilweise direkt vom Lockdown bzw. vom Wegfall wichtiger Kundengruppen, etwa im Gastronomie- oder Veranstaltungsbereich, betroffen. Rund zwei Drittel der Betriebe leiden gegenwärtig unter einer schlechten wirtschaftlichen Entwicklung. Aber: 81 Prozent der befragten Betriebe blicken positiv in die Zukunft; sie erwarten verbesserte oder zumindest gleichbleibende Geschäfte.
Auswirkungen der Maßnahmen im ersten Quartal 2021
Von den staatlich verordneten Maßnahmen direkt betroffen waren laut Angaben 55 Prozent der Befragten. 48 Prozent berichten demnach von Auftragsrückgängen und 46 Prozent von Schwierigkeiten mit ihren Lieferanten. Die Umstellung von betrieblichen Prozessen empfanden 36 Prozent als schwierig. Ein Drittel der befragten Betriebe spürte direkte Auswirkungen, weil es zu Ausfällen und Einschränkungen in der Belegschaft kam. Fast die Hälfte, nämlich 46 Prozent der Befragten, findet die Corona-Maßnahmen angemessen. Ein Drittel urteilt „überzogen“ und 24 Prozent sind der Meinung, dass diese zu spät kamen.
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer, kommentiert: „Das Handwerk ist mit Ausnahme der durch den Lockdown gebeutelten personenbezogenen Gewerke noch recht gut aufgestellt. Unsere Betriebe zeigen sich bis zum einem gewissen Grad optimistisch; die Stimmung trübt sich aber zunehmend ein. Alles, was das Pflänzchen Aufschwung nährt, muss jetzt weiter konsequent vorangetrieben werden – das bedeutet vor allem: impfen, impfen, impfen. Und einen schnell anerkannten Impf- und Testausweis. Damit wir bald wieder einem sicheren und produktiven Tagesgeschäft nachgehen können.“
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